"Notgemeinschaft" mit Herz

Sven (Jan Hasenfuß) versucht den enttäuschten Göran (Thomas Rohmer) mit einem kleinen Tänzchen aufzuheitern. Es läuft noch nicht so rund mit dem 15-jährigen Patrick. Bild: Otto

Wenn zwei Männer heiraten und ein Kind adoptieren, nennt man das Regenbogenfanilie. Was so harmonisch klingt, ist immer noch mit Vorurteilen konfrontiert. Das Stück "Patrick 1,5" nimmt in der Max-Reger-Halle diese Ressentiments genüsslich auf die Schippe.

Göran (Thomas Rohmer) und Sven (Jan Hasenfuß) sind ein schwedisches Paar, eine sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaft. Durch Beziehungen ist es ihnen gelungen, ein Kind zu adoptieren. Durch einen Komma-Fehler kommt eines Tages nicht das erwartete eineinhalb Jahre alte Kind zu ihnen. Stattdessen steht der 15-jährige Patrick (Stefan Pescheck) auf der Matte.

Tiefe Verletzungen

Da es aber Freitagnachmittag ist und auf dem Amt niemand mehr zu erreichen ist, lädt der liebenswerte Göran den Jungen ein, das Wochenende über zu bleiben, obwohl der sich als Rowdy entpuppt, der ein Tötungsdelikt auf dem Kärbholz hat. Sven ist enttäuscht über die Verwechslung und geht wie Patrick zunächst auf Konfrontation.

Dennoch beginnt die Notgemeinschaft, sich einander anzunähern. Nach und nach legen die Akteure ihr Rollenverhalten ab und offenbaren darunter zu oft enttäuschte Seelen: Sven, der sich nicht von Görans Mutter angenommen fühlt und ein Alkoholproblem hat, Göran, der kreative Erfinder, der sich für einen Versager hält und Patrick, der hinter Schwulenhass und Aggression tiefe Verletzungen verbirgt.

Aber das Wochenende hinterlässt bei allen Dreien ihre Spuren. Gegenseitig bieten sie einander Halt, wachsen in der kurzen Zeit so eng zusammen, dass als der Mann vom Jugendamt Patrick wieder abholen will, klar ist: Das ist die Familie, die sich alle drei immer gewünscht haben. Und so nimmt das Stück seine Wende zum Happy End.

Mit "Patrick 1,5" haben die Theatergastspiele Fürth einen schwedischen Kinofilm auf die Theaterbretter geholt, den Regisseur Thomas Rohmer für die Bühne adaptiert hat. Oberflächlich betrachtet ist das Stück eine erfrischende Komödie mit viel Tempo und pointierten Dialogen.

Blick hinter die Fassade

Die Inszenierung zeigt aber auch: Man muss hinter die Fassade blicken, um einen Menschen wirklich kennenzulernen. Dankenswerter Weise verzichten die Akteure auf das in Unterhaltungsproduktionen weit verbreitete "Rumgetucke". Sie verkörpern die Ehemänner als das, was sie sind: Ein ganz normales Paar, das Wünsche hat, sich liebt und trotzdem seine Probleme und Ängste mit sich herumträgt.
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