„One-Man-Band“ in Sachen Blues
Von den Baumwollfeldern auf die Konzertbühne

Eine Reise zu den Wurzeln der Musik: Bernd Rinser auf den Spuren von Blues und Folk der amerikanischen Südstaaten erweckt die Tradition der One-Man-Bands zu neuem Leben. Bild: lr
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
27.02.2016
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Der flirrende Klang des Bottlenecks auf einer antiken Resonator-Gitarre erinnert an die Idylle einer Veranda in den Südstaaten, wenn nach getaner Arbeit Entspannung in der Musik gesucht wurde. Die Nachfahren der Sklaven spielten sich Sorgen und Probleme mit ihrer Musik von der Seele, sie hatten keinen Psychiater oder Sozialpädagogen um ihren Alltag zu bewältigen. Am Anfang war der Blues - das gilt für alle Rockmusik, und Bernd Rinser hat sich diesen Wurzeln verschrieben.

Abwechslung zum Alltag


Wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten wirkt seine Musik, archaisch und faszinierend. Man fühlt sich bei "Klein & Kunst" in der Weidener Max-Reger-Halle zurückversetzt in die "Juke-Joints" und die Tanzparties, in eine Zeit, als Live-Musik für die Landbevölkerung die einzige Abwechslung zum tristen Alltag darstellte, als an den Wochenenden in den Spelunken ein Musiker zum Tanz aufspielte, ehe die Juke-Box diese Aufgabe übernahm.

Namen wie Robert Johnson, Big Joe Williams, Bukka White, Son House, oder auch R.L. Burnside, prägten den Delta-Blues. Die Resonator-Gitarre wurde dabei wegen ihre Lautstärke bevorzugt, das "Bottleneck", anfangs ein abgesägter Flaschenhals, später ein Metallrohr, sorgte für zusätzliche perkussive Effekte. Originale wie Doctor Ross oder Blind Joe Hill konnten sich mit Basstrommel und Mundharmonika als "One-Man-Band" auch gegen lautstarkes Publikum durchsetzen und kreierten einen eigenen Stil.

Bernd Rinser hat all diese Einflüsse für seine Musik aufgesogen, über dem stampfenden Beat der Basstrommel mit dem rechten und einem Tambourin mit dem linken Fuß, entwickeln die rhythmische Muster, wobei oft über lange Strecken nur ein Akkord gespielt wird, in den alten Tagen ein wichtiges Element zum Tanz. Die Mundharmonika, gespielt mit einem Gestell am Nacken, dient der Auflockerung und erinnert an die Kindertage des Jazz, an die Tub- und Washboardbands. Später wurde diese Spielweise von vielen Folksängern, u.a. auch von Bob Dylan, übernommen. Nun lieferte sie allerdings eher ein kurzes Zwischenspiel zwischen den einzelnen Strophen eines Songs.

Bernd Rinser spielt nur eigene Kompositionen, seine Lieder sind aber prägenden Persönlichkeiten gewidmet, seine Texte spielen immer wieder auf Songs von Townes van Zandt, Willy de Ville oder den späten Johnny Cash an.

In stimmungsvollen Einleitungen in deutscher Sprache verdeutlicht er die oft schwierigen Charaktere, wobei die Schattenseiten des Lebens im Mittelpunkt stehen. Der "Loser" oder der "Underdog" sind allgegenwärtig, das Leben auf der Straße, Grenzen zwischen Arm und Reich, Weiß und Schwarz, zwischenmenschliche Beziehungen oder der Sinn des Lebens werden mit Songs in unterschiedlichen Stimmungen ausgedrückt. Gesungen wir Englisch mit amerikanischen Slangausdrücken, da tauchen Textzeilen wie "I feel like dogfood on the floor" oder "Born with a sliver spoon" auf. Unter die Haut geht Rinsers "Guardian Angel", gewidmet Johnny Cash, oder auch "The Chapel", ein Song, gewidmet allen "Losers". Rinser singt mit tiefer, oft heiserer und expressiver Stimme, die besonders bei den leiseren Balladen gut zur Geltung kommt.

Wohnzimmer-Atmosphäre


Als letzte Zugabe setzt sich Bernd Rinser mit seiner Gitarre ins Publikum und intoniert ganz ohne Verstärker in Wohnzimmer-Atmosphäre seinen letzten Song "A heart is a lonely hunter" - und nun kommt auch der Naturklang der Resonator-Gitarre voll zur Geltung. Sie stammt aus der Werkstatt von Peter Wahl, der aus alten Gitarren bühnentaugliche Instrumente kreiert. "Jede Gitarre hat ihren persönlichen Klang!" betont Rinser, und deshalb wechselt er im Konzert ständig die Instrumente, wobei für die Bottlenecktechnik oder Fingerpickin' natürlich auch unterschiedliche Stimmungen nötig sind.
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