Opfer von Machtkämpfen

Pfarrer Wolfgang Wunderer sprach zum dritten Mal beim Freundeskreis Tutzing in Weiden. Er hat von 1946 bis 1964 hier gewohnt. Seit zwölf Jahren leitet er den Freundeskreis Tutzing in Augsburg. Bild: sbü

Aus seiner Lebensgeschichte kann man viele Lehren ziehen. Entsprechend spannend war der Vortrag über Jan Hus, Tschechiens Nationalhelden, beim Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing.

(sbü) Opposition gegen ein herrschendes autoritäres System ist auch heute gefährlich. Wer allerdings im späten Mittelalter die Missstände in der Amtskirche anprangerte und die herrschende Lehrmeinung kritisierte, galt schnell als Ketzer. Und Ketzer wurden verbrannt. So erging es Jan Hus, dem Nationalhelden Tschechiens. Er wurde am 6. Juli 1415 während des Konzils von Konstanz als Ketzer hingerichtet und bei lebendigem Leib verbrannt.

Über Jan Hus sprach Wolfgang Wunderer, evangelischer Pfarrer und Kabarettist aus Augsburg im Evangelischen Gemeindehaus. "Ein Justizskandal mit Folgen" hatte Wunderer seinen Vortrag überschrieben. In 13 Kapiteln trug er dazu vor und faszinierte die Zuhörer: Denn es klang so, als hätte Jan Hus im letzten Jahrhundert gelebt.

Über viele Jahrhunderte tat sich die katholische Kirche sehr schwer mit dem Leben des "Vorreformators", wie ihn Pfarrer Wunderer nannte. Erst 1999 habe diesen Papst Johannes Paul II "für Sittlichkeit und Mut" gewürdigt und um Vergebung für dessen Leiden gebeten.

Kritik am Papsttum

Der Vortrag widmete sich zunächst dem zeitgeschichtlichen Rahmen, in dem Hus wirkte. Es war die Zeit des sogenannten Kirchenschismas. Bis zu drei Päpste gab es damals. Es war auch eine Zeit, in der die Kirchenfürsten über weltliche Macht und Armeen verfügten. Prag, seine Universität und der böhmische König Karl IV. und Wenzel IV. hatten große Bedeutung in Europa. In dieser Zeit lebte Jan Hus, geboren 1369. Hus war Theologe, Prediger und zeitweise auch Rektor der Karls-Universität. Seine Predigten in tschechischer Sprache begeisterten viele. Wunderer bezeichnete Hus als "sprachbildend für Tschechien" und als "Erfinder des tschechischen Alphabets auf der Grundlage des lateinischen Alphabets". Die deutsche Oberschicht in Prag sei eng mit der lateinisch-katholischen Kirche verbunden gewesen. "Hus griff die lasterlebende Geistlichkeit an und forderte ein tschechisches Nationalbewusstsein", berichtete der Referent. Hus habe auch vieles angesprochen, das später von Martin Luther aufgegriffen wurde, wie Kritik am Papstum, Gleichheit der Menschen, Kirche der Armen und Wortlaut der Bibel als oberste Maxime.

Standfest bis zum Tod

Schließlich wurde Hus exkommuniziert und aus Prag verwiesen, weil er sich nicht an die ihm auferlegten Predigtverbote hielt. Verurteilung und Hinrichtung von Hus im Jahre 1415 waren eng mit dem Konzil von Konstanz verbunden. Dort wollte man die Einheit der Kirche wiederherstellen. Von Justizskandal sprach Wunderer, weil Hus mit der Zusicherung des Königs für freies Geleit nach Konstanz gelockt wurde. Er wollte seine Lehren verteidigen, weigerte sich, sie zu widerrufen und wurde am Ende doch Opfer von Kämpfen um kirchliche und weltliche Macht.

Die nachfolgenden langjährigen Hussitenkriege berührten auch die Oberpfalz. Wunderer beschrieb Hus abschließend mit den Worten "Nationalheld für Tschechien (sein Todestag, 6. Juli, ist dort Nationalfeiertag), Vorreformer für Protestanten sowie Vorkämpfer für Liberale, Sozialisten und für die katholische Kirche".
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