Osterfestival: Internationale Junge Orchesterakademie in der Max-Reger-Halle
Reger bittet zum Maskenball

Das Große Symphonieorchester der Internationalen Jungen Orchesterakademie unter der Leitung von Dirigent Dorian Keilhack (Zweiter von Rechts) und Mezzosopranistin Nathalie Flessa (Dritte von rechts) begeisterten am Ostermontag in der voll besetzten Max-Reger-Halle. Bild: Stiegler
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
29.03.2016
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Trotz kurzer Probenzeit bieten die jungen Musiker der Orchesterakademie in der Max-Reger-Halle eine grandiose Leistung. Die internationale Besetzung baut eine Brücke der Toleranz.

Es geht in erster Linie um die Musik. Aber auch um das, was abseits davon offensichtlich schwierig zu erreichen ist: Gegenseitigen Respekt, Toleranz und all jene Werte, die ein friedvolles Zusammenleben ermöglichen. Die aktuellen Bilder aus Brüssel und Lahore, aber auch aus dem Flüchtlingslager Idomeni hat jeder vor Augen. Im großen Symphonieorchester der Internationalen Jungen Orchesterakademie (IJOA) sind knapp 90 junge Künstler aus 31 Nationen vereint, Nordkoreaner musizieren mit Südkoreanern, Russen mit Ukrainern, Venezolaner mit US-Amerikanern. Die Musik baut Brücken, zu denen der Mensch meist nicht fähig ist.

Beim 22. Osterfestival Nördliche Oberpfalz gastiert das Orchester am Ostermontag unter der Leitung von Dorian Keilhack in der Max-Reger-Halle. Den ersten Teil des Auftritts widmen die Musiker dem Komponisten Max Reger, dessen Todestag sich dieses Jahr nicht nur zum 100. Mal jährt, sondern der auch als Person die Klammer für die insgesamt vier Konzerte des Symphonieorchesters in Weiden, Bayreuth, Selb und Jena bildet: Geboren in Brand (mit etwas Fantasie in der Nähe von Selb), aufgewachsen in Weiden, inspiriert und geprägt durch die Bayreuther Festspiele, am Lebensende gewohnt in Jena.

Satter Sound


Es wird eng auf der Bühne in der Max-Reger-Halle und es wird voluminös: Neben den Streichern sorgen die Holz- und Blechbläser sowie die Pauken für einen richtig satten Sound. Für eine Klangstärke, die Max Reger für seine "Ballettsuite op. 130" vielleicht nicht unbedingt im Ohr hatte, die das Werk aber durchaus vertragen kann. Die Zuhörer werden mitgenommen auf einen Maskenball, wo ihnen in den einzelnen Sätzen die Figuren Columbine, Harlequin, Pierrot und Pierrette begegnen. Die einzelnen sechs Sätze werden zu intensiven Stimmungsbildern, und auch die Instrumentalsoli kommen exzellent an - allen voran der Solo-Cellist.

Als einer der "Väter" des Kunstliedes gilt Franz Schubert: Bei zwei seiner bekanntesten Werke - "Gretchen am Spinnrad" und "Erlkönig" - hat er auf Texte von Johann Wolfgang von Goethe zurückgegriffen. Und Max Reger hat auf Kunstlieder Schuberts zurückgegriffen und diese für Orchester und Gesang arrangiert. Mit der jungen Mezzosopranistin Nathalie Flessa, eine gebürtige Bayreutherin, steht eine ausgezeichnete Interpretin auf der Bühne: Sie verleiht den insgesamt fünf Liedern (inklusive einer Zugabe) mit ihrer mächtigen Stimme eine enorme Strahlkraft, an einigen Stellen im "Erlkönig" hätte Dirigent Keilhack das schon reduzierte Orchester gerne noch etwas zurücknehmen können.

Leidenschaftlicher Dirigent


Der zweite Teil des Konzertes gehört Johannes Brahms und seiner grandiosen 4. Symphonie op. 98. Leidenschaftlich steht Dorian Keilhack mit dem Dirigentenstab in der Hand auf der Bühne, Noten braucht er nicht dafür. Wie in nur wenigen Tagen Probezeit ein solch harmonischer Klangkörper geschaffen wird, verdient allen Respekt. Das Orchester begeistert mit einer ungeheuren Leichtigkeit im Spiel, die sich durch den gesamten Konzertabend zieht. Und als Beobachter kann man den Eindruck gewinnen, dass der Dirigent von der Leistung seines Ensembles in den facettenreichen Sätzen genauso begeistert ist, wie es die Zuhörer sind. Lange anhaltender Applaus für ein österliches Konzert der Extraklasse.
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