Pfingstausstellung des Oberpfälzer Kunstvereins nach Vernissage noch bis 26. Mai geöffnet
Kunst als Lotse in einer komplexen Welt

Stefan Ullrichs hyperrealistisches Bild "Auf der Plattform" ist von Weitem kaum von einem Foto zu unterscheiden. Erst aus der Nähe ist zu erkennen, wie meisterhaft die Szene in Acryl festgehalten ist. (Bild: Otto)
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
16.05.2016
136
0
Hyperrealistisch, abstrakt und gegenständlich. Ästhetisch, kritisch, mysteriös. Imposante Malerei, meisterhafte Drucke, feine Plastiken, Comic, Anime und hintersinnige Objektkunst – die Pfingstausstellung des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV) 2016 in der Weidener Realschul-Aula beeindruckt durch Vielfalt und eine durchgehend hohe künstlerische Qualität.

Vorsitzende Irene Fritz stellt in ihrer Begrüßung eine knifflige Frage: „Kann ich mich in Zeiten von Flucht und Vertreibung, Angst vor Terror und Umweltkatastrophen noch ins Grüne setzen und ein Aquarell malen?“

Die großen Krisen der Welt hatten schließlich auch immer Einfluss auf die Kunst: Nach dem Ersten Weltkrieg mit Millionen von Toten wagte Dada mit der Ablehnung aller künstlerischer Dogmen den großen Befreiungsschlag, nach Auschwitz stellte Adorno hingegen die gesamte Zukunft der Poesie in Zweifel.

Neue Perspektiven


Irene Fritz gibt eine eindeutige Antwort: „Ein Kunstwerk kann neu berühren, es kann aufmerksam machen, den Finger in die Wunde legen, aber auch versöhnen und beruhigen.“ Kunst könne den Betrachter für neue Perspektiven öffnen. Und diesen Wechsel des Standpunkts brauche man zur Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Kunst als Lotse.

Kunst also nicht obwohl, sondern weil die gesellschaftliche Situation so schwierig ist. Dabei gibt es Exponate, die ihre Botschaften ganz unmittelbar zum Ausdruck bringen. Tone Schmid zum Beispiel widmet sich mit seiner Videoarbeit „open heart – open end“ der polarisierenden Flüchtlingskrise und der sogenannten Willkommenskultur.

Neue Bedeutungsebene


Aus der direkten Perspektive eines Flüchtlings sind die Arbeiten des iranischen Asylbewerbers Seyed Naser Seddighi entstanden. Eindrücklich ist sein Bild „Erdöl und Blut“, das die Zusammenhänge zwischen Krieg und wirtschaftlichen Interessen der Industrienationen anklagt.

Nicht politisch, aber dennoch eindrucksvoll sind die Arbeiten des Gastkünstlers Fritz Thiem. In seinen Linolschnitten verfremdet er Zeichen und Buchstaben, die er auf Einkaufszetteln, Kreuzworträtseln oder Notizen findet. So nimmt er den Chiffren den eigentlichen Bezug, um sie dann auf eine neue Bedeutungsebene zu hieven, die dem Betrachter reichlich Deutungsspielraum gibt.

Nachwuchspreis für Xenia Würf


Die Bedeutung von junger Kunst bringt der OKV durch einen Nachwuchspreis. Xenia Würf orientiert sich am Stil der Manga-Comics, mit einer eigenen Handschrift und ohne zu kopieren. Mit akkuratem Strich entwirft sie erzählerische Welten, die durch Lichtgestaltung, Dynamik und Emotionalität die Fantasie des Betrachters inspirieren.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung mit Liedern von Max Reger – interpretiert von der Sopranistin Manuela Spitzkopf und dem Pianisten Hans Joachim Grajer. Zu sehen sind die Werke der Oberpfälzer Künstler noch bis 26. Mai, täglich von 11 bis 17 Uhr. Prädikat: empfehlenswert.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.