Philipp Stauber mit einem phänomenalen Konzert in Weiden
Gitarren-Jazz für Klang-Ästheten

Balsam für sensible Ohren: Das Quintett um den Gitarristen Philipp Staufer bescherte dem Weidener Jazz-Zirkel ein volles Haus im "Bistrot Paris". Auch die Musiker waren begeistert von der Location. Bild: lr
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
14.02.2016
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Philipp Stauber? Dieser Name war selbst eingefleischten Jazzliebhabern bisher kaum ein Begriff. Nun, als 50-jähriger, hat sich der gebürtige Oberpfälzer mit einem phänomenalen Konzert in Weiden ins Bewusstsein der Jazzgemeinde gespielt.

Zwei Gibson-Gitarren begleiten Stauber auf seiner Tournee. "Jede Gitarre hat ihren bestimmten Charme", beteuert er, und zu seiner "L-5" hat er ein ganz besonderes Verhältnis, gehörte sie doch ehedem Pat Martino, "einem der größten Gitarristen aller Zeiten".

Philipp Stauber orientiert sich am Stil der großen Meister: Wes Montgomery, Joe Pass, Barney Kessel oder Howard Roberts hat er ausgiebig studiert, ohne sie jedoch zu kopieren. Wie selbstverständlich fließen ihre Spielweisen und Eigenarten in die Musik ein, sei es Montgomerys berühmte Oktavtechnik und dessen untrügliches Gefühl für Swing und Groove, aber auch das unbegleitete Solospiel von Joe Pass oder Barney Kessels Vorliebe für ausgefallene Akkorde und Harmonien haben ihre Spuren hinterlassen.

Fest eingespieltes Team


Das Quartett mit Till Martin, Henning Sieverts und Bastian Jütte existiert seit einem Jahrzehnt, man versteht sich blind und reagiert spontan aufeinander. "Augen zu - und kommen lassen" ist das Motto von Philipp Stauber, und jedes Konzert ist einmalig und spannend. Henning Sieverts liefert mit seinen swingenden Bassläufen die solide Grundlage, unterstützt von Bastian Jütte mit seinem unaufdringlichen Schlagzeugstil und vorzüglicher Besentechnik.

Eine Klasse für sich ist Till Martin am Tenorsaxofon. Sein sonorer Ton füllt den Raum ganz ohne Mikrofone. Nuancen und Feinheiten der Tonbildung kommen so voll zur Geltung. Mal werden die Themen von Saxofon und Gitarren unisono mit unglaublicher Virtuosität gespielt, mal kommt es zu intimen Zwiegesprächen zwischen den Instrumenten. Als Fünfter im Bunde gesellt sich immer wieder der Pianist Jan Eschke zur Gruppe. Sein feinsinniges Spiel ist hoch-virtuos, aber auch sensibel und gruppendienlich. Mit Einwürfen und Zwischenspielen bereichert er das Klanggefüge. Seine solistischen Darbietungen faszinieren, sei es bei rasenden Bebop-Phrasen oder bei fragilen Kompositionen wie "Peace" von Horace Silver.

Obwohl das "Bistrot Paris" vollbesetzt ist, lauscht das Publikum angespannt und konzentriert, die Töne haben ausgiebig Zeit zum Verklingen und dazu, ihre Wirkung zu entfalten. Der neue Konzertflügel des Jazz-Zirkels veredelt die Konzerte spürbar.

Der Tradition verpflichtet


Auch das Repertoire stammt zum größten Teil aus dem Standard-Songbook des Jazz: Nummern, die man schon in den unterschiedlichsten Versionen gehört hat, erklingen in durchaus eigenständigen Bearbeitungen. Nur im Trio von Gitarre, Bass und Schlagzeug erlebt Django Reinhardts Klassiker "Nuages" eine Wiedergeburt, angereichert durch moderne Harmonik und ein ausgiebiges Bass-Solo mit viel Freiraum und Luft. Natürlich werden auch andere Standards völlig neu bearbeitet. Da kommt Billie Holidays "Lover Man" im swingenden Dreivierteltakt daher, oder "Will you still be mine" erscheint als Uptempo-Nummer mit Zitaten aus anderen Stücken und einem Schlagzeugsolo der Extraklasse. Unter die Haut geht Duke Ellingtons "I ain't got nothing but the Blues", ein rauchiges Saxofon im Dialog mit einer Blues-getränkten Gitarre, dazwischen sparsame Klavier-Einwürfe, und im Geiste glaubt man sogar, Al Hibblers Stimme zu hören!

Als Zugabe gibt es Staubers jüngste Eigenkomposition, entstanden erst vor wenigen Wochen. "Seven Up" ist ein Wechselbad zwischen Latin, Funk und Straight Ahead, ein Stück mit Ecken und Kanten, rhythmisch vertrackt und spannungsgeladen bis zum letzten Ton. Das Publikum ist begeistert, und Philipp Stauber preist das Weidener Ambiente in den höchsten Tönen: "Wer hätte eine solche Location erwartet? Ohne die Initiativen der kleinen Clubs gäbe es für uns Jazzmusiker keine Auftrittsmöglichkeiten."
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