Pianist Leo Betzl erzählt im Interview von seiner Musik, großen Erfolgen und Zukunftsplänen des ...
Traditionell mit einem Hauch von Techno

Das Leo-Betzl-Trio spielt am Freitag, 30. September (20 Uhr), beim Jazz-Zirkel Weiden. Bild hfz

Der in Rosenheim geborene Jazzpianist und -komponist Leo Betzl verfüge schon jetzt über eine ausgereifte Klaviertechnik und ein vertieftes Verständnis der Tradition seines Instruments im Jazz. "Dazu zeichnen ihn sein differenziertes Rhythmusgefühl und die Fähigkeit aus, dies alles auch beim Improvisieren einzusetzen. Sein Spiel ist zudem von einem souveränen Gestaltungswillen geprägt", betonte der Laudator zur Preisverleihung des "Bayerischen Kunstförderpreis 2015", den Betzl verliehen bekam.

Am Freitag, 30. September (20 Uhr), gastiert das Leo-Betzl-Trio (kurz LBT) beim Jazz-Zirkel (Bistro Paris, Sebastianstraße 2 in Weiden). Im Gespräch erläutert der Pianist sein Verhältnis zum Jazz.

Sie sind 1991 in Rosenheim geboren. In den klassischen Medien wie Radio oder Fernsehen spielt der Jazz ja keine Rolle mehr. Wie sind Sie zum Jazz gekommen?

Leo Betzl: Mein Vater hatte eine große CD-Sammlung. Als ich 15 war, gab er mir eine CD vom Michel-Camilo-Quintet. Diese Musik faszinierte mich so, dass ich autodidaktisch anfing in dieser Richtung zu spielen. Diese Anfänge mündeten in einem Jazz-Studium an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Wie ist das Trio entstanden? Wie lange spielen Sie schon zusammen?

Als Pianist reizte mich das auf ständiger gegenseitiger Kommunikation aufbauende kammermusikalische Triospiel. Mit dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber, den ich schon vorher kannte, begann ich das Studium, und wir spielten schon immer zusammen. Im dritten Semester entstand das Trio, und seit knapp drei Jahren existiert die aktuelle Besetzung mit Maximilian Hirning am Kontrabass.

Piano-Trios liegen gegenwärtig voll im Trend. Orientieren Sie sich an bestimmten Vorbildern? Wie könnte man Ihre Musik etikettieren?

Unsere Charaktere sind unterschiedlich, was ungeheuer interessant ist. So kommen die verschiedensten Einflüsse zusammen und es entsteht eine faszinierende Vielfalt. Natürlich fließen meine Vorstellungen als Pianist stärker ein. Unsere Musik ist so vielfältig, dass man sie nicht in eine Schublade stecken kann. So hat unser Bassist Maximilian Hirning ein Techno-Stück geschrieben.

Welche Stellenwert hat die Elektronik? Kommen auch Keyboards oder Computer zum Einsatz?

Bis auf eine Ausnahme handelt es sich um rein akustische Klaviertrio-Musik. Nur bei einem Stück wird ein Synthesizer eingesetzt. Wir versuchen mit akustischen Effekten den Klangraum zu erweitern.

Wie entstehen Ihre Kompositionen? Welche Rolle spielen dabei Improvisation oder freies Spiel?

In letzter Zeit wurde unser Spiel immer freier. Natürlich arbeiten wir mit traditionellen Formen wie Thema, Solo und Arrangement. Da wir aber gut zusammengespielt sind, können wir in freiere Formen ausbrechen. Improvisation und Arrangements haben aber für uns den gleichen Stellenwert. Bei sphärischen Stücken kann es aber vorkommen, dass man zur freien Improvisation übergeht. Aber mit Bezug zum Stück.

Stehen auch Standards auf dem Programm?

Wir haben zwei Stücke von Duke Ellington und Cole Porter im Programm, diese sind aber neu arrangiert und werden nicht nur so heruntergespielt.

In den letzten Jahren haben Sie den Kurt-Maas-Jazz-Award, den Bayerischen Kunstförderpreis und den Kultur-Förderpreis der Stadt Rosenheim erhalten. Das Trio gewann den LAG-Jazzpreis 2016. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Mit dem Preisgeld habe ich unsere CD finanziert. Natürlich sind die Auszeichnungen eine Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist und in der Richtung weiterarbeitet.

Der Titel Ihrer CD ist "Levitation" was Leichtigkeit oder Schweben bedeutet. Wie ist das gemeint?

Der Titel entstand schon bevor die CD fertig war. Im Nachhinein finden wir, dass er sehr gut passt. Manchmal hebt die Musik etwas ab, es entstehen sphärische Klangflächen, die typisch für unsere Musik sind.

Gibt es Pläne und für die Zukunft?

Leider sind Gagen und CD-Verkauf für Jazzmusiker nicht optimal, und es wird sich herausstellen, wie man in Zukunft überleben kann. Die Trio-Besetzung wollen wir auf jeden Fall im Auge behalten, alle anderen Besetzungen haben wir schon in anderen Formationen bedient.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 sowie unter nt-ticket.de
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