Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz in der OTH-Literatur-Lounge: Nachdenklich und humoristisch über ...
Krumme Dinge: von Bockwurst bis Banane

Aus seinem Buch "Bockwurst ade" las Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz in der OTH-Literatur-Lounge. Eine Premiere. Bild: Dobmeier.
Improvisation war Pflicht in der ehemaligen DDR und nur mit Beziehung konnte man seinen Keller fliesen. Denn Fliesen und andere Baumaterialien waren Mangelware und es bedurfte schon einiger Tricks, um an diese zu gelangen. Höchsten vier Quadratmeter konnte man vorbestellen, die Lieferung erfolgte vier Jahre später.

Erlebnisse und Begebenheiten dieser Art, von denen er 27 für sein Buch "Bockwurst ade" sammelte, stellte Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz jetzt bei der OTH vor. Hochschulseelsorger Hans-Martin Meuß und Markus Lommer hatten ihn anlässlich des 25. Jahrestages der DDR-Grenzöffnung zur ersten Literatur-Lounge geladen. Die Bockwurst, die in einem Glas das Buchcover ziert, durfte auch verkostet werden. Doenitz erinnerte daran, dass der Titel auf einen Ausspruch im Jahr 1988 zurückgeht. Damals saß er mit seiner Familie im Interzonenzug und reiste aus der DDR aus. Die Bockwurst, eingenommen in typischer gebückter Haltung, war im "Osten" Nahrungsgut Nummer eins, besonders zu den nationalen Feierlichkeiten des 1. Mai und 1. Oktober. Das Pendant zur Bockwurst war die krumme Frucht, die Banane, mit der man die weite Welt verband, die aber nur über Beziehungen und West-Verwandtschaft zu erhalten war.

Doenitz lehrte 25 Jahre an den Hochschulen in Jena und Cemnitz und auch 13 Jahre an der Hochschule in Bayreuth. Als Experte für Solargroßanlagen macht er sich einen Namen und erhielt den Solarenergiepreis 2004.

Politisches Fehlverhalten der Studenten, wie Doenitz aus eigenen Erlebnissen schilderte, korrigierte der Sozialismus mit Strafen. Dazu gehörten Einsätze bei der Ernte oder als Schmelzer in der Glashütte. Ein Kollege bekam die Quittung, weil er es mit dem Fliesenklau übertrieb und sogar den Kohlenkeller flieste.

Nur durch Beziehungen konnten sich die DDR-Bürger zusätzliches Leisten. Es blühte die Schattenwirtschaft in Form der "Feierabendbrigaden", die von der Regierung fest eingeplant waren und nicht unter Arbeitsmangel litten. Auf dem kleinen Dienstweg konnte man alles besorgen, aber Improvisation und etwas Glück waren immer nötig. Doch es gab auch Geschichten wie die von der "Betonbirne", die irrtümlich angeliefert wurde und einem Kollegen von Doenitz zu einer Betoneinfahrt verhalf, die "bis heute atomaren Ereignissen stand hält".

Die Überlebensstrategien mit heitern Begebenheiten waren die eine Seite. Doch auch Bespitzelungen und Unterstellungen gehörten zur Tagesordnung in der DDR. So hatte allein Doenitz 12 "inoffizielle Mitarbeiter" des Ministeriums für Staatssicherheit "beschäftigt".
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