Projekt „Nachtwanderung des Weidener Kammerchors“
Konzertantes Show-Erlebnis

Peter Pollinger (links, mit erhobenem Arm) dankt herzlich den Mitwirkenden, die ein außergewöhnliches Kulturereignis bescherten. Der Weidener Kammerchor untermauert seinen Nimbus, unkonventionelle Projekte mutig anzugehen. Bild: cf
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
10.10.2016
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Sphärische Klänge entführen in die Nacht: in eine Traumwelt, mystisch und geheimnisvoll. Mit dem Projekt "Nachtwanderung" gestaltet der Weidener Kammerchor das etwas andere Konzert - und bereitet dem Publikum nicht nur Hörgenuss, sondern ein sinnliches Gesamterlebnis.

Auf der Suche nach einem "ungewöhnlichen Veranstaltungsort" fand der ambitionierte Chorleiter Peter Pollinger erneut in das Handels- und Dienstleistungszentrum in Weiden. Und stimmte darauf das Programm ab. Das monströse Foyer in Pomp und Prunk erlangte damit eine gewisse Sinnhaftigkeit. Die golden glitzernde Empfangshalle unterlegte quasi optisch die surrealistisch-phantasievolle Gedankenwelt der modernen Komponisten, auf deren musikalischen Wegmarken die Besucher in zwei ausverkauften Vorstellungen (um 20 Uhr und 22 Uhr) am Samstagabend quasi durch die Nacht "wanderten". Um mit Pollinger zu sprechen: Die ausladenden Treppenaufgänge wandelten sich zu einer Art Aufstieg in das "musikalische" Himmelreich, untermalt von avantgardistischen Licht-Effekten. Es war ganz großes "Kino", das der Weidener Kammerchor nach fast halbjähriger (intensiver) Probenarbeit der Öffentlichkeit schenkte.

"Gesamtkunstwerk"


Der seit 1984 - ununterbrochen - inspiriert und kreativ wirkende Peter Pollinger entwickelte das rund 60-köpfige Ensemble zu einer stimmgewaltigen und -präzisen Formation. Diesem "Gesamtkunstwerk" kommt in der Oberpfalz wohl eine Alleinstellung zu.

Denn den mehrfach preisgekrönten Chor flankierten erneut außergewöhnliche Instrumentalisten: Etwa das von den Max-Reger-Tagen und von Rundfunk-Einspielungen bekannte Elisen-Quartett; die gebürtige Ambergerin Katharina Scharnagl auf der Flöte oder der hochtalentierte Leonhard Martynek am E-Piano. Eine Sonderrolle auf dieser qualitäts- und niveauvollen Schiene nimmt die begabte Eva Dommermuth ein. Im gläsernen Aufzug entrückte sie transzendent auf dem Toy Piano in ferne Galaxien; die melodiösen Töne entschwebten allem Irdischen ... Äußerst vielseitig mit warmer Fülle, mal mit kraftvoll-dynamischen Tempi-Wechseln oder mit rhythmischer Körpersprache: Die "Kernkompetenz" des Kammerchors, den kniffligen Passagen der modernen Komponisten inniglichen Ausdruck zu geben, unterstrichen die Solisten - allen voran mit emotionaler Präzision die akademische Sopranistin Julia Wagner (Augustinus-Schülerin) und der ausdrucksstarke Tenor Florian Neubauer. Der Weidener ist bei renommierten Ensembles in ganz Deutschland eine feste Größe.

Der 1937 geborene Komponist Philip Glass gilt als Begründer der "Minimal Music", die auf relativ einfach variierten Wiederholungen basiert. Mit gefühlvoller Interpretation gaben die Akteure den philosophischen Texten und der reduzierten Musik meditative Seele: "Schlaf (...) sich zum Gespräch umdrehen; Schlaf (...) den Weg verlieren; Schlaf (...) Gefühlen freien Raum lassen".

Kühne Lichteffekte


Szenenwechsel. Am liebsten hätte man mitgesummt, mitgeklatscht, mit den Füßen gewippt und mit den Fingern geschnippt: So lebendig, direkt und leidenschaftlich agierte der Chor. Mit Ausnahme des Komponisten Jacob Handl (1550 bis 1591) standen die Zeitgenössischen auf dem Programm: "Will you be there" von Michael Jackson, "Northern Lights" und "Dark Night oft the Soul" von Ola Gjeilo (geboren 1978) und "Riverside Lullaby" von Noriko Nakamura (1965). Harmonie würde hier zu kurz greifen und wäre eine Untertreibung. Das kongeniale Zusammenspiel von Chor, Solisten, Instrumentalisten und der schlossähnlichen Kulisse mit kühnen Lichteffekten bewirkte kein herkömmliches Konzert, sondern eine stimmige, effektvolle Show auf höchstem Niveau.
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