„Quatuor Hermès“ bei Meisterkonzerten
Klassischer Götterbote

Ein überzeugendes Konzert bot das französische Quartett "Quatuor Hermès" bei den Meisterkonzerten in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Kunz

Von Peter Donhauser

Weiden. In der griechischen Mythologie ist Hermes der Götterbote, der den Menschen deren Botschaften überbringt und sie erklärt. Einsicht und Verständnis kann er vermitteln. Das junge französische Quartett Hermès mit Geburtsort Lyon (2008) hat ihn zu seinem Paten berufen. Sein guter Geist schien über dem Recital zu schweben.

Mit frischem Esprit


Robert Schumann schrieb sein Quartett a-Moll op. 41/1 als eines von dreien im Jahr 1842 voller Achtung vor den Werken seiner großen Kollegen, mit Widmung an Mendelssohn. Es erklingt am Freitag in der Weidener Max-Reger-Halle licht und subtil, mit frischem Esprit, mit klaren, nicht durch schwabbeliges Vibrato verschleierten Akkorden. Mit dem spukhaft irrlichternden Scherzo huldigen die Vier dem Widmungsträger, mit dem auf Kante ausbalancierten Presto der geplanten Virtuosenkarriere Schumanns. Bei dieser Interpretation runzelt keiner die Denkerstirn, lässt keiner die brütend-pathetische Last germanischer Geschichtstradition aufdämmern, wie sie durch Wagner Einzug in die Musik fand - und das ist gut so.

Welche Seite von Haydns Persönlichkeit würde das "Quatuor Hermès" beim Quartett D-Dur op. 20/4 von 1772 beleuchten? Es ist nicht der biedere Papa Haydn in Filzschlappen. Es ist nicht das vom Sturm-und-Drang der Aufklärung durchglühte "Originalgenie". Es ist nicht der dramatische bewegte Opernkomponist. Es ist der selbstbewusste Weltbürger, der mit Geist, Witz und Emotion seine Bahn beschreitet, der seine Qualitäten nicht mehr demonstrieren muss. Grandios, wie die vier Franzosen ihn spielen: Ohne brüskierende Schroffheit, mit brillanter, fast swingender Eleganz, mit weit offenen Ohren, mit einer Neugier, als wäre es das erste Mal. Sie nehmen ihren Willen zurück und lassen dem von Haydn den Vortritt. Es ist an der Zeit, Namen zu nennen: Absolut auf gleicher Augenhöhe musizieren an den Geigen Omer Bouchez und Elise Liu, an der Bratsche Yung-Hsin Lou Chang, am Cello Anthony Kondo. In den acht Jahren ihrer Zusammenarbeit haben sie zu einer berückenden, cremig-luftigen Klangsprache wie aus einem Guss gefunden. Über Intonation, Dynamik und Artikulation herrscht traumwandlerisches Einvernehmen. Die Phrasierung atmet und lebt wie die Ähren eines Kornfelds im Wind.

Überirdische Klänge


Sie sind an den Klangfinessen des französischen Impressionismus geschult, die Ravel-Zugabe beweist es. Treffen diese auf Musik Weberns, in diesem Fall auf die 107 Jahre alten fünf Stücke op. 5, dann tun sich neue Türen auf. Webern hat eine Essenz von Musik herausdestilliert, knapper und kürzer geht es kaum. Fast jeder Ton ist genauestens in seiner Klanggestalt definiert. Das "Quatuor Hermès" setzt das mit müheloser Feinsinnigkeit in überirdisch schöne Klänge um, getreu ihrem Motto: Erklären und Verstehen. Wir haben verstanden, mit Kopf und Herz.
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