Radierungen von Otto Dünne noch bis 30. April in der Regionalbibliothek zu sehen
Sehnsucht nach dem Süden

Laudatorin Irene Fritz zeigt sich von den Werken und der Arbeitsweise Otto Dünnes beeindruckt. Bild: Otto
"Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n" - Goethes Sehnen nach dem Süden teilten und teilen Maler, Dichter und Komponisten vieler Generationen. Mit seiner Werkschau "Sehnsucht Süd" bekennt sich der Weidener Künstler Otto Dünne auch zu dieser Liebe - derzeit zu sehen in der Regionalbibliothek. Die Ausstellung mit meisterhaften Radierungen, die noch bis 30. April zu bewundern ist, fand ihren würdigen Auftakt in einer Vernissage.

Fast zerbrechlich

Die meist im Querformat angelegten Drucke zeigen Szenarien aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland - mit ungemeiner Präzision, filigran, fast zerbrechlich zeichnet Dünne ein Bild von seinem persönlichen Süden: Weinberge, Hügelketten, in den Hang gebaute Dörfer - völlig frei von jeglichem Capri-Kitsch.

"Weiches, warmes Licht, weiträumige Landschaften, Vegetation, mal üppig, mal karg, ein Miteinander von Sonne, Meer und Himmel", beschreibt Laudatorin Irene Fritz die Eindrücke, die für Dünnes stilsichere Drucke Pate gestanden haben müssen. Nicht den lauten Vorstädten, Hotelanlagen, Touristenburgen gelte der genaue Blick Dünnes. "Es geht ihm um den leisen, versteckten Süden, den man noch in den ländlichen Regionen Italiens, Portugals oder Spaniens findet."

Dort findet Dünne seine Motive, interpretiert sie mit unheimlicher Präzision und farblich stimmig: "Weitab von der Küste im stillen Hinterland sind da die üppigen Feld- und Wiesenflächen, in allen Varianten von Grün präsentierend und von der Sonne fast verbannt, die Landschaften in vielfältigen Beige-, Gelb- und Brauntönen", zitiert Fritz den Künstler.

Unspektakulär, unaufgeregt seien die Bilder. "Und doch verstärkt die Reduzierung das Gefühl der warmen Weite, so dass man fast den heißen Südwind spüren kann", sagt die Laudatorin. Gebäude, wenn Dünne sie in seine Naturlandschaften einbettet, hätten skulpturalen Charakter. "Sie gestalten Licht und Schatten und schaffen so konkrete räumliche Situationen."

Aufwendiges Verfahren

Fritz schildert auch die technische Herangehensweise Dünnes. Er nähere sich seinen Motiven mit einer Kamera. "Er ist unterwegs auf der Suche nach den stillen Blickwinkeln, um diese Motive in seiner heimischen Werkstatt im aufwendigen Tiefdruckverfahren umzusetzen." So entstünden raffinierte drucktechnische Kostbarkeiten, bei denen sich die Technik aber nie aufdränge. Dünne wolle mit seinen Bildern viel mehr eine Atmosphäre einfangen und weitertragen. "Noch sind diese Landschaften in der Realität erlebbar. Abseits von den Hauptreisezeiten zeigt er die südlichen Länder von ihrer authentischen Seite. Hier entfaltet sich ein anderes, ehrlicheres Bild. Doch es ist zerbrechlich."
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