Radio-Talker Thorsten Otto über seine Sendungen und seine Neugier
"Ich kann gar nicht anders"

Einmal andersrum: Die Zuschauer stellten Fragen, Radio-Talker Thorsten Otto antwortete. Bild: uz

"Ich kann gar nicht anders, als mich für Menschen zu interessieren. Jeder Mensch hat eine Geschichte. Auch Sie." Sagt Bayern-3-Moderator Thorsten Otto. In seinem atmosphärischen Studio in München könne jeder seine Lebenserfahrungen vor einem Millionenpublikum ausbreiten. Nicht nur Prominente, auch ganz normale Menschen von der Straße.

Wenn er Leute beobachte, "da läuft in meinem Kopf so eine Art Uhrwerk ab und ich stelle mir vor, was der gerade denkt, was der macht, was der beruflich tut und welche Vorlieben er hat". Eine Art Automatismus setze da bei ihm ein, gestand Otto. Der gebürtige Weidener stellte am Donnerstagabend bei "Stangl & Taubald" sein Buch "Die richtigen Worte finden" vor.

Jura-Studium abgebrochen


Otto stammt aus einer Juristenfamilie, die aus Norddeutschland in die Oberpfalz gekommen war und studierte ebenfalls Jura. Doch schon nach seinem ersten Staatsexamen, noch während seiner Referendarzeit, habe er hingeschmissen. "Ich wollte Journalist werden." 1989 fing er bei Radio Gong in Erlangen an. Seit 2008 moderiert er auf Bayern 3 die erfolgreichen Formate "Mensch, Otto!" und "Stars am Sonntag".

Er sei kein Naturtalent und eigentlich auch gar nicht zum Talken geboren, sondern habe sich die Technik mühsam erarbeiten müssen. Inzwischen hat der prämierte Moderator - 2014 erhielt er den Deutschen Radiopreis - genug Erfahrung gesammelt. Seine Arbeit sei abwechslungsreich. "Ich höre viel Interessantes. Oftmals denke ich mir allerdings auch, wie bringe ich die Stunde nur rum?"

Vor allem dann, wenn sein Gegenüber nervös und nicht live-erfahren sei, zwar viel zu erzählen hätte, aber das am Mikrophon nicht könne. Ein Maulkorb werde niemandem verpasst. Jeder Talk-Gast habe Gelegenheit, vorher mit ihm oder den drei Redakteuren über das zu plaudern, was er zu sagen habe. "Wenn es zu sehr ins Persönliche geht, raten wir ab. Aber letztendlich entscheidet jeder für sich allein, was er mitteilen möchte. Wir leben ja davon."

Die Sendungen würden alle aufgezeichnet. Manchmal zwei pro Tag. Auf jeden Gast verwende er vier bis fünf Stunden Vorbereitungszeit. Die Daten lieferten die zuarbeitenden Redakteure. Aber die kurzen Lebensläufe seiner Gäste schreibe er alle selber. Und: "Wir geben keine Fragen vorab raus."

Prominente und Normalos hielten sich in seinen Sendungen die Waage. Auch wenn er nur ungern nicht deutsch sprechende Stars interviewt - Simultandolmetscher seien fürs Radio zu teuer - hatte er schon Lionel Richie und Pink bei sich im Studio. Seine Erkenntnis: Je größer der Star, desto einfacher sei er zu handhaben. "Probleme macht meist das Management."

Die Zuhörer fragten ihn Löcher in den Bauch. Etwa, wie die Prominenten denn so seien. In bester Erinnerung halte er Herbert Grönemeyer. Auch Michael Mittermeier, den er schon vier Mal zu Gast hatte. Von einer bekannten Schauspielerin sei er in Berlin während des Gesprächs angebaggert worden. Weniger halte er von einem der erfolgreichsten Komiker. Sein Erfolgsrezept auch bei solchen Gästen: "Humor ist immer der beste Weg, auf Respektlosigkeit zu reagieren."

Es sei eine gar nicht so große Kunst, Gespräche zu führen, wenn man dies auf spielerische Weise tue, sagte der 52-Jährige, der mit Fritz Egner und Thomas Gottschalk zum Essen geht. Oft sei es besser zuzuhören, als selbst zu sprechen. Außerdem sei es leichter, Fragen zu stellen, als darauf zu antworten. "Ich finde, dass eine gewisse Distanz am Anfang nicht schlecht ist." Ob sich später daraus ein "Du" ergebe, das sei eine andere Sache.

Humor ist immer der beste Weg, auf Respektlosigkeit zu reagieren.Thorsten Otto
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