Raffinierte Klänge
Carmina-Quartett spielt Reger

Das Carmina-Quartett und Wolfgang Meyer auf der Klarinette spielten das Klarinettenquintett von Max Reger. Das war der zweite Teil des Abends in Weiden. Zuvor hatten verschiedene Musiker zeitgenössische Variationen des Themas vorgestellt. Bild: Kunz

Im Rahmen des "Musik- Festivals im Max-Reger-Jahr 2016" werden acht zeitgenössische Variationen des Klarinettenquintetts von Reger vorgestellt. Der Besuch war schwach.

Zweifellos ist das Programm sehr speziell, dennoch hätten sich noch mehr Kunstinteressierte in die Max-Reger-Halle wagen können, um auch ungewöhnliche Klangkombinationen anzuhören und zu genießen. Prof. Dr. Siegfried Mauser begrüßt die tapferen Leute, einschließlich des Bürgermeisters Lothar Höher, die es wagen, sich das Programm anzutun und es, wie sich schnell herausstellt, zu genießen.

Aus unterschiedlichen Perspektiven heraus sind Variationen über ein Thema aus dem "Klarinettenquintett A-Dur op 146" von Max Reger verfasst worden. Es handelt sich um das Thema des Finales, das von acht Komponisten verändert wurde. Zuerst wird das Thema von Wolfgang Meyer, Klarinette und dem Carmina-Quartett in seinen ebenfalls acht Takten vorgestellt. Dann befragt Prof. Mauser die anwesenden Komponisten, wie sie sich mit dem Thema befasst haben. Schließlich erklingt das jeweilige Werk in Welturaufführung.

Alexander Maria Wagner gedachte, in "Vom Thema berührt" einen musikalischen Kommentar zu Regers Thema zu erstellen. Die Musiker spielen gehaltene Töne, immer wieder von gewaltigen Ausbrüchen unterbrochen. Sie verwirklichen damit Wagners Absicht. Cornelius Hirsch schrieb den Zyklus, "Ei, wie Reger! Ei, wie...?", der erst melodiöses Gleiten mit etlichen Hervorhebungen der Klarinette enthält, zum Schluss zu dann etwas hektisch wird.

Nach vorne ziehend


Caspar Johannes Walter verfasste eine "Variation zu Regers Klarinettenquintett", in getragenen lang gehaltenen Tönen mit viel Flageolett. Damit verwirklicht er seine Idee, mit zarten Tönen der Musik Regers neue Aspekte zu geben, was die Musiker vermitteln. Birke Bertelsmeier hat ebenfalls eine "Variation über ein Thema von Reger" notiert, die laut Gestaltungshinweis "nach vorne ziehend" gespielt werden soll, womit das Quintett die ätherische Stimmung, die von Melodiebögen der Klarinette verfeinert wird, glänzend darbietet.

Shortcut für Max


Hans-Henning Ginzel schrieb "Frei nach Reger..." ähnlich melodiebeseelt, allerdings auch durchsetzt von Tremolo-Passagen und unruhigen Tonausbrüchen. Seine Absicht, mit expressiver Struktur der Gestaltung Regers ein neues Hören zu vermitteln, ist damit verwirklicht und wird dargeboten. Charlotte Seither hat für ein Klarinettentrio geschrieben. Lediglich das Blasinstrument, eine Violine und das Violoncello spielen "SelbstLaut (Shortcut für Max)", das vornehmlich Tonschleifen der Streicher vorträgt, zu denen die Klarinette das Thema Regers leicht variiert. Sie will damit dessen Tonfülle verringern und, nach eigener Ansicht, dadurch intensivieren. Das gelingt dem Trio tadellos. Johannes X. Schachtner hat "PALINDROM - auratische Variation für Klarinettenquintett" verfasst. Mit der Möglichkeit, die Tonfolge auch rückwärts ablaufen zu lassen, meint er, könne die Aura der Regerschen Musik vertieft werden. Die intensiven Tondarstellungen ergeben für den Zuhörer, wie von Schachtner gewollt, neue Aspekte der Variationsvorlage. Schließlich ertönt von Philipp Maintz "op. 146-variation", eine Ausbreitung des Themas, die "leggero", also in gebundenen, intensiven Tönen, erfolgt und damit tiefgründig, wie Maintz meint, Regers Thema sinngebend gestaltet.

Am Schluss das Original


Nach dieser sehr abwechslungsreichen Musik gibt es erstmal eine Pause und dann ertönt das Original. Wolfgang Meyer, Klarinette, und das Carmina-Quartett, die schon bis jetzt hervorragende Leistung bei den acht Uraufführungen absolviert haben, interpretieren nun in hinreißender Manier das "Klainettenquintett A-Dur op 146" von Max Reger. Sein letztes Werk äußert einen gelassenen Charakter, nicht mehr so hektisch, wie sonst bei Reger üblich, eher elegant und freundlich. Eine Summierung beeindruckender Klänge in faszinierender Darstellung, so lautet das Fazit des Abends.
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