Raubüberfall am Hammerweg: Einer der mutmaßlichen Täter kannte die Familie
Tragisches Wiedersehen

Tatort Hammerweg: In diesem Haus spielte sich der Raubüberfall ab. (Foto: Bild: ca)
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
23.11.2016
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Verschuldet sei er gewesen. Und süchtig. Zuletzt habe er für Kokain 4000 Euro im Monat gebraucht. Und dann sei ihm eben diese Familie aus Weiden eingefallen. Bei der könnten doch bis zu 100.000 Euro zu holen sein. So schildert es einer der drei Angeklagten am Montag zum Auftakt des "Hammerweg-Prozesses".

Das Tragische daran ist nicht nur, dass es so viele Wertsachen im Haus am Hammerweg gar nicht gab. Der 34-Jährige hätte auch ganz regulär im Betrieb der Familie sein Geld verdienen können.

"Sehr kompetent"


Im Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Walter Leupold gestehen die drei, im September 2015 in das Haus eingebrochen zu sein. Dort überfielen sie die Bewohner - einen damals 71-Jährigen, seine 68-jährige Frau und deren Mutter (89). Über Stunden hinweg misshandelten sie die Senioren, um an Geld und Wertsachen zu kommen.

Der 71-Jährige hatte einen Betrieb, der inzwischen an seinen Sohn übergeben ist. Dort arbeitete auch der Vater des 34-jährigen Angeklagten. Der 34-Jährige selbst war einmal auf Probe arbeiten. Und war dabei "sehr kompetent", wie der Junior-Chef am ersten Prozesstag als Zeuge sagt. Warum es dann nichts wurde mit der Anstellung, das wisse er nicht.

So aber kamen alle auf brutale Weise wieder zusammen. Nachdem das Trio - das räumen die Angeklagten ein - mehrmals das Haus ausgespäht hatte, stiegen die drei schließlich über ein geöffnetes Fenster hinein. Zuerst trafen sie auf den 71-Jährigen, so der Vorwurf des Staatsanwalts. Sie schlugen und fesselten ihn. Der Senior wehrte sich - vergeblich. Als sie nicht so viel wie erwartet fanden, folterte einer der drei den Mann mit einem Messer. Als der 71-Jährige später noch eine Pistole an die Schläfe gedrückt bekam, hatte er schon gar keine Angst mehr, wie er dem Gericht erzählt. Er habe eh nichts mehr gefühlt. Kaum besser erging es seiner Frau. Sie wurde gefesselt auf den Boden geworfen, ebenfalls geschlagen und stellte sich irgendwann ohnmächtig, sagt sie Prozess aus.

Immer wieder habe sie Angst gehabt, dass ihre Mutter oder der Mann gestorben seien. Am Ende, sagt sie, habe einer der drei auch noch ihrer Mutter die Pistole an den Kopf gehalten und gedroht, das Haus anzuzünden, in dem die Einbrecher zuvor Diesel verschüttet hatten. Noch heute habe sie davon "ständig Kopfweh" und Alpträume.

Fortsetzung am Donnerstag


Die heute 90-jährige Mutter selbst gibt an, im Fernsehsessel von den Tätern überrascht worden zu sein. Sie schildert Schläge ins Gesicht und auf die Rippen. Als die drei Angreifer endlich das Haus verlassen hatten, warf sie sich zu Boden, robbte zu einer Handarbeitskiste und holte eine Schere, mit der sie die Fesseln durchschnitt. Gezeichnet sei sie bis heute. "Ich habe dauernd Angst, wenn ich etwas höre." Der Prozess wird am Donnerstag, 24. November, um 9 Uhr fortgesetzt.

Ich habe dauernd Angst, wenn ich etwas höre.Die 90-jährige Geschädigte
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