Regionalbibliothek und Keramikmuseum verlieren Leser und Besucher
Es rappelt nicht mehr im Kasten

Ein Schmuckstück ist er, der Waldsassener Kasten. Allerdings haben die Einrichtungen darin schon mal glänzendere Zeiten erlebt: Seit rund zehn Jahren sinkt die Zahl der Leser in der Regionalbibliothek. So wie das Besucher-Interesse im Keramikmuseum.

7568 "aktive Leser" zählte die Regionalbibliothek 2015. Gemeint sind damit Menschen, die mindestens einmal im Jahr ihren Bibliotheksausweis benutzen. Der Wert markiert einen vorläufigen Tiefpunkt, nachdem die Zahl bis 2006 noch auf 15 823 Leser angewachsen war. Wie auf der statistischen Homepage der Stadt (www.weiden.info) nachzulesen ist, kam es 2007 bereits zu einem ersten Einbruch auf 11 389. Grund damals war eine relativ starke Gebührenerhöhung. Ein weiterer auffälliger Rückgang folgte von 2014 auf 2015 - und zwar von 9298 auf 7568 Leser. Verantwortlich hier ist die Verdoppelung der Nutzungsgebühren Anfang vergangenen Jahres.

Weniger Ausleihen


Noch stärker als die Zahl der Leser ist in jüngster Zeit die Zahl der Ausleihen gesunken. 2013 waren es noch 732 432. 2015 wurden nur noch 493 096 Medien ausgeliehen. Neben der kleineren Zahl an Lesern machte sich hier vor allem die neue Regelung bemerkbar, wonach Nutzer nur noch zehn Medien gleichzeitig ausleihen dürfen. Favorit 2015 war - wie schon die Jahre davor - Sachliteratur. 241 682 Ausleihen verzeichnete die "Regi" in diesem Bereich, gefolgt von Kinder- und Jugendliteratur (124 500) sowie Belletristik (105 586).

Mehr Medien


Positiv entwickelt hat sich über die Jahre der Bestand an Medien. Waren es 2001 noch 93 793, wuchs das Angebot auf 132 543 im Jahr 2013. Ein Verdienst nicht zuletzt des Fördervereins Pro Libris. Erst in den vergangenen beiden Jahren sank die Zahl - so wie auch die Zahl der Ausleihen zurückgegangen ist. 2015 waren es 125 836 Medien.

Einen starken Besucherrückgang erlebte auch das Keramikmuseum. 2005 verzeichnete es 11 913. 2010 schauten sich nur noch 3627 Besucher in den Räumen um. Ein Jahr später gab es zwar wieder eine Erholung auf 6108 Besucher. Trotzdem wurden die früheren Werte seitdem bei Weitem nicht mehr erreicht.

Es ist nicht leicht, klare Gründe dafür zu finden. Beigetragen haben zeitweise sicherlich Teilschließungen 2007 (Neueinrichtung der Dauerausstellung). Ebenso wie verringerte Öffnungszeiten aus personellen Gründen von 2008 bis 2010. Hinzu kommt die gesunkene Zahl an Veranstaltungen im Museum (einschließlich Sonderausstellungen): 2005 gab es davon 144, fünf Jahre später 69. Allerdings: Auch, als in den Jahren danach wieder mehr Veranstaltungen lockten und die Umbauten passé waren, auch als das Museum 2011 begann, beim besucherstarken "Kunstgenuss bis Mitternacht" teilzunehmen - die Besucherzahl stieg längst nicht mehr auf früheres Niveau: Sie pendelte zuletzt um die 5000er-Marke.

Kulturamtschefin Petra Vorsatz liefert deshalb noch andere Erklärungen. Neben zusätzlichen Schließtagen seien das auch weniger Sonderausstellungen durch die Münchener Mutterhäuser. Hinzu kämen die "Reformen im Schulsystem, insbesondere in den Gymnasien". Diese hätten sich - bundesweit - "negativ auf die Zusammenarbeit der Museen mit den Schulen ausgewirkt. Die Schulbesuche in den Museen haben dadurch abgenommen".

Steht die Einrichtung also vor einem Scherbenhaufen? Die Verantwortlichen sehen das naturgemäß nicht so negativ. Sie betonen vor allem zwei Aspekte: zum einen den Freundeskreis "Die Keramischen", der seit rund zweieinhalb Jahren wieder mehr Menschen fürs Museum interessiere. Zum anderen ist da das Jubiläumsjahr, mit dem die Einrichtung ihren 25. Geburtstag feierte. 6500 Besucher kamen in dieser Zeit - von Sommer 2015 bis Sommer 2016 - ins Museum. Das waren rund 1500 mehr als im Kalenderjahr 2014. Dabei, so Vorsatz, sei es auch gelungen, Schulen verstärkt einzubeziehen.

8000 Euro eingenommen


Damit hängt noch eine weitere Zahl zusammen: Im Jubiläumsjahr nahm das Museum rund 8000 Euro durch Eintritte und Führungen ein. Die Eintrittsgelder gibt es seit Sommer 2014. Sie haben sich seither offenbar nicht allzu negativ auf den Besuch ausgewirkt. 2015 sankt die Zahl der Museumsgäste jedenfalls kaum. Entscheidender dürfte daher sein, wie es mit dem Besucherinteresse weitergeht, wenn der Sondereffekt Jubiläum wieder wegfällt.
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