Regisseur Till Rickelt macht Hildegard Knef am LTO wieder lebendig
Knef blickt in Spiegel ihrer Seele

Claudia Lohmann (links) und Doris Hofmann (rechts) zaubern als junge und alte Hildegard Knef ein authentisches und mitreißendes Charakterbild der Schauspielerin auf die Bühne. Bild: Landestheater Oberpfalz

Von ihrem Mann verlassen, dem Krebs knapp entronnen, sitzt die 50-jährige Hildegard Knef vor ihrer Schreibmaschine und lässt ihr Leben Revue passieren. James Edward Lyon macht die große Interpretin und Schauspielerin im Landestheater Oberpfalz wieder lebendig.

Er lässt das Publikum in die 50er Jahre zurück blicken, in der die Berlinerin zum Weltstar wurde und als erste Deutsche den Broadway eroberte. Sie wird dabei begleitet von ihrem jugendlichen Ich, das ihre Erinnerung stützt, sie korrigiert. In der Auseinandersetzung mit sich selbst spiegelt sich ihre Zerrissenheit, aber auch ihre ruhelose Suche nach Harmonie und Glück.

Das Landestheater (LTO) setzt am Donnerstag mit der Aufführung in der Regionalbibliothek in Weiden einen weiteren Höhepunkt seines Herbstprogramms. Das starke und einfühlsame Porträt wird getragen von den Chansons, mit denen Knef ab den 60er Jahren ihre zweite große Karriere machte. Während sie zunächst erfolglos mit den Formulierungen kämpft, sich der Papierkorb mit unbrauchbaren Halbsätzen füllt, markieren die Lieder, die eine neue, mutige Sprache an eine eingängige Tonfolge binden, die Stationen, zu denen sie von ihren Alter-Ego begleitet wird. Es sind Metaphern einer aufregenden Zeitgeschichte, in die die 1925 in Ulm geborene Hilde hingerät.

Sprung an den Broadway


In ihrer Autobiografie "Der geschenkte Gaul" hat sie das eingängig beschrieben, die Jugend in Berlin, die ersten Schritte ins Schauspielfach, das Stipendium für die Filmschule Potsdam-Babelsberg, erste Beziehungen, nach dem Krieg, ihr erster großer Film "Die Mörder sind unter uns", die Ehe mit dem US-Offizier Kurt Hirsch und die Übersiedlung in die USA. Sie kehrt nach Deutschland zurück, wird durch ihren Film "Die Sünderin" bekannt, zum Preis allerdings einer Verfemung durch die restaurative Nachkriegsgesellschaft. Mit der Rolle der Ninotschka in Cole Porters Musical "Sile Stockings" gelingt ihr als erster Deutscher der Sprung an den Broadway. Den Triumph löst eine Niederlage ab, die persönliche wie die künstlerische. Hildegard Knef erinnert sich - bitter lächelnd.

Die große Liebe, dokumentiert in der Ehe mit David Cameron und der Geburt der Tochter Christine, wird 13 Jahre später ein Ende finden. Soweit reicht in Lyons Stück der Erinnerung der Schauspielerin, die nach einer weiteren Ehe, einem erfolgreichen Comeback im Musical "Cabaret" und ihrem letzten öffentlichen Auftritt 1995 mit 77 Jahren an einer Lungenentzündung sterben wird. Doch das ist nicht mehr Thema des Stücks.

Claudia Lohmann findet in die Rolle der Hildegard Knef perfekt und einfühlsam hinein. Sie trifft auch musikalisch den richtigen Ton der erfolgreichen Chansons, mit denen sie ihre Erinnerungen fortschreibt. Doris Hofmann kann als junge Knef das Charakterbild vollständig werden lassen. Ihr gelingt dabei das Kunststück, den Weltstar als junge Frau zu einer ganz eigenen Persönlichkeit zu machen. So formt sich mit den beiden Darstellerinnen das Bild einer Frau, die mit unbeirrbarer Energie ihre Niederlagen durchsteht, zum persönlichen Symbol der ganzen Nachkriegs-Generation wird. Und so können sie am Ende dieser fünfzigjährigen Bilanz eines aufregenden Lebens hoffnungsvoll, lebenshungrig und überzeugend singen: Für mich soll's rote Rosen regnen.

Vollendetes Charakterbild


Till Rickelt hat als Regisseur den Spannungsbogen, den das Leben der Knef liefert, mit erstklassigen Darstellerinnen einfühlsam umgesetzt. Er lässt die einzelnen Szenen nahtlos ineinander greifen, das Charakterbild vollendet sich zu einem gelungenen Porträt. Das Bühnenbild von Julia Ludwig und Marco Bäumler korrespondiert mit der Parabel von Spiegeln, in die der Autor Knef hineinschauen lässt. Nicht zuletzt die Musik, für die Thomas Basy am Flügel Rhythmus angibt, steigert die Begeisterung des Publikums bis hinein in einen langanhaltenden Applaus.

TermineWeitere Aufführung am Freitag, 28. und Samstag, 29. Oktober, und Freitag, 11. sowie Samstag, 12. November, jeweils um 20 Uhr in der Regionalbibliothek.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de
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