Rollentausch bei Girls' Day und Boys' Day in Weiden
Mädchen auf der Baustelle, Buben im Pflegeheim

Ginge es nach den Eindrücken von Girls' Day und Boys' Day, würde niemand mehr von typischen Frauen- oder Männerberufen sprechen. Da begeistern sich jedes Jahr Hunderte von Mädchen und Jungen für Berufe, die meistens vom anderen Geschlecht ausgeübt werden.

(sbü) Auch in diesem Jahr organisierten die Agentur für Arbeit sowie die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreisen den Girls' und Boys' Day. "Ja, ich kann mir gut vorstellen, Bauzeichnerin oder Architektin zu werden", sagen übereinstimmend Marina Stabel und Dascha Janzen. Die beiden Schülerinnen der Klasse 10F des Kepler-Gymnasiums sitzen am PC und studieren Baupläne des Architekturbüros Kunnert. Das Architekturbüro leitet derzeit die Erweiterung des Betriebsgebäudes der Vantage Film GmbH in der Weidener Altstraße. Und die beiden Schülerinnen lernen den Berufsalltag von Bauzeichnern und Architekten kennen.

Architektinnen vor Ort

Stefan Kunnert hat zur Baustelle gleich "lebende Beweise" mitgebracht, dass Frauen in technischen Berufen erfolgreich sind und sich wohlfühlen: die Architektinnen Marlene Rößler und Katja Stressmann sowie Mona Bodenstein als Bauzeichner-Auszubildende im ersten Lehrjahr. Alle drei stehen den Schülerinnen Rede und Antwort. Vor allem, dass die Berufe Architekt oder Bauzeichner viel Abwechslung, menschliche Kontakte und Arbeit am PC bieten, heben sie hervor. "Das Reißbrett hat schon lange ausgedient." Passend zum Girls' Day ergänzen die Vantage-Geschäftsführer Peter Märtin und Wolfgang Bäumler, dass in ihrem Unternehmen der Frauenanteil in den verschiedensten Tätigkeiten "rund um das Filmequipment" 50 Prozent beträgt.

Ein weiterer Veranstaltungsort unter den insgesamt 43 am Girls' Day waren die Rettungsleitstelle ILS und der Hubschrauberlandeplatz des Klinikums. Hier ging es um die Berufsbilder Notfallsanitäterin, Notärztin und Disponentin einer integrierten Leitstelle. Das Interesse, diese Berufe kennenzulernen, war überaus groß.

"Die Nachfrage übertraf das Angebot von 20 Plätzen um ein Vielfaches", berichtete Margot Salfetter, Hauptorganisatorin des Berufsinformationstages. Den Schülerinnen wurde die Vielfalt des Einsatzbereiches von Rettungsberufen vorgeführt. Sogar in den ADAC-Rettungshubschrauber durften sie einsteigen, und Pilot Daniel Hecht erzählte von seinen Einsätzen. Jürgen Meyer und Peter Lischker von der ILS ließen die Schülerinnen miterleben, was ein Beruf im Rettungswesen bietet und fordert. In einer praktischen Übung wurde ein Unfallopfer versorgt und abtransportiert.

Dass dann auch noch der Rettungshubschrauber über den Köpfen der Jugendlichen mit ohrenbetäubendem Lärm abhob, bleibt bestimmt lange im Gedächtnis. "Rettungsarbeit ist immer Teamwork", versicherte Jürgen Meyer von der ILS. Erstmals waren im vergangenen Herbst drei Auszubildende bei der ILS für die neue dreijährige Rettungssanitäter-Ausbildung eingestellt worden. "Die vier Neuen für dieses Jahr, darunter zwei Mädchen, sind schon ausgewählt", berichteten Meyer und Lischker. Doch erst 30 Prozent des Rettungspersonals seien weiblich. "Da gibt es noch Nachholbedarf", versichern die ILS-Vertreter.

570 Plätze im Angebot

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Landrat Andreas Meier waren ebenfalls vor Ort. Beide ermunterten die Schülerinnen dazu, einen Beruf im Rettungswesen ins Auge zu fassen. Insgesamt standen am Girls' Day 410 Plätze für Mädchen in der Stadt Weiden sowie den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth zur Verfügung. 43 Firmen und Institutionen beteiligten sich daran. Für den Boys' Day waren 160 Schnupperplätze in 28 Pflegeeinrichtungen eingerichtet.
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