Rote Rosen für Udo Jürgens

Von der Münchener Olympiahalle in die Weidener Mehrzweckhalle. In der Max-Reger-Stadt griff Udo Jürgens beim 34. Konzert des Jahres zum Mikrofon. Erst trug er einen weißen Smoking, später einen schwarzen. Am Ende hüllte er sich für die Zugaben in einen Saunamantel, berichtete der NT. Bild: Kunz

"Madame": Das hat er zur einen gesagt und ihre Hand geküsst. Die andere lud er gleich zum Essen ein. Zwischendurch sang Udo Jürgens für 2500 Besucher der Mehrzweckhalle, wo gerade seine Künstler-Kabine unter Wasser stand. So erinnern sich Weidener an den großen Entertainer.

Udo Jürgens ist tot. Das lässt die Erinnerungen an den Entertainer bei vielen in der Region sehr lebendig werden. Es war am Samstag, den 5. März 1983, als sich Udo Jürgens in der fast ausverkauften Mehrzweckhalle in Weiden an seinen weißen Flügel setzte und 2500 Besucher begeisterte. "Das war ein wunderschönes Konzert", erinnert sich Bürgermeister und Bezirkstagsvize Lothar Höher. "Lieder, die unter die Haut gehen", titelte der NT danach.

Höher war es, der als SpVgg-Geschäftsführer den Künstler samt der Pepe-Lienhard-Band aus der Schweiz nach Weiden geholt hatte. Nur hinter den Kulissen lief es nicht so reibungslos, erinnert sich Höher: Ein Wasserrohr war gebrochen. Udo Jürgens Kabine stand deshalb unter Wasser. "Er hat's locker genommen und meinte nur, er wisse nun, warum das hier ,Am Wasserwerk' heiße."

Um Kinder gesorgt

In der Halle tobte bereits die Masse. Mittendrin waren Theresia Klapper, damals 28 Jahre, und ihre Freundin Angelika. Beide hatten jeweils um die 50 D-Mark für die Eintrittskarten bezahlt, ihre acht Jahre alten Kinder mitgebracht - und rote Rosen für Udo dabei. "Wir gingen irgendwann einfach nach vorne und haben ihm die Blumen gegeben", erzählt Theresia Klapper. "'Madame' und 'Dankeschön' hat er zu mir gesagt, meine Hand geküsst und 'Vorsicht' gerufen, weil wir die Kinder auf den Bühnenrand gesetzt hatten." Und schon war's um die Weiherhammerin geschehen: Zum Konzert ging sie als Begleitung für ihre Freundin. Nach Hause kam sie als Fan von Udo Jürgens. "Entsprechend deprimiert war ich, als ich von seinem Tod erfahren habe." Hatte sie doch gehofft, eine Karte für eines seiner Konzerte in Regensburg oder München 2015 zu Weihnachten zu bekommen.

1983 berichtete NT-Redakteurin Inge Wirtz-Roegner über den musikalischen Abend - sowie über die intimeren Stunden danach: "Udo Jürgens war so nett. Er hat mich nach dem Konzert zum Abendessen ins Hotel Europa eingeladen." Dort nächtigte der Schlagerstar, der laut Inge Wirtz-Roegner "in leicht depressiver Stimmung" war. "Er war sichtbar ausgepowert nach dem Konzert und sehr vertrauensvoll." Nach einer schwäbischen Hochzeitssuppe, gebeiztem Lachs, Gänseleber, Salat und ein paar Pils begann der Star, sich der Redakteurin zu öffnen. "Wir vom Jahrgang 1934 müssen zusammenhalten, hat er gesagt und drauf los erzählt." Ein Buch wolle er schreiben. Über seine Familie. Zum Beispiel über den Großvater, einst Bankier in Moskau ... "Ob er denn nicht Angst hat, dass ich all das journalistisch ausschlachte, habe ich ihn gefragt", erinnert sich Inge Wirtz-Roegner.

Doch Udo Jürgens habe ihr vertraut, erneut auf den gemeinsamen Jahrgang hingewiesen und weiter geplaudert. "Wir haben uns als beste Freunde getrennt." Getrennt wurden sie auch nur, weil der Chef des Hotel Europa um 4 Uhr morgens ins Bett wollte. Jahre später erschien Udo Jürgens Buch "Der Mann mit dem Fagott". "Ich habe es gelesen. Es steht vieles von dem drin, was er mir damals erzählt hat", sagt Inge Wirtz-Roegner.

Warten auf Infos zu Tickets

Bald sollte Udo Jürgens wieder in die Region kommen. Doch die Konzerte des 80-Jährigen für den 5. März in Regensburg - und damit auf den Tag genau 32 Jahre nach seinem Auftritt in Weiden - sowie für den 15. März in München sind nach seinem Tod am Sonntag hinfällig. Manuela und Florian Friedl hatten für den Termin in Regensburg Karten. Noch am Sonntagnachmittag erzählten die beiden aus Holzhammer bei einem Geburtstagsfest stolz: "Wir schenken uns nichts zu Weihnachten. Wir gehen stattdessen zum Konzert von Udo Jürgens." Wenige Stunden später ist der Entertainer tot - und die gebürtige Weidenerin "völlig geschockt".

Was mit den Tickets passiert - Friedls' kosteten pro Person 80 Euro - weiß die 35-Jährige genauso wenig wie die Konzertveranstalter. Gerade werde mit dem Management von Udo Jürgens verhandelt. Infos folgen.

"Aber die Tickets sind zweitrangig. Ich bin noch immer bestürzt", sagt Manuela Friedl. Gibt's denn einen Plan B für Weihnachten? Irgendwie schon. Es tritt einfach wieder Plan A bei Friedls in Kraft: "Wir wollten uns ja eh nichts schenken."
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