Sarkastisch vom Leder gezogen

Mit scharfzüngigen Äußerungen begeistert der Satiriker und Kabarettist Henning Venske bei den Weidener Literaturtagen. Bild: Wilck

Mit drei Schritten geht es hinauf auf das Podium, ein herausfordernder Blick über das Publikum, und dann der Satz: "Ich bin Ihre Opposition, meine Damen und Herren." Henning Venske bringt bei den Literaturtagen die Mächtigen mit Gelächter zur Strecke.

Henning Venske, Protagonist einer Generation von Kabarettisten, die das zweite deutsche Demokratie-Experiment nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg mit Satire, Ironie, Witz und Sarkasmus begleitet haben, ist bei seinen Zuhörern, die auf eine gute und erfolgreiche Pointenjagd an diesem Sonntagabend im Lichtspieltheater "Neue Welt" in Weiden hoffen, angekommen. Mitgebracht hat er nicht nur eine ganze Ladung vernichtender Pointen, sondern auch seine letztes Jahr erschienene Autobiografie, deren Titel "Es war mir ein Vergnügen" beinahe irreführend wirken könnte.

Doch Venske ist ein erfahrener Jäger, erprobt in vielen Jahren auf vielen Schauplätzen und mit zahlreichen Gegenspielern. Und wenn nach der erstaunlichen Begrüßung die Leute sich aus den weichen Sitzen heben, weiß er, was sie erwarten. Seine Attacken folgen unmittelbar, und das Schrot prasselt erbarmungslos auf die politische Führung des Landes nieder: Der erste, der es abbekommt, an diesem Abend ist Bayerns Ministerpräsident Seehofer ("Der hat doch keine Kultur").

Gnadenloser Angriff

Angela Merkel folgt unmittelbar, der Kabarettist bedient bei der Beschreibung der Kanzlerin nicht nur die üblichen Klischees, er greift gnadenlos an. Besonders unangenehm trifft es den Bundespräsidenten Joachim Gauck. Geringschätzig versucht Venske ihm nachzuweisen, dass er nicht nur Plattheiten und Binsenweisheiten verbreitet. Schwer kreidet er ihm an, dass er sich konsequent zum Sprachrohr des Neoliberalismus mache und der Rüstungsindustrie das Wort rede.

In dem Zusammenhang bekommt auch Verteidigungsministerin Usula von der Leyen Schläge ab. Venske nennt sie respektlos "Raketen-Uschi" und räsoniert, dass die internationale Verflechtung des Bundeswehr in militärische Konflikte zu keinem Zeitpunkt zu hoch war wie jetzt, wo zwei Frauen in Sachen Krieg das Sagen haben.

Die aktuelle Politik bietet jede Menge Unebenheiten für einen Satiriker vom Format des unlängst 76 Jahre alte gewordenen Hamburgers, der mit scharf geschliffener Sprache auf den Punkt trifft und analysiert. Er weiß zwar auch, dass Wladimir Putin nicht gerade ein Ministrant bist, greift aber die deutschen Politiker an, die den Konflikt um die Ukraine und die Protagonisten dieser Tragödie falsch einschätzen.

Krise in Griechenland

Breiten Raum gibt er der Krise um Griechenland und nimmt die neue Regierung dort in Schutz vor Leuten wie dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, den er bei dieser Gelegenheit einmal mehr an seine Spendenaffäre erinnert. Venske zählt einfach mal auf, was die Wehrmacht auf dem Balkan angerichtet hat, wie viele Menschen umgekommen sind, wie viele Dörfer zerstört wurden. Er nennt den Versuch, eine Regierung, die ihr Land verteidigt, herabzusetzen, schlicht unverschämt. Überhaupt ärgern ihn Versuche politische Konflikte zur Ausplünderung zu benutzen. Eine Geschichtsstunde mit diesem Satiriker ist für die Akteure weiß Gott kein Vergnügen. Sie werden zur Strecke gebracht. Immerhin billigt er der Kanzlerin wenigstens einen statistischen Bonus zu, als er die Rede auf die Frauenquote in Wirtschaft und Politik bringt.

Es sind, so meint Venske, immer dieselben Themen, mit denen man sich herumplagen müsse: Sozialabbau, Verlängerung der Arbeitszeit, Aufkündigung der Solidargemeinschaft, Asylrecht-Verschärfung, Studiengebühren, Kürzungen im Kulturbereich. Er erinnert - aus eigener Erfahrung - an das Flüchtlingselend nach dem letzten Krieg. In seinem Buch widmet er diesem Thema ein ausführliches Kapitel.

Großmäulige Oberschicht

Kein gutes Wort hat Venske für Berlin und das Bemühen um ein Hauptstadt-Image. "Tonangebend ist in Berlin eine aufgeblasene Gesellschaft von schwadronierenden Parvenus, Fernseh-Nasen und Kleiderständern, eine großmäulige, ranzige Oberschicht, angeführt von einem Damenfriseur und einem Herrenschneider." Venske kann schon sehr verletzend werden, wenn es ihm um etwas geht, und längst nicht alles, was er so sagt, eignet sich für ein Gelächter.
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