"Schauspielweiden"-Gründer verstorben
Stephan Brunner: Der Theatermacher

Stephan Brunner bei "Henry/Georg/Krieg". Bild: Wilck
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
28.03.2016
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Stephan Brunner, der Gründer von "Schauspielweiden", ist am Donnerstag im Alter von nur 49 Jahren gestorben. Der gebürtige Weidener erlag einem Krebsleiden. Brunner lebte seit fünf Jahren mit seiner Lebensgefährtin Angelika und Sohn Konrad in Reute bei Bad Waldsee. Die Familie war zuvor von Berlin nach Baden-Württemberg gezogen.

Zuletzt brachte Brunner als Produzent im November 2015 "Das Meeting" im Kunstverein Weiden auf die Bühne. Es war die zehnte Produktion von "Schauspielweiden". Die Truppe um Brunner präsentierte zehn Jahre lang bemerkenswerte Stücke an außergewöhnlichen Orten. So sorgten "Antigone" in einer inzwischen umgebauten Witt-Halle, "Die Präsidentinnen" im Josefshaus oder der "Pizza Man" im ehemaligen Hertie für Aufsehen. Stephan Brunner stand oft selbst mit auf der Bühne, unter anderem bei der größten Produktion "Henry/Georg/Krieg" in der früheren Augustiner-Kirche im Jahr 2014. Als am besten besuchte Stücke gelten der Überraschungserfolg "Bash" in der Regionalbibliothek und "Der Kaufmann von Venedig" im Augustiner-Lichthof.

Obwohl Brunner schon lange nicht mehr in Weiden lebte, war er Weidener mit Leib und Seele. Regelmäßig besuchte er seinen Vater Heribert in der Joseph-Haas-Straße. Nach seinem Studium der Sozialwissenschaften in Duisburg absolvierte er eine Schauspielausbildung in Leipzig. Theater, die Bühne - das war Stephan B.s Welt. Er arbeitete an verschiedenen Stätten als freier Schauspieler (Knorr-von-Rosenroth-Festspiele in Sulzbach-Rosenberg), hatte Rollen bei TV-Serien (Sportarzt Conny Knipper, Verliebt in Berlin), spielte in Werbespots (Ebay) mit. Immer wieder wollte er seine Leidenschaft in seine Heimatstadt transportieren. Ein mühsames, aufreibendes Unterfangen. Der Idealist Brunner träumte von einem eigenen Schauspielhaus in Weiden, ließ dafür von Architekturstudenten Modelle entwerfen. Der Kampf um Sponsoren und Zuschauer rieb ihn auf, ließ ihn aber nicht in seiner Vision von modernem Theater stoppen. "Es gibt noch genügend Schauspieler, es gibt noch genügend Stücke, es gibt noch genügend Orte. Das Einzige, was es nicht genügend gibt, ist Geld", sagte er zuletzt im September 2015 unserer Zeitung. Mit seiner Kritik an der Kulturpolitik hielt er nie hinterm Berg.

Stephan Brunner war begeisterter Tennisspieler, kämpfte für die DJK Weiden und "Die Jungs vom Flutkanal" lange Jahre um Punkte. Seine zweite große Passion neben dem "Schauspielweiden" gehörte aber dem Fußball, speziell seinem Herzensverein FC Schalke 04. Zuletzt feuerte er die Königsblauen im Gästeblock beim Euroleague-Spiel im November 2015 bei Sparta Prag an. Schaaaalke und "Schauspielweiden" im Herzen, für Stephan Brunner gehörte beides zum kulturellen Gut.
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