Schöner als Windeln wechseln

Mit einem familiären Konzert begeistert Claudia Koreck - zusammen mit Ehemann Gunnar Graewert - die 800 Fans in der Weidener Max-Reger-Halle. Bild: Kunz

"Oide Frau" heißt ein Song vom neuen Album "Stadt Land Fluss." Wunderbare Menschen müssten so blutjung sterben. "Und di, bitterböses Weib, haut's net um." Claudia Koreck flippt völlig aus, schreit sich ihren Ärger über eine ehemalige Münchner Vermieterin aus dem Leib.

"Ich hoff, dass sie das einmal hört. Aber sie wird vielleicht gar nicht checken, dass sie gemeint ist." Ja, wer sich mit dieser Traunsteinerin anlegt, der muss schon damit rechnen: "Da gibt's ab und zu ein Lied." Sie singt auf bayerisch, singt für alle, denen es genauso ergeht, wir ihr. "Ich schreib viel auf von dem, was mir passiert, was in meinem Leben so los ist, worüber ich mir Gedanken mache. Ich hab eine Idee, nehm meine Gitarre - und dann fließt es auch schon so dahin." Am Samstag ist die 28-Jährige in der Max-Reger-Halle zu Gast, liefert ihren 800 begeisterten Fans ein grandioses Konzert. Es ist das zweite auf der neuen Tour. "Bei eng ist's schee", begrüßt sie die Weidener. "Scheener als allerweil bloß Windeln wechseln." Frisch sieht sie aus, die blonde Sängerin. Claudia Koreck ist zweifache, junge Mutter.

Familiäre Stimmung

Und sie ist sich nicht zu schade, ihr Familienleben vor ihrem Publikum auszubreiten. So entsteht eine ausgelassene, familiäre Stimmung. Der vierjährige Sohn Timmi singt gerne mit, wenn Mama und Papa daheim musizieren, erzählt sie. Seine Stimme sei sogar auf "Sleep little Darling" zu hören, den Papa Gunnar für Schwesterchen Lani Felicitas geschrieben hat. Das Schlaflied wird später die letzte von drei Zugaben werden.

Gunnar Graewert, Diplom-Popmusiker - absolviert an Paul McCartneys "Liverpool Institute for Performing Arts" -, ist Keyboarder der Band und seit vier Jahren Claudias Ehemann. Es scheint ihr unheimlich viel Spaß zu machen, aus ihrem Traunsteiner Umfeld zu plaudern. Zum Beispiel, dass man dort in Kindergartenkreisen kolportiere, ihr Gunnar sei Inder. "In da Wiesn" heißt der nächste Titel. Eine phonetische Ähnlichkeit. Die Leute kringeln sich vor Lachen.

Claudia Koreck erfasst die Reaktion nicht richtig, lässt sich vom Gitarrist Luke Cyrus Goetze aufklären. Dann lacht sie geradeaus: "Da muss i erst nach Weiden fahrn, damit i auf sowas kimm." Sie gibt das einfache Mädel von nebenan, spielt zahlreiche Kostproben vom neuen Album. Nett ist sie. Verdammt nett. Und sie erinnert sich sogar noch an ihren Besuch im damaligen "Memory" nach ihrem letzten Konzert im Evangelischen Vereinshaus.

Unzählige Lieder hat sie zwischenzeitlich geschrieben. Auch die Titelmusik für Joseph Vilsmaiers "Brandner Kaspar". Immer aus irgendwelchen Ideen heraus. Bei ihr geht das spielend: "Dann macht man einen Akkord, dann kommt die Melodie und schon ist das Lied fertig."

Sie beginnt mit dem Titelsong "Stadt Land Fluss". Den Fluss erfasst sie als Bindeglied zwischen ihrer urbanen und ländlichen Welt. Sie fühlt sich "Frei", zieht ihre "Schuah aus" und sehnt sich an diesen einen "Sommerdog" in "Greece" zurück. Eine völlig unpolitische Ballade, in die sie ihre sparsamen Griechisch-Kenntnisse einfließen lässt.

"Unbekanntes Land"

An anderer Stelle entdeckt sie "Unbekanntes Land", will einfach nur "Fliang" und "Ewig lem". Die Liedermacherin gibt sich so, wie es das Publikum von ihr erwartet. Bei bunter Beleuchtung singt sie romantische, zeitlose Lieder, die sie mit viel Gefühl und persönlichen Erfahrungen vorträgt. Auch mal auf Englisch.

Vor allem aber sind es die rockigen, rhythmischen und fetzigen Stücke, die sie mit markigen Posen unterstreicht. Gegen Ende lässt das Publikum keine Gelegenheit mehr zum Mitrocken und Mitklatschen aus. Mit großem Jubel zeigen die Fans, dass ihnen der Abend gefallen hat.
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