Schriftsteller Luca Di Fulvio kommt mit seinem neuen Buch nach Weiden
Wortstark, bildreich und opulent

Kultur
Weiden in der Oberpfalz
23.03.2015
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Martin Stangl freute sich wie ein Bub vor der Bescherung, als er am Freitag Abend vor vollen Stuhlreihen seinen Gastautor ankündigte. Zu Recht. Denn mit Luca Di Fulvio besuchte ein Schriftsteller Weiden, den man in die Riege der Stars der internationalen Literaturszene einordnen kann.

Im Gepäck des italienischen Autors: sein neuestes Buch "Das Kind, das nachts die Sonne fand". Und das, wie passend: am Tag der Sonnenfinsternis.

"Guten Abend Weiden"

Leicht strubbeliges graues Haar, eher schlaksig und mit einem verschmitztem Lächeln auf den Lippen - Luca Di Fulvios Auftritt in der Buchhandlung Stangl & Taubald war völlig allürenfrei und charmant. "Guten Abend, Weiden", begrüßte der Italiener sein Publikum. Zurück in seiner Muttersprache, übersetzte Paola Barbon, Dolmetscherin und Moderatorin in Personalunion. Die deutschen Textstellen las Schauspieler und Sprecher Philipp Schepmann.

Di Fulvio ließ sein Publikum zunächst einen Blick hinter seine Texte werfen. "Ich will Geschichte erzählen und gleichzeitig mit Geschichten unterhalten. Geschichtsbücher sind oft sehr langweilig." Er habe die Entwicklung der Menschheit zum Humanismus beschreiben wollen - anhand der Geschichte des kleinen Marcus. Um den Mördern seiner Familie als einziger zu entgehen, muss der die neue Identität des bettelarmen Mikael annehmen.

Der Fürstenspross, der von der hellen Welt des Überfluss in das dunkle Leben der Armen und Unterdrückten geworfen wird, muss für seine Entwicklung böse Wachstumsschmerzen einstecken. Die Erzähllust Di Fulvios, wortstark, bildreich und opulent formuliert berührt die Leser, lässt sie die Geschichte spüren, mitfühlen - manchmal bis an die Schmerzgrenze. Ort der Handlung ist Raühnval, ein Herrschaftsgebiet in den Ostalpen - nicht zufällig. Die Welt hoher Berge und tiefer Täler sei im aus seiner Kindheit zutiefst vertraut. Nicht umsonst trägt Oisternig, der Bösewicht der Geschichte den Namen eines Berges, den Di Fulvio bereits mehrmals bestiegen hat. "Hier kenne ich mich aus. Ich habe heute noch eine Hütte da, ganz einfach, ohne Licht."

Die Geschichte Mikaels setzt sich fort mit einem herangewachsenen, zweifelnden Protagonisten - hin und hergerissen zwischen aufkeimender Liebe und dem Aufbegehren gegen den ungerechten Fürsten. Bald ist er zur Flucht gezwungen und schließt sich Rebellen an. Von den Truppen verfolgt, führt ihn seine Suche nach wahrer Freiheit zum Konstanzer Konzil - Ort des Aufbruchs einer Gesellschaft im Wandel. Aber auch ein bedrohliches babylonischen Moloch. "So ähnlich müssen sich italienische Auswanderer bei ihrer Ankunft in New York gefühlt haben."

Ohne noch mehr von der Handlung preiszugeben erzählte der Starschriftsteller von seiner Arbeit. Ob ihm die Handlung auch mal aus den Fingern gleite und das klare Konzept verlasse? Di Fulvio lachend: "Immer wieder! Natürlich. Aber ein guter Autor muss vor allem eines können: beschriebene Seiten wegwerfen."
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