Schrullige Mixtur
Coconami: Die Rückkehr der Jukulele

 
Miyaji und Nami (links) präsentieren Klassiker in englisch, bayerisch, deutsch und italienisch, die das Duo aus dem großen Teich der Populärmusik fischt, um sie auf wundersame Weise in das feine Coconami-Gewand zu weben. Bild: Gerald von Foris/Trikont

Wunderlich und fremdvertraut klingen die neuen Coconami-Songs auch auf ihrer dritten CD "san". Deshalb auch "san", das heißt im Japanischen Drei, es könnte auch "gestatten, Coconami", oder "das sind Coconami" bedeuten - im Bayerischen klingt es eher wie "des san Coconami".

Das wild wuchernde Leben auf einer Bühne, wenn dort Rock- oder Pop-Musik zelebriert wird, ist im besten Falle eine erstaunliche Angelegenheit, die den Besucher für zwei Stunden in eine andere, magischere, hoffentlich bessere Welt entführt. Gelegentlich ist das Leben auf einer Bühne auch bizarr - und entführt trotzdem gleichsam in eine bis dato unbekannte Welt.

Zum Beispiel dann, wenn da oben auf den Brettern, welche angeblich die Welt bedeuten, eine Japanerin namens Nami und ihr Landsmann namens Miyaji stehen, mit nichts als zwei Mikrofonen und zwei Ukulelen im Anschlag. Coconami nennt sich der skurrile Zweier, das Duo erstaunt seit gut zehn Jahren die Neugierigen unter uns, mit inzwischen mehr als hundert absolvierten Konzerten und drei Alben.

"Alles auf diesem Planeten ist Musik, darum geht es letztlich", kichert Nami kokett, wenn sie den Anspruch von Coconami erklärt. "Unsere Lieder sind wunderlich und fremdvertraut zur selben Zeit. Wir haben eigene Kompositionen auf Lager. Und wenn wir Bekanntes covern, machen wir uns darüber nicht lustig, sondern nehmen alle Lieder vollkommen ernst. Aber wir reduzieren Evergreens auf ihren Ursprung. Das macht sie vermutlich ein wenig seltsam."

Nami und Miyaji leben beide seit knapp 20 Jahren in München und nein - sie sind kein Paar: "Wir sind beide der Liebe wegen in die bayerische Landeshauptstadt gezogen, haben deutsche beziehungsweise japanische Partner", erzählt Nami. "Außerdem gehen wir ordentlichen Jobs nach - Miyaji ist eigentlich Ingenieur, doch inzwischen frönt er seiner Obsession als Bäcker. Ich bin Musiktherapeutin, das läuft alles wunderbar. Und dann sind wir uns Anfang des neuen Jahrhunderts über den Weg gelaufen und haben spontan beschlossen, zusammen Lieder zu komponieren, gemeinsam künstlerisch tätig zu werden. Wir waren uns von Beginn an darüber im Klaren, dass wir uns in Originalität suhlen werden."

Coconami werden bei ihren Auftritten zunächst mal komisch angesehen: Zwei Asiaten, die mit Kinderinstrumenten wie Block- und Nasenflöte, Kazoo oder eben der Ukulele eine schrullige Mixtur aus Landler und Punk, Japanischem und Bayerischem, Eigengebrautem und Evergreen zum Besten geben. Da wird Adriano Celentanos Klassiker "Azzurro" schon mal vom Blatt vorgelesen, "Veronika der Lenz ist da" von den Comedian Harmonists wird stilistisch nach Hawaii verpflanzt. "Wichtig ist, dass wir uns von außen keinerlei Stilrichtung auferlegen lassen", beharrt Nami. "Wir sind absolut offen für jegliche Stilrichtung. Und sämtliche Stile dieser Welt nehmen wir uns ganz schlicht vor, zerpflücken sie und basteln uns letztendlich daraus eine ganz eigene Version von Minimal Music."

Gerne werden Coconami als japanische, mit schrägen Klängen unterlegte Version von Karl Valentin bestaunt. Was dem Duo nicht sonderlich recht ist: "Wir sind nicht auf Humor- oder gar Dada-Mission", ist Nami überzeugt. "Aber natürlich haben wir auch kein Problem damit, wenn einige Menschen uns darauf sehen wollen. Wir sehen uns eher als mal neugierig, mal fatalistisch. Und am Ende geht es darum, dass wir selbst wie unser Publikum nach einem Gig glücklich und selig nach Hause gehen. Nun ja, meistens gelingt es uns sogar, diesen Anspruch zu erfüllen. Was gibt es Schöneres in einer grauen Welt wie der unseren?"

Coconami gastieren am Donnerstag, 14. Januar (20 Uhr) bei der Weidener Kleinkunstbühne "Klein & Kunst" in der Max-Reger-Halle.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und ww.nt-ticket.de

Sämtliche Stile dieser Welt nehmen wir uns ganz schlicht vor, zerpflücken sie und basteln uns letztendlich daraus eine ganz eigene Version von Minimal Music.Nami von Coconami
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