Sensible Kompositionen

Einfache, ja scheinbar banale Szenen bestimmen die straffen und konsequeten Bildkompositionen von Alfred Hertrich. Seine Fotografien sind noch bis 31. Januar in der weidener Regionalbibliothek zu sehen. Bild: Kunz

Aus Ansichten in Farbe - in Schwarz-Weiß Bilder einer überhöhten Realität! Aus einem Ausschnitt - ein Sinnbild für das Ganze! So lässt sich zusammenfassen, was die Ausstellung "Photo-Graphie monochrom analog" des Grafikers, Musikers und Malers Alfred Hertrich in der Regionalbibliothek Weiden zeigt.

Wie in seiner Malerei - man erinnere sich der eindrucksvollen Island-Gemälde im Foyer des Neuen Rathauses im vergangenen Jahr - so gilt Hertrichs Liebe vornehmlich der Landschaft: der heimischen von der Waldnaab, dem Bayerischen Wald, Rügen, bis zu Szenen aus Dänemark, Norwegen, der Schweiz, um nur einige Orte zu nennen.

Hertrichs Bilder darf man als klassische Fotografie bezeichnen. Aus der Fülle von Motiven wählt er mit intuitiver Sensibilität den für eine Landschaft charakteristischen Ausschnitt. Man darf es sagen: Hertrichs Fotografie zeichnet sich aus durch explizite Qualität sowohl der Auswahl der Motive als der Technik seiner Vergrößerungen: subtil ausgearbeitet in der Fläche wie im Detail. Das Ergebnis sind Bilder, wie man in der Fachsprache der Schwarz-Weiß-Künstler sagt, von bestechender Tonalität. Zwischen gerade noch akzentuiertem Weiß und gerade noch akzentuiertem tiefen Schwarz ist jede "Farbe" ausgedrückt. Als, wenn man so will, geborener Grafiker, wird zuletzt Hertrichs besonderer Blick für Komposition deutlich.

Glühender Verfechter

Alfred Hertrich, er erläuterte dies bei der Eröffnung seiner Ausstellung am Donnerstagabend, ist nach wie vor ein glühender Verfechter der analogen Fotografie; er fotografiert also auf Film und, was seinen Abzügen in digitaler Zeit eine Art Einzigartigkeit verleiht, vergrößert diese, wie erwähnt, auch selbst: Gerade selbst zu vergrößern gilt unter Klassikern als der letzte Schritt zum originären Print - was übrigens im musealen Kunstmarkt den Unterschied von Anerkennung oder Ablehnung ausmachen kann. Nur der vom Fotografen selbst erstellte sogenannte Vintage-Print gilt als geldwertes Original. Nicht umsonst haben sich viele Fotografen mit künstlerischem Anspruch noch eingedeckt mit Chemie, Filmen und originalem Fotopapier - ehe der digitale Massenmarkt auch dies verschwinden lässt ...

Es braucht an dieser Stelle kein "Für und Wider" digital oder analog. Ob analoger Film oder digitaler Chip: Der Fotograf macht das Bild, entscheidet intuitiv oder bewusst über Licht, Ausschnitt und Komposition. Ein "Für" glaubt die Gilde der Künstler allerdings doch festzustellen - und Alfred Hertrich ist ein Vertreter davon: Seine Bilder, man sieht es ihnen an, sind das Ergebnis einer bedachten und geduldigen Suche nach dem gewissen Ausschnitt. So entsteht das Bild schon beim Druck auf den Auslöser: fertig in seiner endgültigen Harmonie. Es ist dies, zeitgemäß formuliert, ein entschleunigtes Fotografieren - ohne den vielleicht einen "Treffer" nach hundertfachem digitalem "Klick" ...

Jedes Kunstwerk, in diesem Falle Fotografie, setzt sich zuletzt dem Blick des Betrachters aus. Eiliges Vorübergehen wird der meditativen Schönheit von Hertrichs Bildern schwerlich gerecht. Wer sich jedoch Zeit lässt, darf eine Entdeckung machen: Aufs neue die Entdeckung, wie außergewöhnlich und von sinnbildlicher und erzählerischer Kraft Fotografie in Schwarz-Weiß sein kann. Alfred Hertrich sei Dank.

Haikus von Ceasro

Nicht "Beiwerk", sondern, ausdrücklich gesagt, künstlerische Offenbarung für sich, sind die Kurzgedichte, sogenannte "Haikus", die Ingo Cesaro mit den Bildern Alfred Hertrichs vorstellt. Cesaro hat sich diese Form japanischer Dichtkunst zur Passion werden lassen: Worte, die in wenigen, bestimmt abgemessenen Strophen ganze Gedankenwelten entstehen lassen, entfernt vergleichbar westlichen Aphorismen. Zeit, sich darin zu versenken, fordern auch sie ein. Schon zum wiederholten Male pflegen Cesaro und Hertrich dieses gewissermaßen gedankliche Einvernehmen. Und so entsteht eine Symbiose zwischen literarischem und fotografischem Ausdruck, die dieser Ausstellung in der Regionalbibliothek Weiden eine ganz eigene Qualität verleiht.

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Die Ausstellung "monochrom analog" von Alfred Hertrich ist bis zum 31. Januar zu den üblichen Öffnungszeiten in der Regionalbibliothek in Weiden zu sehen.
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