"Solche Ideen liegen in der Luft"

Der Weidener Kammerchor unter Leitung von Peter Pollinger geht mit "Konzeptkonzerten" neue Wege. Start ist am 26. September im ehemaligen Helbig-Gebäude. Archivbild: Popp

Ob "Carmina" im Zelt oder Opern-Nacht in der Bus-Halle, wenn es um originelle Auftrittsorte ging, war der Weidener Kammerchor schon immer eine gute Adresse. Aus gelegentlichen Events soll sich nun eine eigene Konzertreihe entwickeln.

Start des außergewöhnlichen Projekts ist am Samstag, 26. September, im Foyer des Handels- und Dienstleistungszentrum, den Weidenern als ehemaliges Helbig-Gebäude bekannt. "Konzeptkonzert" lautet das Stichwort. Was darunter zu verstehen ist und welches "Konzept" man für diesen Abend entwickelt hat, darüber sprach die Kulturredaktion mit Chorleiter Peter Pollinger.

Herr Pollinger, was genau ist ein Konzeptkonzert?

Peter Pollinger: Diese Frage wurde mir in letzter Zeit oft gestellt. Konzeptkonzert, das ist kein offizieller Begriff, obwohl ihn auch andere immer wieder mal verwenden. Mir scheint aber, dass dieser Begriff unsere Idee gut umschreibt: Wir suchen einen interessanten, ungewöhnlichen Ort oder ein Gebäude, das möglichst schon durch seine Architektur besticht und das sich für eine Konzertaufführung eignet. Das Programm wird dann auf die Situation des Raumes hin "konzipiert". Im Idealfall bildet die Stimmung der Musik mit der Atmosphäre des Raumes eine Symbiose. Eine geeignete Lichtregie unterstützt das Ganze.

Wie kam es zu dieser Idee?

Pollinger: Ich hatte schon immer die Angewohnheit, wenn ich ein Gebäude betrat, darüber nachzudenken, ob man hier nicht ein Konzert machen könnte. Mittlerweile liegen solche Ideen in der Luft. Die Zuhörer erwarten Events, die etwas Neues bieten. Wenn man sich umschaut sieht man, dass auch an anderen Orten ähnliche Konzepte entwickelt werden, in München genauso wie in Nürnberg. Berlin ist übrigens auf diesem Sektor besonders innovativ.

Waren die erfolgreichen Konzerte in der Wies-Halle mit ausschlaggebend?

Pollinger: Die Konzerte in der Wies-Halle haben dabei sicher auch eine Rolle gespielt. Sie zeigen ja, dass das Weidener Publikum bereit ist, klassische Musik außerhalb der Konzertsäle zu hören.

Ist das ein Weg, neues, vor allem junges Publikum für klassische Musik zu gewinnen?

Pollinger: Das kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist es auch für die klassische Musik wichtig, dass man immer wieder neue Zugangsweisen sucht. Es wäre natürlich wunderbar, wenn auch viele junge Menschen kommen würden.

Das erste Weidener Konzeptkonzert findet am Samstag im Handels- und Dienstleistungszentrum Weiden statt. Was hat Sie an diesem Auftrittsort gereizt?

Pollinger: Ich kenne das Gebäude schon lange. Ich war dort oft am späteren Abend, wenn das Foyer leer und nur gering beleuchtet war. Die Höhe des Raums, die Kuppel, die man sich als Himmelsgewölbe vorstellen kann, und der imposante Treppenaufgang haben mich inspiriert über Chorstücke zum Thema "Nacht" nachzudenken.

Welche Programmidee verbirgt sich hinter "Nachtwanderung"?

Pollinger: Wie schon angedeutet kreisen alle Chorstücke, die wir singen, um das Thema "Nacht". Es geht um Assoziationen wie Sternenhimmel, Mondschein, Liebessehnsucht, dunkle Träume, goldene Schatten, Todesahnung, Traumlichter, aber auch um mystische Stille. Wenn man so will, möchten wir mit dem Publikum durch nächtliche Seelenzustände "wandern". Da man solche Stimmungen nicht zu lange aufrechterhalten kann, ist das Konzert auch eher kurz, maximal eine Stunde.

Was Ihnen wiederum ermöglicht, das Konzert am selben Abend zweimal aufzuführen.

Pollinger: Richtig! Das Konzert um 22 Uhr zielt auf die Nachtschwärmer ab. Wir hoffen, dass es viele gibt.

Gibt es schon Pläne für das nächste Konzeptkonzert?

Pollinger: Wir haben uns zuletzt in der Ostmark Kaserne der Bundeswehr umgesehen. Da gibt es gute Möglichkeiten. Auf unserem Plan steht aber auch noch eine Fabrikhalle und - das wäre besonders reizvoll - ein Steinbruch in Flossenbürg.
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