Solistin und Ensemblepartnerin
Harfenistin Silke Aichhorn im Interview

Silke Aichhorn finanzierte sich ihr Studium und die meisten ihrer Harfen durch ungewöhnliche Nebenjobs selbst. Bild:
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
27.01.2016
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"Als Harfenistin im Orchester muss man eines haben: Geduld." Silke Aichhorn weiß, wovon sie spricht. Nach ihrem Studium hat sie so manchen Orchesterjob gemacht, bevor sie solo auf die großen Bühnen kam.

In ihrer Orchesterzeit saß sie oft da, geduldig wartend auf den Einsatz "ab Takt 395". Heute ist Silke Aichhorn lieber als Solistin und Ensemblepartnerin unterwegs. Mit Kammermusik für Harfe, Flöte und Bratsche ist sie am Sonntag, 31. Januar (17 Uhr), in der Max-Reger-Halle bei den "Weidener Meisterkonzerten" zusammen mit Dejan Gavric (Flöte) und Philipp Nickel (Viola) zu hören. Die Kulturredaktion führte ein Gespräch mit ihr.

Frau Aichhorn, wenn Sie auf Konzertreise sind, wie oft hören Sie dabei Sätze wie "Hätten Sie mal besser Flöte gelernt!"?

Silke Aichhorn: Oft genug, schließlich bringe ich als Solistin fast immer mein eigenes Instrument mit. Die Rede ist von einer Konzertharfe, 180 Zentimeter groß und gut 40 Kilo schwer... Ja, da gibt es natürlich logistische Schwierigkeiten wie "Wo ist der Aufzug?" oder "Wo parke ich?". Warum haben Sie nicht Flöte gelernt, warum musste es die Harfe sein? Ich fing mit Flöte und Klavier an, wollte dann aber unbedingt Harfe lernen. Nach zwei Jahren Bettelei bekam ich im Alter von knapp zwölf Jahren meine erste Harfe. Es war einfach mein Instrument.

Ab wann war Ihnen klar, dass es auch Ihr Beruf sein wird?

Aichhorn: Während meines Musikstudiums in Lausanne in der Schweiz. Ich bin meiner ersten Lehrerin sehr dankbar, dass sie das für mich richtig erkannt hat!

Ein Studium, dass Sie sich hart erarbeitet haben...

Aichhorn: Nicht nur mein Studium, auch meine Harfen habe ich zum größten Teil selbst finanziert. Zuerst mit Jobs als Kellnerin, auf der Obstplantage, in der Bäckerei oder im Marktforschungsinstitut, danach in Musikschulen und bei Konzerten.

Hände, die fest zupacken können, das passt so gar nicht ins Bild von der Harfenistin als ätherisches Engelwesen.

Aichhorn: Ein Bild, das sich nach wie vor hartnäckig hält. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Nehmen wir nur die leicht asymmetrische Haltung hinter dem Instrument. Die Harfe liegt auf der rechten Schulter, die beiden Beine sind manchmal in der Luft... und ja, man braucht kräftige Hände. Die Harfe zum Klingen zu bringen, das ist nicht leicht.

Warum haben Sie nach dem Studium keine feste, sichere Orchesterstellung angestrebt?

Aichhorn: Als Harfenistin im Orchester muss man eines haben: Geduld. Und genau da ist das Problem. Man sitzt sehr viel und wartet viel, auf einen Einsatz, beispielsweise nach 395 Takten. Ich möchte viel lieber mein Instrument und seine Möglichkeiten zeigen, deshalb habe ich den Solistenweg gewählt.

Wie weit reichen denn die Möglichkeiten der Harfe?

Aichhorn: Das Repertoire reicht von der Renaissance bis zum Blues-Jazz-Swing, also nicht nur zart säuselnde Klänge. Das Publikum ist jedes Mal begeistert, die Harfe auch mit unbekannteren Tönen zu hören.

In Weiden hören wir Sie mit Kammermusik für Harfe, Flöte und Bratsche. Gibt es dafür überhaupt Originalliteratur?

Aichhorn: Es gibt sogar wunderbare Originalliteratur! Diese Besetzung ist "die" Kammermusikformation für Harfe und dafür wurde tatsächlich einiges komponiert: Die große Sonate von Claude Debussy, entstanden kurz nach dem ersten Weltkrieg, das Trio von Arnold Bax oder das Terzettino von Théodore Dubois. Werke, die wir in Weiden spielen werden.

Auf dem Programm stehen aber auch reizvolle Bearbeitungen wie Benjamin Brittens "Lachrymae"...

Aichhorn: "Lachrymae" ist auf der Harfe wesentlich komplexer als auf dem Klavier, man muss knapp 400 Pedale treten. Ich habe es in Brasilien und Mainz gespielt, dieses Stück bekommt einen anderen Zauber mit der Harfe und ich bin gespannt, wie es in Weiden ankommt!

Was schätzen Sie an Ihren Mitspielern Dejan Gavric und Philipp Nickel?

Aichhorn: Mit Dejan spiele ich seit 15 Jahren im Duo, er ist ein unglaublicher Flötist und hat ein fantastisches musikalisches Gespür, bei ihm fühle ich mich immer sicher. Außerdem mögen wir uns sehr. Philipp kam durch Dejan zu uns, ein wunderbarer Bratscher mit einem herrlichen Ton und ein toller Mensch dazu. Es ist einfach ein Privileg mit Freunden zu musizieren.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und unter www.nt-ticket.de.
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