Sonngard Marcks stellt im Keramikmuseum Weiden aus
Blumenpracht auf Porzellan

Detailverliebt gestaltet Sonngard Marcks ihre Stücke: Sogar die Blattfasern sind auf diesem Gefäß zu erkennen.
 
Ein Plan muss her: Bevor die Künstlerin Keramikstücke mit Farbe bemalt, zeichnet sie ihre Ideen auf Papier auf. Bilder: Susanne Kempf (2)

Kunst spüren statt nur betrachten - das ist in der neuen Ausstellung im Keramikmuseum Weiden möglich. "Durch die Werke von Sonngard Marcks können Sie Keramik sehen und erleben", verspricht Dr. Joseph Strasser, der Kurator bei der Neuen Sammlung München.

Die freiberufliche Künstlerin Marcks zeigt bis 3. Oktober 70 Keramik-Objekte im Internationalen Keramikmuseum in Weiden. Die 1959 in der Lutherstadt Eisleben geborene Künstlerin studierte nach dem Abitur und der Töpferlehre in Halle Künstlerische Keramik an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. Seit 1998 lebt sie in Wolfenbüttel als freiberufliche Künstlerin. In Weiden zeigt sie einen intensiven Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens. Botanische Kunst auf Keramik, Porzellan und Papier aus 30 Jahren verführt den Betrachter, sich rückhaltlos auf die Sichtweise und Fantasiewelt der Künstlerin einzulassen. Bewundernd und erstaunt steht man vor einem Objekt, versucht, die handwerkliche Fertigkeit zu erfassen. Neben vielen Zeichnungen von Blumen oder Früchten zeigen die zahlreichen Fayencen die Kunstfertigkeit der Künstlerin. Nicht nur die Ausgestaltung der Formen und Farben sind hier so beeindruckend, sondern auch die Präzision in der Technik der Fayence-Malerei.

Auch mal wegwerfen


Bei Fayencen wird der Tonscherben mit einer weißlichen Glasur überzogen und bei etwa 800 Grad vorgebrannt, um einen guten Malgrund zu erhalten. Der Scherben kann jetzt bemalt werden. Dies muss sehr sorgfältig geschehen, da die Farben beim nächsten Brand in die Glasur einsinken, während des Brennvorgangs von dieser umschlossen werden. Ist die Bemalung nicht sehr fein und fachgerecht ausgeführt, können Linien verfließen, unscharf werden.

Dann wird eine zweite Glasur aufgetragen und bei 1100 Grad aufgeschmolzen. Jetzt kann der glasierte Scherben wiederum bemalt werden, die Farben werden in einem dritten Brand angeschmolzen. Auch bei großer technischer Erfahrung und höchster Sorgfalt muss nicht selten ein Stück nach dem Brand entsorgt werden, weil das Ergebnis nicht der Vorstellung des Künstlers entspricht.

Sonngard Marcks wurde für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, mit ihren Entwürfen nimmt sie eine Sonderstellung ein. Sonderstellung? Dies allein sagt nicht viel, es ist schnell geschrieben, ebenso schnell gelesen, zur Kenntnis genommen. Aber was verbirgt sich dahinter, worin liegt die Sonderstellung? Sicher in der hohen technischen Fertigkeit der Künstlerin. Einerseits. Besonders wird ihre Kunst sicher durch die Verbindung des technischen Könnens und der fantasievollen Ausgestaltung ihrer Entwürfe und Zeichnungen in ansprechende Keramik.

Ohne Zweck


Ein Objekt allein würde vermutlich schon beeindrucken, für sich wirken. Sieht man jedoch die Fülle der Objekte, entdeckt teils auf den ersten Blick, teils erst bei näherem und sehr aufmerksamen Hinsehen brillant gestaltete feine Details, dann versteht man die Besonderheit in den Arbeiten von Sonngard Marcks, erkennt, warum ihr eine Sonderstellung zugeschrieben wird. Man muss die in der Ausstellung gezeigten Objekte als das anerkennen, was sie sind: Kunst. Ohne praktischen Hintergedanken, ohne technischen Zweck. Sie sind Kunst, stehen für sich, erfüllen allein den Zweck, den Betrachter anzusprechen, ihm eine Geschichte von besonderer Kunst, von einem Talent, einer Fantasie zu erzählen.

ÖffnungszeitenOrt: Internationales Keramikmuseum, Luitpoldstraße 25, Weiden.

Dauer: Die Ausstellung gibt es bis Montag, 3. Oktober, zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.die-neue-sammlung.de www.sonngard-marcks.de
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