Stadtmuseum nimmt bei "Kunstgenuss bis Mitternacht" eine Auszeit
Kunst statt Bürgerfest

Petra Vorsatz: ihr Stadtmuseum nimmt beim "Kunstgenuss" am Freitag eine Auszeit. Bild: Schönberger
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
25.10.2016
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Der "Kunstgenuss bis Mitternacht" sprengt alle Rekorde. Er gehört ebenso wie "Weiden träumt" zu den absoluten Publikumsmagneten. Umso verwunderlicher ist es, dass ausgerechnet das stark besuchte Stadtmuseum am Freitag geschlossen bleibt.

Waren es im vergangenen Jahr noch 40 Stationen, die Tausende von Menschen zwischen 18 Uhr und Mitternacht in die Innenstadt lockten, so werden es am kommenden Freitag, den 28. Oktober, noch einmal sieben Stationen mehr sein. Und das, obwohl die Türen des Stadtmuseums direkt neben der Michaelskirche erstmals zu diesem Anlass geschlossen bleiben. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz glaubt: "Am Ende wird es kaum aufgefallen sein, dass wir nicht dabei sind."

Das Stadtmuseum gehört zu den Gründungseinrichtungen des vom Stadtmarketingverein "Pro Weiden" organisierten Kunstgenusses. Und es war bei den Besuchern besonders beliebt. Die Menschen drängten sich in den Räumlichkeiten. Ganz außen vor bleibt das Alte Schulhaus allerdings nicht. Die TV Kummert Treuhand GmbH hat dort eine Ausstellung der Künstlergruppe "Palette 96" organisiert. Und der AK Kunst im Oberpfalzverein zeigt seine Jahresausstellung "Kunstblicke".

Petra Vorsatz spricht von einer Auszeit. Wie es im nächsten Jahr ausschauen wird, kann sie noch nicht sagen. Der Beschluss für dieses Jahr fußt auf drei Gründen. So sei es vom Personal äußerst schwierig geworden, auf allen Ebenen präsent zu sein. "Das wäre sehr intensiv." Deshalb ist es im vergangenen Jahr auch zu zwei Fällen von Vandalismus gekommen. "Das hat richtig weh getan", klagt Vorsatz. So sei das Furnier eines Schrankes abgerissen worden. Und auch eine Schublade sei mutwillig in Mitleidenschaft gezogen worden. Man könne nicht alles im Museum im Auge behalten.

Noch eine Entwicklung ist der Kulturamtsleiterin ein Dorn im Auge. Sie hat den Eindruck, dass der Kunstgenuss sich immer mehr in Richtung Bürgerfest entwickelt. Das kulinarische Angebot werde gegenüber dem kulturellen Angebot immer wichtiger. Wenn die Leute das wollen, sei das auch völlig in Ordnung, sagt Vorsatz. "Aber das Stadtmuseum hat sich in diesem Umfeld nicht mehr so aufgehoben gefühlt."

Ein Bürgerfest will auch Andrea Schild-Janker an diesem Abend nicht haben. Der Geschäftsführerin von Pro Weiden ist auch noch keine Tendenz in diese Richtung aufgefallen. Wobei die Organisatorin nicht ausschließen will, "dass auch komische Leute" unterwegs sind. Um gegenzusteuern, ruft Pro Weiden die Teilnehmer schon seit einigen Jahren immer wieder dazu auf, für Getränke einen Kostenbeitrag zu verlangen und auf keinen Fall Alkohol anzubieten. Man wolle kein Bürgerfest. Es soll eine Kunstveranstaltung bleiben.
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