Strompost Kollektiv mit Remix
Der entschleunigte Reger

Das Strompost Kollektiv begeistert mit einem von Reger inspirierten Programm, das den Komponisten mit respektvoller Leichtigkeit in die Jetzt-Zeit transferiert. Bild: Otto

Eine junge Combo, die im Stile skandinavischer Jazz-Melancholiker den Schlüssel zu einem Max Reger der Jetztzeit findet? Seit Freitagabend weiß man: Es funktioniert. Das Konzept "Reger Now" des Strompost Kollektivs begeistert Regerfreunde und Jazz-Fans gleichermaßen.

Strahler, die in Weiß und Violett die Bühne illuminieren, eine Wand mit LED-Lichtern, die in Laufmustern ihre Farben wechseln. Reger-Puristen könnten bei der Bühnengestaltung die Luft angehalten haben. Reger, der ernste, akribische Komponist - einmal nicht ehrfurchtsvoll vorgetragen. Geht gut. Sehr gut sogar.

Das Geheimnis des Erfolges von Luzi Brandl, Lukas Höllerer, Benedikt Hengstl, Jeremias Kaiser und Uli Schmutzer: ein sehr modernes Konzept. Keine Cover-Versionen haarscharf am Original. Die Musiker haben sich von Max Reger inspirieren lassen, die Stücke seziert, Teile collagenartig zusammengefügt und dabei originär Neues entstehen lassen.

Der Respekt vor dem Genie geht aber in keiner Minute verloren. Die Art, wie das Strompost-Kollektiv sich Reger nähert zeugt davon, wie intensiv sich die Musiker mit dem Werk Regers auseinandergesetzt haben. Und welchen Respekt sie für den Komponisten haben. "Die Stücke sind so voll mit tollen Elementen, die schon wieder von neuen überdeckt werden. Wir wollten diese Stellen konservieren", moderiert Drummer Lukas Höllerer.

Dieses Bewahren einzelner genialer Ideen Regers erreichen die Musiker mit Mitteln elektronischer Musik. Mit Samples und Loops geben sie den rastlosen und unruhigen Stücken eine melancholische Ruhe. So entstehen Momente der Entschleunigung. Ein respektvoller Remix der Werke eines Getriebenen. Mit einem Piano, dass Reger dennoch stets verbunden ist.

Erhellender Service


Freilich: Wer Regers Werk nicht ausführlichst kennt, hätte Schwierigkeiten, die Parts des Komponisten herauszuhören. Deswegen ist es eine gute Idee, dass Jeremias Kaiser, der am vertrautesten mit Reger ist, einige Stücke im Original auf dem Flügel vorspielt, bevor die Band wieder gemeinsam einsetzt - eine Art Vorher-Nachher-Service, der durchaus erhellt.

Moderner Jazz


Ohnehin muss man sagen: Die Songs, die die Formation in einem halben Jahr für Piano, Kontrabass, Gitarre, Flöte und Schlagzeug komponiert haben, wirken für sich. Die Band reklamiert für sich eine Nähe zu norwegischem Modern Jazz. Aber gerade die Querflöte, die auch weniger harmonische Parts sanft trägt, lässt Assoziationen zu Filmmusik der 70er und 80er Jahre entstehen.

Wie reflektiert sich das Strompost Kollektiv mit den Werken von Max Reger befasst haben, zeigen zwei Lieder insbesondere: Da gibt es ein Stück aus der Feder des Komponisten, das die Musiker unverändert vortragen und eines, das zu 100 Prozent von den Jazzern stammt. Beide passen sich in die Setlist ein, ohne sich wie ein Fremdkörper anzufühlen.
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