Sündenfall Nummer eins: "Sea + Air" eröffnen die kurze Saison der neuen "Sünde"
Schräger Zauber auf dem Cembalo

Eleni und Daniel Benjamin sorgen kurz vor ihrem Gig für Ghost-Pop-Atmosphäre. Das Publikum lässt sich begeistern. Bild: otj
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
27.09.2016
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Da ist das Ding! Die Sünde lebt. Und der Verein für Kultur und Frohsinn steigt gleich mit grandiosen Künstlern in die neue Saison ein: "Sea + Air". Das Singer/Songwriter-Doppel Eleni und Daniel Benjamin hat gerade eine Tour durch Großbritannien hinter sich. Trotzdem: Immer noch ziemlich frisch. Routine? Nein. Was für ein Hammer-Auftakt.

Bittersüße Hymnen


Sphärisches Rauschen wabert durch den dunklen Club, Streichhölzer flammen auf, vor der Bühne werden Kerzen entzündet, der schwache Schein fällt flackernd auf die Gesichter der Künstler - ein zeremonieller Einstieg, fast kultisch, konspirativ. Dann entern die in Schwarz-Weiß gewandeten Musiker die Bühne. Es wirkt. Still. Offensichtlich berührt die Ghost-Pop-Atmosphäre die Menschen in der Sünde.

Wer die Platten von "Sea + Air" kennt, weiß um diesen schrägen Zauber, der die Songs der beiden umgibt. Für das Konzert gilt das noch in verstärktem Maß. Denn was vor allem auf "Evropi" noch ein wenig sperrig und mitunter gruselig überzeichnet anmutet, wird live zur bittersüßen Hymne ("Should I Care"), zum stadiontauglichen Popsong ("Do Animals Cry") oder zur veritablen Dance-Nummer ("The Heart Of The Rainbow"). Viele ruhige Nummern entwickeln live erst ordentlich Kraft. Daniel Benjamin variiert oft mehrmals in einem Song zwischen Brust- und Kopfstimme. Das und die mehrstimmigen Parts mit Eleni unterstreichen zusätzlich die Kraft ihrer weltentrückten Poesie. Getragen werden die Songs von Schlagzeug, Gitarre und Synthesizer - abwechselnd und manchmal gleichzeitig bedient. Und von einem Cembalo, das von Eleni gespielt eine Art Markenzeichen des Sounds von "Sea + Air" geworden ist.

Angesichts der oft nicht nachvollziehbaren Marktmechanismen der Musikindustrie, ist es immer riskant, eine Wette auf den künftigen Erfolg einer Band zu platzieren. Aber Daniel und Eleni haben alles, was man zur Popstar-Existenz braucht. Der Sound ist unverwechselbar. Beide sind hervorragende Musiker, überzeugende Lyriker, ein bisschen spinnert und abgehoben, aber liebenswert und durchaus vorzeigbar. Plus: Live gehen die Entertainer-Qualitäten der beiden echt steil. Mit ihrem Ghost-Pop haben sie zumindest schon mal in Weiden offene Türen eingerannt.

Sound der 90er Jahre


Unbedingt erwähnt werden sollte der Support Act für die Deutschland-Tour von "Sea + Air". Sie haben sich die Alternative-Veteranen von "The Choir" ins Boot geholt. Dass die Band laut Wikipedia einen christlichen Hintergrund hat, entbehrt nicht einer leichten Ironie. Sind sie doch der Sündenfall Nummer eins nach dem Einzug in den Hinterhof des Josefshauses.

Bei den vor 1980 Geborenen lassen "The Choir" den Sound der 90er Jahre wach werden: Verzerrerselig wird da in Dinosaur Jr.-Manier losgebrettert. Wahrlich nicht neu. Aber immer eine Sünde wert.
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