Susanne Kempf zeigt mit ihren Bildern und Ausstellungen: Multiple Sklerose ist nicht das Ende
Nach dem Schock kam die Leidenschaft

Susanne Kempf vor den Bildern, die sie persönlich zu der Ausstellung "Denken - Fühlen - Malen" beisteuert. Bild: Otto
Susanne Kempf ist eine Macherin, sie organisiert gerne. Als Initiatorin einer seit 2008 jährlich stattfindenden Wanderausstellung mit Bildern von an Multiple Sklerose (MS) erkrankten Menschen plant sie von langer Hand. Sie koordiniert die Künstler aus ganz Deutschland, kümmert sich um Drittmittel, macht die Pressearbeit und hängt die Bilder vor der Eröffnung eigenhändig auf. Schon für einen gesunden Menschen ist so eine Ausstellung enorm stressig. Bei Susanne Kempf kommt dazu, dass sie selbst an MS erkrankt ist. Sie sagt "Ja" zum Leben, gestaltet statt zu konsumieren, geht raus statt sich einzuigeln. Das war nicht immer so. Die Diagnose MS zog ihr erst einmal die Beine weg.

"Die ersten zwei Jahre nach der Diagnose waren schrecklich. Ich habe versucht, die Symptome vor anderen zu verstecken." Vor allem bei ihren Kunden, die sie mit ihrer PR-Agentur betreut, hatte sie Angst, sich zu offenbaren. Ein Freund habe sie ganz direkt mit seiner Vermutung konfrontiert. Ein Weckruf: Für die Akzeptanz der Krankheit und den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Pinsel statt Stift

Heute geht es ihr gut, sagt sie. Die anfänglichen Lähmungen, die mit dem ersten Schub kamen, vergingen nach medikamentöser Behandlung - genau wie die Schwindelgefühle. Seitdem nimmt sie Interferon, das die Entzündungen im Körper eindämmt. "Selbst das Schreiben funktioniert wieder passabel."

Sie habe sich schon immer sehr für Kunst interessiert, sagt Susanne Kempf, aber eher aus der Betrachter-Perspektive. Dass sie heute mit Leidenschaft malt - dafür ist die MS verantwortlich. Und ihre Mutter. Als sie nach dem ersten Schub nicht einmal mehr schreiben konnte, habe ihr ihre Mutter energisch ans Herz gelegt: "Wenn du keinen Stift mehr halten kannst, dann nimm einen großen Pinsel." Zunächst malte Kempf nur für sich selbst - auf Leinwand, später auf Holz. Das Malen habe gewirkt wie Reha-Training. Viele Beschwerden seien besser geworden.

Bald stellte sich Kempf: Wenn ihr das Malen so gut helfe, dann müsste es doch auch anderen so gehen. "Menschen mit MS sollen sich nicht auf ihre Krankheit reduzieren lassen. Die Diagnose bedeutet nicht das Ende." Über die Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft und über die lokalen Medien fand sie Gleichgesinnte - aus ganz Deutschland. Nach und nach erweiterte sich das Netzwerk. Die Idee von einer Wanderausstellung nahm Konturen an.

Geld fehlt

2008 startete "Denken - Fühlen - Malen" im Weidener Rathaus - mit fast 30 Künstlern und weit über 100 Bildern. Zeitung, Radio und TV berichteten, weitere Anfragen kamen. 2009 ging es mit der Werkschau von Kemnath über Berlin und Bonn nach Hamburg und Frankfurt. 2015 musste die Wanderausstellung mit Stationen in Amberg und Waldsassen erstmals eine Nummer kleiner ausfallen. Schuld war wie so oft das liebe Geld.

Denn solche Ausstellungen kosten natürlich Geld. Bisher fand Kempf in den Pharmafirmen große Unterstützung. Die blieb diesmal aus. "Nicht weil sie nicht mehr wollten. Aber es gibt da einen Pharma-Kodex, der solche Förderungen schwierig macht." Susanne Kempf wäre nicht sie selbst, würde sie das einfach so hinnehmen. Man darf sicher sein, dass sie Wege finden wird, um "Denken - Fühlen - Malen" am Leben zu erhalten.
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