Sven Faller beim JazzZirkel
Die Magie der Nacht

Der Bassist Sven Faller entführt mit seinem Projekt "Night Music" in die Magie der Nacht. Mit Bob Degen am Klavier und der Schlagzeugerin Mareike Wiening steht ein hochkarätig besetztes Trio im Bistrot Paris. Bild: lr

Sven Faller hat sich mit seinem eigenständigen melodischen Stil auf dem Kontrabass international einen Namen gemacht. Viele Jahre lebte und arbeitete er in New York und begleitete in seiner beeindruckenden Karriere zahlreiche namhafte Künstler. Am Samstag, 26. November, gastiert er mit seinem Projekt "Night Music" beim Weidener Jazz-Zirkel im "Bistrot Paris".

In Weiden gastierten Sie vor einem Jahr mit der Sängerin Viviane de Farias und dem Gitarristen Paulo Morello, in Schwandorf standen Sie kürzlich mit Larry Coryell und in Regensburg mit Lisa Wahlandt und Gerwin Eisenhauer auf der Bühne. Das sind ganz unterschiedliche Projekte. Haben Sie Vorlieben für einen bestimmten Stil?

Sven Faller: Ich habe in meiner Karriere schon alle möglichen Arten von Musik gespielt. Für mich ist nur wichtig, wer spielt und wie gespielt wird.

Wie sind Sie zum Kontrabass und zum Jazz gekommen?

Als Teenager in der Schülerband. Dort haben wir die Instrumente durchgewechselt. Ich habe anfangs Klavier und Perkussion gespielt. Ein Kollege hatte einen E-Bass, den drückte er mit in die Hand und ich merkte: Das ist das Instrument, das mir total liegt! Im Gymnasium gab es eine Schul-Bigband. Dort wurde mir ein Kontrabass zur Verfügung gestellt. Das wurde dann eine noch größere Liebe. Eines Tages sagte der Pianist unserer Schülerband: "Hör dir doch das mal an!" - Das waren Platten von John Coltrane und Charlie Parker - und so entwickelten wir uns von einer Punkband zur Jazzband. Der Hang zur Improvisation und zum spontanen Musizieren war schon damals da.

Haben Sie als Bassist Vorbilder?

Meine Vorbilder waren Musiker mit allen möglichen Instrumenten, natürlich Größen wie John Coltrane oder Miles Davis.In New York hatte ich Unterricht bei Eddie Gomez, der mich durch seinen melodischen Stil stark beeindruckt hat. Natürlich haben mich auch Klassiker wie Paul Chambers und Ray Brown beeinflusst. Erst kürzlich hatte ich ein wunderbares Treffen mit Ron Carter, der sogar auf meinem Bass spielte.

Seit kurzen leben Sie in Schwandorf. Gibt es eine besondere Beziehung zur Jazz-Szene der Oberpfalz?

Ich bin in München aufgewachsen. Nach einem langen Umweg über Berlin und New York kam ich in die Oberpfalz. Nun bin ich seit fünf Jahren in Schwandorf. Durch meine ehemalige Band "Trio Elf" mit Gerwin Eisenhauer hatte ich gute Beziehungen nach Regensburg und auch zu Paulo Morello, der jetzt in Teublitz lebt. Ich habe den Umzug nie bereut. Ich genieße die Ruhe und die Natur und habe hier viele Freunde gefunden. Ich finde hier alles, was ich brauche.

Der Amerikaner Bob Degen (Jahrgang 1944) ist eine Schlüsselfigur der Frankfurter Szene. Er spielte mit Albert Mangelsdorff und im Jazzensemble des Hessischen Rundfunks. Beim Jazz-Zirkel gab er vor 30 Jahren sein erstes Gastspiel im Duo mit dem Bassisten Peter Bockius. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Bob Degen?

Durch einen Zufall. Wir waren beide von Emil Mangelsdorff gebucht. Bei dem Konzert hatten wir ein inniges Zusammenspiel, und der Veranstalter sagte damals "Da haben sich aber zwei gefunden!" Später habe ich Bob Degen und Guido May in mein Tonstudio in Schwandorf eingeladen. Dort nahmen wir die CD "Night Music" auf, und seitdem ist das ein wunderbares Trio.

Wer hatte die Idee zum Projekt "Night Music"?

Vor vielen Jahren hatte ich in New York eine Kurzgeschichte "Night Music" geschrieben. Seitdem habe ich immer wieder Texte gesammelt. Die Nacht als Gegenpol zu unserer sehr vernünftigen und effizienten Tageswelt. Wir als Musiker sind viel in der Nacht unterwegs und begegnen vielen Menschen in der Nacht. Das ist aber kein strenges Konzept, eher eine Stimmung, balladenhaft und ruhig, zumindest auf der CD. Live geht dann schon etwas mehr ab

Nach welchen Gesichtspunkten wurden die Stücke ausgewählt?

Viele Stücke habe ich extra für das Programm geschrieben, einige wurden nach ihrer Stimmung ausgewählt. Nur die CD live umzusetzen wäre uns aber zu langweilig. Die CD ist ein Konzeptalbum, die man zu Hause in der Nacht genießt und die einen in eine andere Welt transportiert. Live passiert natürlich mehr, eher eine Reise in verschiedene Welten. In Weiden wird das Trio im Vordergrund stehen, aber ich werde aber in den Ansagen auch kurze Geschichten zum Thema Nacht einstreuen.

In Weiden sitzt Mareike Wiening (Jahrgang 1987) am Schlagzeug, nicht wie gewohnt Guido May. Wie kam es dazu?

Guido May kann aus terminlichen Gründen diesmal leider nicht spielen. Mareike ist noch sehr jung, aber auch selbst als Bandleaderin aktiv. Ich habe sie beim Jazz-Weekend in Regensburg schon zweimal begleitet. Sie lebt in New York und ist eine für ihr Alter ungewöhnlich reife Musikerin und hat selbst ausgefallenen Kompositionen geschrieben. Ich brauchte dringend jemand, der über den Tellerrand das Schlagzeugs hinausdenkt und sich in die Musik ganzheitlich einfügen kann. Ich erhoffe mir, dass die Musik durch sie wieder eine andere Wendung nimmt. Das Projekt ist sehr wandlungsfähig, sei es als Duo, Trio oder Quartett. Dadurch bleibt die Musik immer frisch und interessant.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de
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