Swingender Piano-Jazz für Genießer
Trio WUH beim Jazz-Zirkel in Weiden

Seelenverwandte in Sachen Jazz: Der amerikanische Pianist Skip Wilkins, sowie Frantisek Uhlír und Jaromír Helesic aus Tschechien (von links) zelebrieren in Weiden die hohe Kunst musikalischer Interaktion. Bild: Reitz

Frantisek Uhlír, der Meisterbassist aus Prag, zählt seit mehr als 35 Jahren zu den beständigsten Gästen beim Jazz-Zirkel-Weiden. Mit seinem aktuellen Trio WUH präsentiert er eine gelungene Partnerschaft zwischen Europa und den USA.

"Modern Jazz mit melodiösen Elementen" - so definiert Skip Wilkins die Musik von WUH, ein Trio, das eher zufällig entstand, als Frantisek Uhlír für einen Konzerttermin in Neuburg/Donau dringend einen Ersatz für den erkrankten Pianisten seines Trios brauchte. Und die Chemie stimmte von Anfang an. Ein Name war schnell gefunden: "WUH" - diese drei Buchstaben stehen für die Initialen der Musiker Wilkins-Uhlír-Helesic und nicht für ein asiatisches Gericht, wie Uhlír scherzhaft ausführt.

"Too marvelous for Words", eine Nummer aus dem "Great American Songbook", steht am Anfang eines faszinierenden Konzertabends, und dieser Titel könnte auch für die Musik dieses außergewöhnlichen Trios stehen: Musik, die man mit Worten nur schwer beschreiben kann, Musik, die in ihrer Schönheit und Tiefe für sich spricht.

Zwischen Kontinenten


In einer gelungenen Mischung von Standards und Eigenkompositionen entführen die Künstler in eine Welt voller Harmonie und Ausgeglichenheit, die den Alltag mit all seinen Problemen und Niederungen vergessen lässt. Skip Wilkins unterrichtet in Pennsylvania und Prag Jazzpiano und spielte in den USA mit Ikonen des Modernen Jazz wie Mark Murphy, Milt Hinton, Joe Lovano, Ravi Coltrane oder Al Grey. Er ist tief verwurzelt im modernen Jazz amerikanischer Prägung, oft auch als "Mainstream" tituliert. Die Musik swingt, mit atemberaubender Geschwindigkeit rasen seine Finger über die Tasten, aber auch lyrische Passagen werden mit größter Perfektion zelebriert.

Frantisek Uhlír, der Meisterbassist aus Prag, ist gleichwohl ein Virtuose auf seinem Instrument. Auch in den höchsten Lagen intoniert er perfekt, dabei faszinieren sein untrügliches Gefühl für Swing und Rhythmus und die Kunst des Arrangements.

Unter die Haut geht ""Na Morave", eine erst vor wenigen Wochen entstandene Komposition von Skip Wilkins, in der die slawische Volksseele mitschwingt. Das Thema wird stimmungsvoll von Uhlír mit dem Bogen eingeführt, ein Stück mit fast volksliedhaftem Charakter. Aber auch Uhlírs eigene Komposition "Bossa Cosa" hat das Zeug zu einem echten Ohrwurm, faszinierend die unglaubliche Akkord-Technik des Meisterbassisten bei seinem Solo.

Hohe Kunst der Interaktion


Aber immer wieder beeindruckt das Ensemblespiel der Musiker. Man wirft sich gegenseitig Ideen zu, reagiert aufeinander und hat sichtlich Spaß am Zusammenspiel. Ein wesentliches Verdienst auch von Jaromír Helesic. Er ist ein einfühlsamer und hochmusikalischer Schlagzeuger. Mit seinen Besen und Becken hält er das Trio zusammen, reagiert feinsinnig auf alle Nuancen, setzt Akzente und strukturiert das dynamische Geschehen, daneben ist er ein Meister der lateinamerikanischen Perkussion, präzise, aber auch lässig swingend wie bei Jobims Klassiker "Luiza". Hörenswert auch seine solistischen Einwürfe und die Dialoge zwischen Klavier und Schlagzeug.

Bei zwei Stücken betätigt sich Skip Wilkins auch als "cooler" und schnörkelloser Sänger im Stil von Mose Allison oder Ben Sidran. "Did I remember" oder "I 'll close my Eyes", Songs die durch Billie Holiday und Sarah Vaughan bekannt wurden, entführen in der Welt der Nightclubs und der Broadway-Musicals.

Mit der Frage "How deep ist the Ocean" findet ein Abend voller Harmonie und Wohlklang sein Ende, ein Ausflug in die heile Welt der Muse, ganz ohne Kanten und Ecken und auch ohne Zugeständnisse an den aktuellen "Zeitgeist": Musik für Genießer!
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