"Taxi Teheran" nimmt Kurs auf Weiden
Neue Haltestelle für die "Filmgespräche"

Hinter den Kulissen der "Filmgespräche" bilden sie ein eingeschworenes Team: (von links) Pfarrer Herbert Sörgel, Uwe Ibl, Claudia Sörgel, Manfred Hartung und Hans Bräuer. Bild: Götz
 
Am Steuer des Taxis sitzt der Regisseur: Jafar Panahi, als Filmemacher im Iran mit Berufsverbot belegt, hält mit versteckter Kamera seinen Plausch mit Fahrgästen fest. Das "Filmgespräch" rund um "Taxi Teheran" beginnt am Mittwoch, 11. Mai, um 19.30 Uhr im "Capitol". Mit dabei sind unter anderem die Iran-Reisenden Simon Wittmann und Dr. Gabriele Hagemann sowie die angehende Dolmetscherin Razieh Seddighi. Bild: Weltkino

"Taxi Teheran" nimmt am Mittwoch Kurs auf Weiden. Den "Filmgesprächen" liefert es neuen Gesprächsstoff - an anderem Ort. Haltestelle ist jetzt die Allee.

Bei Filmgespräch Nummer 66 kam vieles zusammen. Eine sehenswerte Dokumentation. Ein brisantes, großes Thema. Eine illustre Diskussionsrunde unter anderem mit OB Kurt Seggewiß und Jost Hess. Ende Januar ging es im prächtig gefüllten Neue-Welt-Center um die Flüchtlingsproblematik - und es war einer der bestbesuchten Kinoabende in der zwölfjährigen Geschichte der "Weidener Filmgespräche". Trotzdem bedeutete "Willkommen in Deutschland" auch einen Abschied.

Denn die 67. Vorstellung am Mittwoch, 11. Mai, bringt eine Premiere: Erstmals beherbergt das "Capitol" (Allee) die "Filmgespräche". Station macht dort das "Taxi Teheran", ein ungewöhnlicher Streifen, der die Berlinale 2015 gewann und - grob gesagt - von der Liebe zum Kino handelt. Die treibt auch das Organisatoren-Team immer noch um. Trotz mancher Rückschläge. Wie die Ankündigung der "Neue Welt"-Betreiber, nur noch zwei "Filmgespräche" im Jahr unterstützen zu wollen. Hans Bräuer (Katholische Erwachsenenbildung) äußert Verständnis für die wirtschaftlichen Zwänge des langjährigen Partners. "Aber wir wollen uns nicht beschränken lassen." Deshalb nun der zeitweise Umzug ins "Capitol" als zweiten Schauplatz. Vom einst zweimonatigen Turnus ist die Veranstaltungsreihe ohnehin abgerückt, 2016 gibt es insgesamt allenfalls vier Filme.

Der Zeit voraus


Tatsächlich trafen die "Filmgespräche" oft den Nerv der Zeit - unter anderem auch mit Themen wie "Mehrgenerationenhaus" ("Und wenn wir alle zusammenziehen", 2013) oder Überlebenskampf in der Landwirtschaft ("Sauacker", 2015). Aber eben nicht immer. Pfarrer Heribert Sörgel (Evangelisches Bildungswerk) erinnert sich zum Beispiel an "Die Piroge", einen Film über afrikanische Bootsflüchtlinge. Im September 2013 lief er nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die "Filmgespräche" waren wieder mal ihrer Zeit voraus gewesen. Sörgel: "Kurz darauf war Lampedusa in aller Munde."

Vorbereitet werden die Abende von einem eingeschworenen fünfköpfigen Team: Sörgel, seiner Frau Claudia, Bräuer sowie den NT-Redakteuren Manfred Hartung und Uwe Ibl. Leicht ist's selten. Hans Bräuer bereitet eine Liste mit mehr oder weniger geeigneten Filmen vor. "Dann sehen wir, welcher Film beim Verleih zu haben ist", erzählt Claudia Sörgel. "Wir diskutieren, welcher ziehen könnte und welcher nicht. Und am Ende stellt sich bei der Beschaffung der Referenten heraus: schwierig ..." Und eben darauf kommt's ja an, stellt Pfarrer Sörgel fest: "Das Gespräch steht im Vordergrund."

Für heuer gibt es nur noch einen konkreten Termin ("10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?" am 28. September), ein weiterer könnte noch hinzukommen. Nächstes Jahr sollte die "Filmgespräche"-Frequenz wieder etwas steigen, meinen die Organisatoren. Neue Ideen gäb's auch: "Autokino", schlägt Claudia Sörgel vor. "Freiluftkino", meint Bräuer, "Spätestens zum 100. Filmgespräch." Mehr als vier Vorstellungen pro Jahr wären insofern ganz hilfreich, scherzt Hartung: Sonst wär's zumindest für die Organisatoren "kein Auto-, sondern Rollator-Kino".
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