„Theater aus Leidenschaft“
Aschenbrödel diesmal ganz selbstbewusst

Passt wie angegossen. Endlich hat der Prinz sein allerliebstes Aschenbrödel wiedergefunden. Zum Ärger von deren Stiefmutter und Stiefschwestern, die sich nun mit Knecht Willi und dem Küchenjungen als Ehegatten zufrieden geben müssen. Bild: Kunz

Wieder so ein Fußfetischist. Am Neujahrstag kam er aus dem Märchenland. Das "Theater aus Leidenschaft" ließ sich bei der Umsetzung der Geschichte von den "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" von den Gebrüdern Grimm, vor allem aber von einem tschechisch-deutschen Kultfilm aus dem Jahr 1973, spürbar inspirieren.

In dieser Geschichte, die noch gern zur Weihnachtszeit über die Bildschirme flimmert, ist Aschenputtel - allen Regeln der Märchenwelt zum Trotz - nicht das bezaubernde, naive Landei aus der Besenkammer, sondern eine selbstbewusste junge Frau, die selbst dem liebestollen Prinzen Paroli bietet. Der lief sich Blasen, als er durch sein Königreich jagte, um mit Hilfe eines verloren gegangenen Damenschuhs auf Brautschau zu gehen.

Der Schuhtick begeisterte am Freitagabend rund 500 Besucher in der Max-Reger-Halle. Denn mit diesem Musical hatten die Programmgestalter das Wohlgefallen des Publikums getroffen. Der erste Tag des neuen Jahres war durchaus für den kreativen Umgang mit Märchenfiguren geeignet. Und dass sich ein Prinz zum Sklaven einer mysteriösen Schönheit machte, das hatte doch was.

Tierische Freunde


Zum Inhalt: Aschenbrödel lebt auf dem Gut ihres verstorbenen Vaters. Dort regiert die Stiefmutter, die Aschenbrödel hasst und ihr nach Kräften das Leben schwer macht. Als der König einen Ball für seinen Sohn veranstaltet, setzt die Stiefmutter alles daran, ihre leibliche Tochter an den Hof zu verheiraten. Auch Aschenbrödel möchte zum Ball. Eine harte Nuss, die es zu knacken gilt.

Aber das Mädchen hat tierische Freunde, die ihm aus der Patsche helfen. Der Prinz verliebt sich in sie. Aschenbrödel flieht und verliert ihren Schuh. Das Stück überrascht mit einer emanzipierten jungen Frau, die mit Pfeil und Bogen schießen kann und klug ist. Die Musik schrieb Thomas Zaufke, die Gesangstexte Edith Jeske. Und davon machten die Darsteller gerne Gebrauch.

Es wurde viel gesungen und gealbert in diesem turbulenten Musical. Grimm-Kenner, die den Film nicht gesehen haben, erlebten die Geschichte neu, weil sich die Wege von Prinz und Aschenbrödel - nicht ganz so herzlich wie im Märchen - bereits bei einer königlichen Jagdgesellschaft im Walde kreuzten. Das Aufeinandertreffen in der königlichen Nobelherberge, das beide schließlich unter die Haube brachte, war nur die Fortsetzung dessen. Aber wie heißt es doch so schön im Abspann? Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
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