Theater gegen und für den Rausch

Die Akademie für darstellende Kunst Bayern (ADK) hatte bereits beim 1. Jugendtheater-Festival mit ihrem Auftritt Aufmerksamkeit erregt. Mit dem Stück "The Killer in me is the Killer in you, my Love" sind die Regensburger Schauspielstudenten am Freitag im Jugendzentrum zu sehen. Bild: ADK Bayern

Es gibt ihn, den guten Rausch. Ohne Drogen und ohne Abhängigkeiten. Dies wollen die Macher des Weidener Jugendtheater-Festivals vom 12. bis 14. Februar den Besuchern im Jugendzentrum (JUZ) mit auf den Weg geben. Doch dies ist beileibe nicht die einzige Botschaft.

Im Gegensatz zur ersten Auflage des Projekts des Landestheaters Oberpfalz (LTO), des Stadtjugendrings und vieler Unterstützer vor zwei Jahren steht das 2. Jugendtheater unter einem Motto - "Let's (Not) Get High". LTO-Pressesprecherin und Organisatorin Marlene Wagner-Müller erläutert den alternativen Ansatz, Theater mit und für Jugendliche zu machen.

Wie kam es zur völligen Neuausrichtung des Theaterfestivals?

Marlene Wagner-Müller: Beim ersten Event ging es neben den Workshops darum, an drei Theaterabenden Inszenierungen von Laien, Studenten der Akademie für darstellende Kunst und Profis gegenüberzustellen. Dieses Mal ist das Programm während der Gestaltung mehr und mehr gewachsen und entwickelt sich immer noch weiter.

Theater, Workshops, Tanz, Improtheater, Konzerte und Gespräche mit Drogen-Experten - wie passt dies in einem Festival zusammen?

Wagner-Müller: Unser künstlerischer Leiter Till Rickelt hatte die Idee, das Festival mit der Initiative "Need No Speed" zu verbinden. Gerade in unserer Region, die in Crystal Meth versinkt, ist es wichtig, aufzurütteln. Nicht nur, aber auch die Jugend.

Theaterspielen verbunden mit einem erzieherischen Auftrag?

Wagner-Müller: Theater hat immer auch eine pädagogische Wirkung. Dies spielt auch im LTO, das zur Gänze von eigenen Talenten lebt, eine ganz wichtige Rolle. Jugendliche sind unsere Zukunft - nicht nur für das Theater.

Was sollten die jungen Teilnehmer der Workshops und (Experten-) Gesprächsrunden idealerweise von den Festival-Tagen mitnehmen?

Wagner-Müller: Wie sie sich auf künstlerische Weise mit dem Thema Sucht auseinandersetzen können. In vielen Kulturen tanzen sich die Menschen in Trance. Es geht um ein Hochgefühl ohne Drogen. Das Projekt "Tanz den Rausch" mit der Tanzpädagogin Johanne Timm aus Waldmünchen und Nani Heisig aus Weiden zeigt, dass die Bewegung eine gute Möglichkeit zur Bewältigung von Selbstzweifeln ist. Denn Jugendliche haben oft eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers ...

... und sind in diesem teilweise labilen Zustand anfälliger für Drogen und Abhängigkeiten?

Wagner-Müller: Genau und auch für falsche Idole und Idealvorstellungen.

Um polarisierende Idole wie Janis Joplin, Jimi Hendrix und Amy Winehouse, die alle im gleichen Alter starben, geht es im "Club 27".

Wagner-Müller: Zwei junge Schauspieler vom Landestheater, Verena Forster und Tobias Schäffler, haben mit mir eine szenische Lesung erarbeitet. Mich hat verblüfft, wie tief die beiden in die Materie eingetaucht sind. Es geht dabei nicht um den Mythos, um Crack oder andere Drogen, sondern wie es zu den Tragödien kam. Wie die Stars die rosarote Brille aufgesetzt haben und am Ende doch die Realität akzeptieren mussten.

Was wird noch geboten?

Wagner-Müller: Es gibt eine Podiumsdiskussion, Konzerte der "Ape Socks" und von "Stolen Josie", Impro-Theater mit Doris Hofmann und ein fesselndes Theaterstück unter der Regie der talentierten Regensburger Theaterpädagogik-Studentin Julia Kren. Eine tolle Mischung.

Hat das Festival nach dem Debüt 2013 und keinem Event im darauffolgenden Jahr eine Chance, sich zu etablieren?

Wagner-Müller: Obwohl es erst einmal stattfand, ist das Festival bereits nachhaltig und hat einen kleinen Stellenwert. Wir wurden darauf angesprochen, auch im letzten Jahr, als keines stattfand. Es ist wichtig, allen Altersgruppen eine feste Instanz zu bieten, Theater erleben zu können.

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Das Festival-Programm und weitere Infos:

http://www.landestheater-oberpfalz.de
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