Tiefe Klänge mit großer Wirkung

Im Alten Rathaus in Weiden zeigen die Musiker beim Abschlusskonzert des 13. Internationalen Meisterkurses Kontrabass, was sie gelernt haben. Bild: Tietz

Die Celloliteratur kennt man als Musikfreund. Dass es für Kontrabass ebenfalls hochinteressante und schöne Literatur gibt, ist längst nicht so bekannt. Umso wichtiger muss die Arbeit des 13. Internationalen Meisterkurses und die Vorstellung einiger viel zu wenig bekannter Werke eingeschätzt werden.

Bis in die letzten hinteren Reihen sind die Plätze vergeben, als die Teilnehmer am 13. Internationalen Meisterkurs Kontrabass in Pleystein im Saal des Alten Rathauses in Weiden ihr Abschlusskonzert eröffnen. In diesem renommierten Kurs vermitteln die Professoren Veit-Peter Schüssler und Hyun Joo Oh von der Musikhochschule Köln den Teilnehmern neue Spieltechniken und erweitern das Kontrabassrepertoire.

Krasen Zagorski eröffnet feinfühlig mit zwei Sätzen aus der 2. Gambensonate D-Dur BWV 1028 von Johann Sebastian Bach, Sung Jin Park setzt mit dem schnellen Anfangssatz aus der Arpeggione-Sonate A-Moll D821 von Franz Schubert fort. Bei beiden beeindruckt das technische Können. Diese und alle anderen Vortragsstücke begleitet Viorica Radoi einfühlsam und stets aufmerksam auf dem Klavier.

Mit Inbrunst vorgetragen

Der Filmkomponist Nino Rota schrieb das Divertimento Concertante, dessen Aria und Finale nun Sara Park mit Inbrunst und Verve vorträgt. Wenn man es nicht gesehen hätte, würde man nicht glauben, dass man auf dem Kontrabass so rasante Tonfolgen durch alle Lagen gestalten kann.

Lars Radloff, der als nächster das Konzert op 26 von Stefan Boleslaw Poradowski spielt, zeigt das gleiche Niveau des Könnens in den rasanten Läufen und gefühlvollen Melodien, deren saubere Gestaltung das Instrument von ihm fordert. Nach der Pause zunächst der 1. Satz des Konzerts D-Dur von Johann Baptist Vanhal, der von Youngjin Yoon markig vorgetragen wird. Jakub Zon setzt mit dem 1. Satz des Konzerts H-Moll von Giovanni Bottesini in italienischer Leichtigkeit der Melodiegestaltung das Programm fort.

An die Grenze

Ebenfalls von Bottesini ist die berühmte Fantasie über "Lucia di Lammermoor", deren Melodien von Hyo Sun Kim intensiv dargeboten werden. Eine hochvirtuose Leistung. Die Sonate 1963 für Kontrabass und Klavier von Frank Proto spielt Patricio Banda Caviedas. Manchmal gehen die Melodien an die Grenze der Tonalität, bleiben aber in sinnvollen Sequenzen, ob gestrichen oder gezupft, ob Normalton oder Flageolett.

Bemerkenswert der hochvirtuose und dennoch locker gemeisterte Klavierpart. Und noch einmal Bottesini. Die "Passione Amorosa" für zwei Kontrabässe und Klavier spielen Hyo Sun Kim und Ji-Jeong Kim in fein abgestimmtem schwesterlichen Duo der Bässe und erfüllen mit ihrem glanzvollen Zusammenspiel die Aussage des Titels. Ein gelungener Abend, der stets die Intensität und Wichtigkeit des Kurses an hervorragenden Beispielen nachweist.
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