"Trio Elf" in Weiden: Wohlschmeckende Groove-Feinkost in einer ehemaligen Metzgerei
Urbaner Jazz-Aufschnitt

Rotlicht-Alarm in Weiden: das "Trio Elf" in der "Sünde". Gerwin Eisenhauer, Peter Cudek und Walter Lang (von links) sorgten für einen sensationellen Jazz-Abend. Bild: Werner
Augen zu und abtauchen in einen hippen Jazzclub in New York City. Wie das funktioniert, demonstrieren die Jungs vom "Sündikat" am Donnerstagabend in Weiden. Oberpfälzer Provinz? Wie bitte? Wo ist das? Die Veranstaltungs-Kombo hat in einer ehemaligen Metzgerei mitten in der Stadt einen sensationell urbanen Schuppen errichtet, "Die Sünde" heißt der Laden und die Jazzer von "Trio Elf" sorgen für eine furiose Premiere. Ein Wahnsinns-Abend, der Musiker und Publikum gleichermaßen zu kollektiven Begeisterungsstürmen hinreißt.

Bloß kein Einheitsbrei

Wo einst 300 Gramm Aufschnitt über den Tresen wanderten, werden jetzt musikalische Delikatessen angeboten. Für Feinschmecker! Denn das "Trio Elf" um den begnadeten Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer gehört zu den Jazz-Spitzenköchen in den Szene. Alles, bloß keinen Einheitsbrei bekommen die Zuhörer in der bestens gefüllten "Sünde" um die Ohren. Zwei Stunden Akustikjazz mit Drum-'n'-Bass-Beats, das geht in die Beine und ins Herz. Vier CDs und eine Vinyl-Scheibe hat "Trio Elf" bisher in den rund zehn Jahren ihrer Geschichte auf den Markt gebracht, im Frühjahr 2016 folgt das nächste Werk. Die Musiker genießen international höchstes Ansehen. Sie sind die einzige deutsche Band der letzten Jahre, der das amerikanische Downbeat, das renommierteste Jazzmagazin der Welt, eine ganze Seite widmete. USA, Mexiko und Brasilien waren in diesem Jahr bereits Tour-Station, jetzt also Weiden. "Und wir sind die einzige Jazzband der Welt, für die extra ein Club aufgebaut wurde", jubelt "Geff" Eisenhauer, der aus Weiden stammt und in Regensburg lebt.

Auch seine kongenialen Compagnons sorgen für heißen und fetten Sound in der Ex-Metzgerei. Walter Lang gehört zu den herausragendsten Jazz-Pianisten Europas. Peter Cudek am Kontrabass ist einer der begehrtesten Virtuosen im süddeutschen Raum. Aus seiner Feder stammt auch eines der bewegendsten Stücke des Abends: "Emptyness." Er möchte damit ein Gefühl wiedergeben, das ihn an Tokio erinnert. Eine innere Stille. Cudek entführt das Publikum spielerisch in diese Welt. "Trio Elf", das ist anspruchsvoll, ohne abgehoben zu sein.

Entfesselte Begeisterung

Auch zwei Coverversionen hat die Kombo im Gepäck: Das unfassbar groovige "Down" von "Blink 182" und als Zugabe "Mensch-Maschine" von "Kraftwerk". Jubelstürme, entfesselte Begeisterung. Auch bei "Geff" Eisenhauer: "So eine Location haben wir auch in Regensburg nicht." Und das ist keine Schleimerei, das ist die nackte Wahrheit.
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