"Tygapuss" fährt die Krallen aus
"Wie ein wilder Mädelsabend"

Wild, weiblich, wunderbar: "Tygapuss" alias Anna Gette lässt schon mit ihrer ersten Single aufhorchen - auch in Übersee. Bild: hfz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
13.05.2016
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"Tygapuss" beim Videodreh. Bild: hfz

Nach eigener Aussage macht sie "Music for Women". Aber Männern gefällt's auch: Neckischer Garagenpunk, der schon mal bei Radiostationen in den USA rauf- und runterläuft. "Tygapuss" fährt die Krallen aus. Mit bürgerlichem Namen heißt sie Anna Gette - und stammt aus Weiden.

Wobei: Das ist allenfalls die halbe Wahrheit. Geboren ist Anna in Kasachstan, mit ihrer Mutter wanderte sie als kleines Mädchen in die Max-Reger-Stadt aus. Mama Lilia betreibt hier erfolgreich ein Musikstudio, die Tochter zog nach dem Abitur am Elly-Heuss-Gymnasium weiter. Mittlerweile lebt Anna Gette im hohen Norden. Die alten Freunde in Weiden bewundern die Sängerin neuerdings auf Videokanälen wie "Youtube": im Clip zu "He's savage like an animal", der ersten Single von "Tygapuss" (erhältlich auch via Amazon und Itunes). Ein frecher Ohrwurm, der Radiohörer rund um den Globus aufhorchen lässt, in Nashville ebenso wie in Vermont, Sheffield oder Hamburg. Momentan strickt "Tygapuss" an ihrem ersten Album, Neuigkeiten dazu gibt's tagesaktuell auf ihrer Facebook-Seite. Vor dem großen Durchbruch noch ein paar Fragen an Anna Gette.

Ist "Tygapuss" der Band-Name - oder sind Sie das?

Anna Gette: Beides, sowohl Solokünstlerin als auch Band. Jo Heger spielt Bass, Hannes Weißbach ist an der Gitarre und Youbi Deinas, der auch die Songs mitschreibt und produziert, ist der Drummer. Alle drei kenne ich schon seit Jahren aus der Hamburger Musikszene.

Als "Maria De La Rocka" haben Sie 2011 ein Reggae-Album veröffentlicht. Sind Sie jetzt komplett zum Garagen-Punk gewechselt? Warum dieser krasse Stilwechsel?

Alle Bands und Projekte, die ich vorher verfolgt hatte, waren musikalische Entwicklungsschritte, die ich gehen musste, um "Tygapuss" zu werden. Ich habe viele Musikrichtungen ausprobiert, unter anderen Reggae und R 'n' B, aber erst seit 2015 ist das sichere Gefühl in mir, dass ich meinen eigenen Sound gefunden habe.



Gibt es da Vorbilder? Die Ramones? Die Sex Pistols? Haben Sie als Sängerin Idole?

Ich mag viele Musikrichtungen, solange es gute Songs sind. Blondie sind Vorbilder, weil sie es schaffen, große Songs roh klingen zu lassen. Und ich bin ein Fan von Debbie Harry. Es gibt viele Sängerinnen und Sänger, die ich gut finde, aber am meisten verehre ich Janis Joplin. Sie war und bleibt die emotional gewaltigste Sängerin.

Wann kommt das "Tygapuss"-Album?

Voraussichtlich dieses Jahr. Ich bin noch in der Schreibphase, und bevor wir ins Studio gehen, werden wir im Sommer noch ein paar Konzerte spielen und die Songs live testen. Es wird schnell und wild.

Hat es Sie überrascht, dass "He's savage like an Animal" so eingeschlagen hat?

Ich habe es mir natürlich gewünscht, dass der Song gut aufgenommen wird, aber ich hatte die Begeisterung aus England und den USA nicht erwartet. Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als mir ein Radiomoderator aus den USA geschrieben hat, dass seine Hörer sich ständig "He's Savage Like An Animal" wünschen. Ein DJ aus Schottland hat den Song aufgelegt und mir geschrieben, dass die Leute auf der Tanzfläche ausgeflippt sind.

Warum hat es Sie in den hohen Norden verschlagen?

Als ich noch am "Elly" war, habe ich meinen Cousin in Hamburg besucht und mich sofort in die Stadt verliebt. Es war klar, dass ich dahin ziehen würde, und es war eine tolle Zeit. Aber ich mag es umzuziehen. Nach zwei Stationen in der Lüneburger Heide lebe ich zurzeit in der Nähe von Bremen. Neben meiner Musik hatte ich immer Jobs. Mein Ziel ist es, von meiner Musik zu leben. Bis es so weit ist, arbeite ich als Gärtnerin, ein Job, der meine geistige Arbeit als Songwriterin perfekt ausgleicht.

Kommen Sie noch ab und zu nach Weiden zurück? Geben Sie hier mal ein Konzert mit "Tygapuss"?

Ich bin selten in Weiden, ich sollte öfter mal vorbeikommen. Als ich das letzte Mal da war, war ich begeistert davon, dass da so viel los ist. Ich will auf jeden Fall auch in Weiden live spielen.

Hat Ihnen Ihre Mutter die Musikalität in die Wiege gelegt?

Dadurch, dass oft Klavierschüler bei uns waren, bin ich mit Musik aufgewachsen. Als meine Schwester und ich dann größer wurden, haben wir den Klavierunterricht von nebenan mit MTV übertönt. Ich hatte nie großes Interesse an Instrumenten, habe ein paar angefangen und wieder aufgegeben. Aber Singen war von Anfang an eine Leidenschaft. Ich musste mich nie zum Üben zwingen und habe fast jeden Tag stundenlang gesungen, um besser zu werden.

"Tyga" heißt natürlich "Tiger", klingt aber so ähnlich wie Taiga, was mit Ihrer Herkunft zu tun haben könnte ...

Das ist ein Zufall, der mir sofort nach der Namensfindung aufgefallen ist. "Tyga" hat also nur entfernt mit der Taiga zu tun. "Tygapuss" kommt von Tiger und Pussycat und ist die perfekte Beschreibung meiner Musik: Hard Rock with a soft tone.

Warum eigentlich "Music for Women"? Ich höre den Song doch auch gerne.

Meine größten Vorbilder sind selbstbewusste und unabhängige Frauen, die mit Volldampf das Leben feiern. Und weil ich so ein Fan bin, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, für diese Frauen Songs zu schreiben, zu denen sie abgehen können. Deshalb klingt meine Musik wie ein wilder Mädelsabend. Ich schließe Männer nicht aus, aber ich richte meine Texte an Frauen, und ich glaube nicht, dass sie Männer ansprechen würden. Deshalb "Tygapuss - Music for Woman".
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