"Unsere Musik ist kein Jazz"

Bei seiner aktuellen Europatournee gastiert das "Afropean Project" mit Vitek Kristan (von links), Janosch Pangritz-Kilian und Gert Kilian auch in Weiden. Weltmusik auf Klavier, Schlagzeug und Balafon ist angesagt. Bild: hfz

Der Ausnahme-Schlagwerker Gert Kilian, einst mit den Weltmusik-Formationen "Orexis", "Drumpact" und "Looping" unterwegs, ist mit seinem "Afropean Project" auf Tournee in Deutschland. Am 6. November kommt er nach Weiden - im Gepäck seinen Sohn und gute Musik.

Seit 35 Jahren zählt Gert Kilian zu den beständigsten Gästen beim Jazz-Zirkel-Weiden. Sein erster Auftritt in der Max-Reger-Stadt war 1980 mit der Gruppe "Orexis". Es folgten ein Soloprojekt unter dem Motto "Schwarzafrika - Wiege der Rhythmik", später die Gruppen "Drumpact" und "Looping". Der Autor der Unterrichtswerke "Balafon Beat" und "The Balafon with Gert Kilian & Aly Keita" beschreibt in einem Interview seine musikalische Welt.

Was ist das Besondere am aktuellen "Afropean Project"?

Gert Kilian: Das ist die erste Gruppe, in der mein Sohn mitwirkt. Der Pianist Vitek Kristan spielt mit der linken Hand geniale Basslinien, so dass ich am Balaphon sehr viel freier spielen kann. Für mich ist das ein musikalisches Schaumbad. Janusch und Vitek haben in den unterschiedlichsten Formationen gespielt und verstehen sich blind.

Was erwartet uns in Weiden, wie wird das Programm erarbeitet?

Kilian: Es handelt sich um eigene Kompositionen mit Thema, Breaks, Arrangement und dazwischen Solo-Stellen, also lebendige Musik, die aber nicht nur frei improvisiert wird.

Können Sie sich mit den Begriffen "Jazz" oder "Weltmusik" identifizieren, oder wie würden Sie ihre Musik titulieren?

Kilian: Unsere Musik ist kein "Jazz". Eher Ethno-Groove, oder "Weltmusik" wie sie seit den 70er Jahren gerne bezeichnet wird. Es ist eine Weiterentwicklung der Musiksprache, unter anderem durch Einbeziehung "exotischer" Instrumente. So wie George Harrison die Sitar für seine Musik entdeckte, so habe ich das Balafon mit unseren Musikstilen und Traditionen verwoben. Es gibt hier natürlich auch Elemente aus Jazz und Rock, Latin und Klassik.

In Ihrer Musik stehen Kreativität und Spontaneität im Mittelpunkt. Bei den meisten Ihrer Konzerte wird das Publikum mit einbezogen. Auch diesmal?

Kilian: Auf jeden Fall. Das gehört zu meiner Philosophie. Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn die Zuhörer auch ihre Stimme und Hände benutzen. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis und zeigt, dass Musikmachen kein so großes Mysterium ist.

Wie sind Sie zur Musik gekommen. Wie waren die Anfänge?

Kilian: In unserer Generation waren alle Autodidakten. Wir hörten die Beatles, die Stones und die Kinks und trommelten alles nach. In Stuttgart habe ich an der Musikschule erstmals Perkussionsklassen eingerichtet. So etwas gab es vorher nicht. Das afrikanische Balafon und der Steelpan aus der Karibik sind zwar "exotische" Instrumente, ich spiele sie aber nicht traditionell. Manchmal benutze ich zwar afrikanische Motive, aber schon immer konstruiere ich meine eigenen Stücke.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Prager Pianisten Vitek Kristan?

Kilian: Mein Sohn hat in Dänemark an der "Academy of Music and Dramatic Art" studiert. Dort hat er Vitek Kristan kennengelernt. Eines Tages besuchte mich Janusch und brachte Vitek Kristan mit. Wir machten zusammen eine Session, und alles passte. Dann gründeten wir die Band und spielen jetzt seit über zwei Jahren zusammen. Wir tourten durch Spanien, Frankreich und natürlich Deutschland und Tschechien.

Wie sieht es mit dem musikalischen Nachwuchs aus? Bei Konzerten sind junge Leute leider kaum anzutreffen.

Kilian: Diese Generation hat am Computer zu jedem Zeitpunkt alle nur erdenkliche Musik zur Verfügung. Die Jungen gehen schon zu Live-Konzerten, aber dann müssen es die großen Stars sein. Aber es gibt auch immer mehr junge Leute, die selbst ein Instrument erlernen.

Die Musikschulen quellen über vor Nachfragen, und das Niveau ist ausgesprochen hoch. Ich gehe oft vor unseren Konzerten an die Schulen und bereite die Schüler in Animationen auf die Musik vor und mache sie neugierig. Diese pädagogische Arbeit ist wichtig und sollte auch vor anderen Konzerten stattfinden.

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Das Konzert mit Gert Kilians "Afropean Project" findet am Freitag, 6. November, um 20 Uhr im Bistrot Paris, Sebastianstraße 2 in Weiden statt. Karten: Vorverkauf im Bistrot Paris und Abendkasse. Kontakt: www.jazz-zirkel-weiden.de.
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