Vergnügliche Bühnenadaption des Kino-Hits "Ziemlich beste Freunde"
Tour de Force durchs soziale Gefälle

Driss (Felix Frenken, Mitte) mischt das Leben von Philippe (Timothy Peach, rechts) und seinen servilen Bediensteten mit einem gerüttelten Maß an unkonventioneller Energie auf. Bild: otj

Zwei, die eigentlich nicht zueinander passen, die sich aneinander reiben - bis Herzenswärme entsteht. Die ungleichen Freunde sind seit Cervantes ein beliebtes Setup in Literatur und Film. "Ziemlich beste Freunde" zeigt eines der erfolgreichsten Paare. Dass der Stoff auch für die Bühne geeignet ist, zeigt die Premiere der Kulturbühnen-Saison.

Sie könnten ungleicher nicht sein: Philippe, äußerst wohlhabend, nach einem Paragliding-Unfall bis zum Hals gelähmt. Und Driss, ein Kleinkrimineller aus der Banlieue von Paris. Der eine weiß, der andere schwarz. Eine Konstellation, die viel Raum lässt für pointenreiche und energiegeladene Dialoge.

Es ist alles andere als Liebe auf den ersten Blick. Driss wird vom Arbeitsamt zu einem Vorstellungstermin geschickt. Der Job: Die Pflege des gelähmten Philippe. Eigentlich möchte sich der Tagedieb nur die Unterschrift holen, um weiter Geld vom Arbeitsamt zu bekommen. Irgendetwas interessiert aber den Wohlhabenden - endlich einer der nicht vor geheucheltem Mitleid zerfließt. Er lädt ihn zum Probearbeiten ein. Driss nimmt widerwillig an. Und besteht die Probezeit.

Opportunistische Ja-Sager


Was folgt ist eine inspirierte "Tour de Force" durch das soziale Gefälle des modernen Frankreichs - die sympathischer Weise zu einer Annäherung wird. Die raue Art von Driss imponiert Philippe, der nur von opportunistischen Ja-Sagern umgeben ist. Gleichzeitig entdeckt der junge Mann, dass in dem anfangs barschen und arroganten Millionär ein unglücklicher Mensch steckt. Eine Schlüsselszene ist ein gemeinsamer Joint. Philippe kommt in den vollen Genuss der Nebenwirkungen von Cannabis: Lust auf Schokolade, Durst und: "Man kommt ins quatschen". Der beherrschte Philippe erzählt von seiner verstorbenen Frau, seinem Unglück und dem versuchten Suizid, der in der Behinderung endet. Und von seiner erogenen Zone, den Ohren. "Manchmal, wenn ich morgens aufwache, sind sie ein bisschen steif."



Zwischen den beiden Männern, die entfernter voneinander nicht sein könnten, entwickelt sich eine Freundschaft, in der Philippe von Driss lernt, wie schön das Leben sein kann, auch wenn man nicht auf Rosen gebettet ist. Der Arme zeigt dem Wohlhabenden, wie reich das Leben sein kann. Und auch für Driss eröffnen sich neue Perspektiven. Zwar gibt es den sozialen Graben zwischen ihnen nach wie vor, aber sie lernen sich dennoch zu respektieren.

"Ziemlich beste Freunde" ist ein gagreicher aber tiefsinniger Blick auf den Culture Clash. Gleichzeitig erzählt die Story eine intime Geschichte von Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Davon, dass Geld nicht alles kaufen kann und wie wichtig es ist, sein Leben zu genießen, egal wie die Lebensumstände sind.

"Ziemlich beste Freunde" war ein internationaler Überraschungserfolg in den Kinos aus der Feder von Éric Toledano und Olivier Nakache. Getragen von zwei brillant aufgelegten Schauspielern, die sich rasante Dialog-Duelle liefern. Mit einem Mega-Erfolg: Rund neun Millionen Zuschauer in Deutschland, in Frankreich sogar 19,2 Millionen.

Sehenswertes Erlebnis


Kein leichtes Erbe, das Timothy Peach (Philippe) und Felix Frenken (Driss) da antreten. Und tatsächlich erreichen beide auch nicht die gleiche Intensität wie François Cluzet und Omar Sy. Der Vergleich von Film und in den Mitteln eingeschränkten Theaterversion ist auch nicht fair. Und deshalb muss man wirklich betonen, dass die Bühnenadaption von Schauspieler und Regisseur Gunnar Dreßler ein absolut sehenswertes und vergnügliches Erlebnis ist.
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