Vom Wert des Glaubens

Was der christliche Glaube den Menschen heute noch sagen kann? Eine Menge - davon zeigte sich Bischof Walter Mixa bei seinem Vortrag im Rothenstädter Pfarrheim überzeugt. Bild: sbü

Alltäglich ist das nicht: Ein Bischof referiert bei der KEB Rothenstadt. Ob es sich heute noch lohne, Christ zu sein, so lautete die Fragestellung für Walter Mixa. Doch der ehemalige Bischof von Augsburg zählte keinen Argumentationskatalog auf, sondern überließ dem Zuhörer die Schlussfolgerungen.

(sbü) "Entscheidend ist: Wir glauben an die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Juden und auch Muslime lehnen dies ab": Mit diesem Satz beschrieb Bischof Walter Mixa den Kern des christlichen Glaubens. Das Thema seines Referates im Rothenstädter Pfarrheim hieß: "Lohnt es sich heute noch Christ zu sein?" Direkte Antworten gab der Bischof dazu allerdings nicht. Vielmehr erzählte er viel aus der Geschichte des Judentums und des Christentums und zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf.

Auch Jesus war Flüchtling

Mit der Beschreibung der Kernbotschaften des christlichen Glaubens wollte der Bischof auch sein deutliches Ja auf die Ausgangsfrage ausdrücken. Jesus Christus, seine Person, seine Aussagen und sein Verhalten standen dabei im Mittelpunkt. "Da kam nicht einer, der wie ein Macho auftrat, sondern einer, der mit uns gleich ist", sagte der Bischof. Jesus habe selbst erlebt, was viele auch in der heutigen Zeit belaste. Zum Beispiel sei Jesus Flüchtling gewesen, sei ausgegrenzt worden und habe tiefste innere Ängste erlebt.

Mixa nahm auch Bezug auf die biblischen Geschehnisse bei der Hochzeit von Kanaan, der geplanten Steinigung der Ehebrecherin und beim Zöllner von Jericho. Er leitete daraus Kernbotschaften des Christentums ab, die auch heute noch Gültigkeit hätten. So sagte der Bischof: "Jesus half verunsicherten Menschen, gab ihnen innere Freiheit zurück und die Kraft, aus der Sünde etwas Positives zu machen." Der Menschensohn sei nicht gekommen, um zu richten, sondern um aufzurichten. Und er habe die Kranken ernstgenommen und kranke Seelen wieder geheilt. Sogar am Kreuz habe er noch gebetet: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Stärker als das Böse

Allerdings sei Jesus nicht einmal von seinen Aposteln verstanden worden. Mit dem Satz "Liebe ist stärker als alles Böse" fasste der Bischof diese Aussagen zusammen. Das Kreuz sei Zeichen dieser Liebe, "deshalb soll es nicht aus den Sälen entfernt werden". Weitere Schlussfolgerungen aus den Kernbotschaften des Evangeliums für die heutige Zeit folgten. Die Zehn Gebote sollten als Lebensordnung in den Schulen wieder stärker behandelt werden. "Keiner hat ein Verfügungsrecht über den anderen, und jeder steht dem anderen gleichwertig gegenüber." Unter Christen dürfe es keine Art von Mobbing geben.

Man solle auch nicht über andere so schreiben, dass diese heruntergesetzt werden. Mit dieser Bemerkung löste der Bischof eine Zuhörerfrage nach seiner eigenen Person aus - Mixa war 2010 nach Prügel- und Veruntreuungsvorwürfen von seinem Augsburger Bischofsamt zurückgetreten. Auch wegen öffentlichen Drucks in den Medien. Wie er heute darüber empfinde, wollte ein Zuhörer wissen. "Ich muss noch immer an mir arbeiten, denn es tut noch immer sehr, sehr weh, was man mit mir gemacht hat", lautete die Antwort. "Ich habe dem Papst dies mit aller Deutlichkeit gesagt", ergänzte der Bischof. Er trägt derzeit den Titel "Päpstlicher Rat im Dikasterium für die Pastoral im Krankendienst".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.