Was Lehrer so lesen

Das literarische Quintett der Wirtschaftsschule (von links): Regina Janner, Andrea Raimund, Arlan Birner, Franz Josef Gretsch und Jakob Reitz. Bild: uz

Frau Lehrerin erforscht "Das Pubertier". Die Kollegen unternehmen derweil lieber "Eine verbotene Reise" nach China oder versinken in "Shakespeares ruheloser Welt". Pädagogisch wertvoll sind so einige Bücher, die sie beim "Weinleseabend" vorstellen.

Für die Zuhörer ist der "Weinleseabend" in der Wirtschaftsschule längst zur Institution geworden. Einfach zurücklehnen und den Lehrkräften bei Salzbrezeln und einem Glas Wein lauschen, welche Bücher sie zurzeit auf dem Nachttisch stehen haben. Arlan Birner hat Helmut Schmidts Erinnerungen "Mein letzter Besuch" gelesen. "Ich habe alle Bücher von Helmut Schmidt im Laufe der beiden letzten Weinleseabende vorgestellt. Und ich glaube, dass das jetzt sein letztes sein wird." Hochinteressant, weil Schmidt damals schon die Weltmacht-Ansprüche Chinas prophezeit hatte. Schmidts Botschaft: Der Westen könne von der 4000jährigen Geschichte des Reichs der Mitte lernen.

Außerdem präsentierte Birner Peter Wensierskis "Eine verbotene Reise" , die von der Reise zweier DDR-Bürger nach China erzählt. Aus der Feder von Javier Marias stammt "Die sterblich Verliebten" und von John Krakauer "In eisigen Höhen" . Von Margot Kässmann las Birner aus "Nicht einfach nur Ja und Amen" . Der Theologin gehe es vor allem darum, dem Leser klar zu machen, dass Wegschauen der falsche Weg sei. Gefragt sei das klare Wort. Eigentlich. Denn in Wahrheit treibe die Gesellschaft darauf hinaus, zu schweigen und zu vertuschen. Desweiteren lud er die Zuhörer ein, sich durch Stefanie Schröder auf den Künstler "Niki de Saint Phalle" einzulassen.

Jakob Reitz stellte zwei Bücher vor. Von Neil MacGregor "Shakespeares ruhelose Welt" . MacGregor verknüpfe in seinem Buch das literarische Werk Shakespeares mit den Ereignissen seiner Epoche. Dabei greife der Autor auch auf museale Gegenstände zurück. Wie zum Beispiel die Haube eines Müllerjungen, so wie sie auch bei Shakespeare vorkomme. Begeistert zeigte sich Reitz auch vom "Selbstporträt" Helenes und Wolfgangs Betracchi. Hier werde das Leben des größten Kunstfälschers aller Zeiten beleuchtet, der 2012 aufgeflogen sei.

"Quasi Weltmeister"

Franz Josef Gretsch nahm die Lesung sportlich und hatte Horst Evers "Vom Mentalen her quasi Weltmeister" ausgewählt. Evers behandle in seinem Buch auf Berliner und skurrile Art Länder, die an der WM in Brasilien teilgenommen hatten, aber auch solche, die nicht dabei waren. Regina Janner verschaffte mit "Eisenvögel" von Yangzom Brauen Einblicke in die Geschichte Tibets. Dabei ging es um drei Frauen, die tief mit Tibet verwurzelt sind, die es aber in die Welt zieht: nach Indien, Schweiz und New York. "Eisenvögel" sei auch ein Buch über den Buddhismus, sagte sie.

Andrea Raimund hatte drei ihrer Lieblingsbücher mitgebracht. Jan Weilers "Das Pubertier" . "Weil ich mich in jedem Satz bei meinen pubertierenden Kindern und Schülern wiedergefunden habe." In Bastian Bielendorfers "Mutter ruft an" habe sich das Problem verändert. "Wir sind 30 Jahre weiter und die Mutter geht ihren Kindern mit unvernünftigen Dingen auf den Geist." Von Carsten Stormer stellte sie "Das Leben ist ein wildes Tier" vor. "Ich bin eigentlich kein Freund von Kriegsberichterstattern. Aber so wie der schreibt, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen."
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