Weiden: Auf seiner Unplugged-Tour begeistert Rainhard Fendrich seine Fans mit seiner Bühnenpräsenz
"My Generation hat sich an Applaus verdient"

Immer noch der selbe Wiener Schmäh: Fendrichs Bühnenpräsenz konnten auch die ergrauten Haare nichts anhaben. Bild: Otto
Grau ist er geworden, der Rainhard Fendrich. Aber das ist egal - der Bühnenpräsenz und dem Charisma des Wiener Charmeurs hat das nicht im Geringsten geschadet. Mit neueren Songs und Klassikern ist er derzeit unplugged auf Tour. Mit einer starken Begleitband. In Weiden strömen die Fans am Donnerstag in die Max-Reger-Halle, um die Austria-Legende live zu erleben.

"Wann i' an Mercedes an die Wand fahr', muss i zahl'n. Wann I a Bank gegen die Wand fahr', bekomm i a Abfindung." Grexit, Bankenpleiten, Korruption - Fendrich schwelgt nicht allein in Erinnerungen, sondern widmet sich brandaktuellen Themen. Nicht bierernst, sondern auf seine eigene charmante Weise, mit dem gewissen Fendrich-Schmäh eben. Und mit seinen Songs, wie "Der Club der Milliardäre" oder "Tango Korrupti".

So entsetzlich hetero

Die Abreibung für den grassierenden Schönheitswahn kündigt Fendrich wieder mit einem "Witzerl" an. "Ein Bekannter von mir hat einer Freundin Geld für eine Operation geliehen. Jetzt hätte er es gerne zurück, aber er weiß nicht mehr wie sie ausschaut." Diese Frauen - manchmal so singt er, "war i froh, wär ich nicht so entsetzlich hetero".

Erinnerungen an "Frieda"

Die Beziehung zwischen den Geschlechtern ist nicht erst seit seiner Moderatorenkarriere bei "Herzblatt" eines der am eifrigsten beackerte Themengebiete des 60-jährigen Ladykillers mit Hüftschwung. Selbst für weniger attraktive Männer gebe es Kandidatinnen - auch wenn sie aussehen, wie ein ehemaliger Mitschüler des Vollblutwieners: "So ein Woody- Allen-Typ, nur halb so witzig."

Denn ewig lockt die Kreditkarte. Madame kann sich den Gatten ja immer noch "Schön shoppen". Und was die Jahre aus einer "Göttin der großen Hofpause" machen kann, besingt er kurz vor der Pause in seinen Erinnerungen an "Frieda".

"Vü schöner is des G'fühl" eröffnet die zweite Hälfte, ohne Ansage. Ist auch nicht nötig - kennt man, selbst wenn man kein Fendrich-Ultra ist. Und wo man gerade nostalgisch gestimmt ist, geht es zurück in Fendrichs Jugend, die 70er. Er beschwört lange Haare, Schlaghosen und Plateau-Schuhe, Woodstock und Vietnam wieder herauf und findet: "My Generation hat sich an Applaus verdient".

Klare Kante

Dann wird Fendrich zum ersten Mal an diesem Abend wirklich ernst - und zeigt mit "Brüder" klare Kante. Ausländer seien es gewesen, die wir damals gebraucht hätten, um unser Land wieder aufzubauen. "Und heute läuft Pegida gegen diese Menschen auf die Straße. Klar: wir haben Angst vor Terror. Aber wir dürfen niemals jemanden vorverurteilen".

Anschließend folgt Hit auf Hit: "Strada del Sole", "Es lebe der Sport" oder die inoffizielle Hymne Österreichs "I am from Austria". In der Zugabe endlich "Macho Macho", "Schickeria" und zum Dahinschmelzen "Weust' a Herz host wia a Bergwerk". Das Weidener Publikum dankt es mit Standing Ovations.
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