Weiden hat jetzt einen Franz-Joachim-Behnisch-Saal
Freigeist,Poet und Pädagoge

Die "Fangemeinde" von Franz Joachim Behnisch, zu der er sich auch selber zählt, begrüßte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (links) am Donnerstag im Saal der Regionalbibliothek. Der wurde zu Ehren des beliebten und erfolgreichen Wahl-Weideners, Lehrers und Schriftstellers zum Franz-Joachim-Behnisch-Saal benannt. Bild: Götz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
07.07.2016
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Die Namenstafel, samt kurzer Vita und dem Gedicht "Was kümmert es die Geschichte, wer aus ihr lernt?" von Franz Joachim Benisch enthüllten (von links) Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß gemeinsam. Bild: hcz

Mit einer musikalischen Liebeserklärung begann die Feier zu Ehren von Franz Joachim Behnisch. "Love you just the way you are" - auf deutsch: "Wir lieben dich genauso wie du bist" - intonierten Wolfgang Charanza (Piano) und Marshall Kean (Saxophon).

Und wie er so war, der Pädagoge, Schriftsteller und Dichter, daran erinnerten sich die Redner bei der Feier zur Einweihung des Franz-Joachim-Behnisch-Saals in der "Regi" mit bewegten Worten. Hatten sie ihn doch alle persönlich erlebt, die meisten als ihren Lehrer, einige auch als Kollegen und manch einer ist später selbst Lehrer geworden.

Doch nicht nur unter den Akteuren, auch unter der Fest- und Fangemeinde, die sich am Donnerstag zu Ehren des 1983 verstorbenen Wahl-Weideners eingefunden hatte, waren neben ehemaligen Schülern und Freunden eine Reihe von Schulleitern. Darunter Gerd Moser und Sigrid Bloch, der ehemalige Direktor und die aktuelle Direktorin des Kepler-Gymnasiums, an dem Behnisch von 1952 bis 1979 lehrte und Generationen von Schülern begeisterte.

Einer dieser Schüler war Kurt Seggewiß. "Behnisch hat uns geprägt. Er hat uns zu kritischen Demokraten erzogen", erinnerte sich der heutige Oberbürgermeister an die 70er Jahre am "Kepler". Mit diesem Lehrer habe man auch über diffizile Themen reden können. Er freute sich, dass mit dem Saal der Regionalbibliothek ein würdiger Raum nach dem Germanisten und Historiker benannt werde.

Markenzeichen weißer Kittel


Behnischs Vita, die ihn von seiner Geburtsstadt Berlin über den Reichsarbeitsdienst in Schlesien, die Lehrerfortbildung in Frankfurt/Oder, das Studium in Berlin und München sowie drei Jahre russische Kriegsgefangenschaft schließlich nach Weiden geführt hatte, schilderte Stadtarchivarin Petra Vorsatz. "Der weiße Kittel war sein Markenzeichen" erinnerte sie nach einem Zitat aus seinem Werk "Libussa. Und andere raffinierte Geschichten". Vorsatz weiter: "Er war eine feinfühlige und feinsinnige Persönlichkeit und setzte sich mit allem Nachdruck für die Schüler ein." Sie erinnerte auch an "seine Muse", die Lehrerin Edeltraud Dimpfl.

Als junger Kollege des von den Schülern verehrten Pädagogen hat Veit Wagner Behnisch schätzen gelernt. 1977 gründeten sie gemeinsam den Weidener Filmclub. Gemeinsam erhielten sie eine Absage aus dem Direktorat, als sie ein Theaterstück von Peter Ustinov zeigen wollten, bei dem ein nackter Mann auf der Bühne auftaucht. Wagner, der Behnischs Lyrik besonders schätzt, rezitierte mehrere Gedichte aus dem umfangreichen Werk, das inzwischen an das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg übergeben wurde (der NT berichtete). Der Kulturausschuss des Bezirks hatte erst am Mittwoch 20 000 Euro Fördermittel für die Sichtung und Aufarbeitung des Nachlasses von Behnisch bewilligt, berichtete Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher. "Wir werden in nächster Zeit von Behnisch viel hören."

Als Augustinus-Schüler habe er den bei "Keplerianern" so verehrten Behnisch nur aus der Distanz erlebt. Dennoch fiel die Erinnerung von Wolfgang Herzer an diesen bekannten Weidener nicht weniger persönlich aus. Als Gründer des Kunstvereins hat der Kunsterzieher später das Gedächtnis an Behnisch - den er als "Freigeist" und "Ausnahmelehrer-Persönlichkeit" titulierte - mit einer Ausstellung aufgefrischt.

Permanente Erinnerung


Tochter Cornelia Behnisch hätte die Lobeshymnen sicher gerne gehört. Doch ein Verkehrsstau führte dazu, dass sie erst zum Ende der Feier in Weiden eintraf. Dass ihr Vater hier nicht vergessen ist, ist ihr sicher ohnehin klar. Für permanente Erinnerung sorgt ab sofort der Franz-Joachim-Behnisch-Saal.
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