Weiden: Ingolstädter Kabarrettist Günter Gründwald erzählt wieder seine gnadenlosen Geschichten
Ein erbarmungsloser Schelm

Ein Schelm ist er allemal, ein Meister des Geschichtenerzählens. Bei seinem Auftritt in Weiden - vor über 900 Gästen - riss Günter Grünwald das Publikum gnadenlos mit. Bild: Kunz

Zu den feinfühligsten Geschöpfen hat der Ingolstädter Kabarettist noch nie gehört. In Günter Grünwalds Erlebniswelt gilt Schöngeistiges nix. Da macht er nicht mal vor Gott und den Royals Halt.

Weiden. (uz) Günter Grünwald bevorzugt das etwas kräftiger aufgepumpte weibliche Hinterteil. Wie man sofort merkt, wenn er Williams und Kates Hochzeitsbild kommentiert, das den "boanigen" verlängerten Rücken der Brautschwester zeigt, wie sie sich gerade zur Schärpe bückt. "Was, Pippa hat einen wunderschönen Popo? Ich lach mi tot. Die Jennifer Lopez hat einen wunderschönen Popo!" Auch im neuen Programm "Da sagt der Grünwald Stop!" ist der Ingolstädter kein Mann der schönen Wortgespinste. "Bei der Lopez da hau i am Abend drauf und am nächsten Tag Mittag wackelt er immer no. Ein Arsch, dass es bloß so schnalzt."

Bizarrer Sinn für Humor

Ein Schelm ist er aber allemal und ein Meister des Geschichtenerzählens. Einer, der sein Publikum irritiert, der sensibel Anlauf nimmt und dann erbarmungslos den Fäkalieneimer drüber schüttet. Wer sich auf ihn einlässt, wird gnadenlos mitgerissen. Der unpolitische Grünwald trifft dabei aber immer die Wirklichkeit, auch wenn sie nur erfunden ist.

Sein bizarrer Sinn für Humor ist sprichwörtlich. Beim Bibelstudium fällt ihm zum Beispiel auf, dass die Leute im Alten Testament dauernd irgendwelche Stimmen hören, woraus er schlussfolgert: "Wenn du mit Gott sprichst, bis du religiös. Aber wenn Gott mit dir spricht, hast du einen Dachschaden."

Nichts geschieht bei ihm zufällig. Trotzdem gibt Grünwald dem Publikum - und das sind am Montag über 900 Leute - immer das Gefühl von Spontaneität. Wenn er zum Beispiel entspannt im Zug nach Köln sitzt und der Kleinkrieg im Abteil zu toben beginnt. In solchen Momenten erscheint der Schaffner als Lichtgestalt und Schutzengel. Solange bis er platzt der Traum, der Schaffner den Mund aufmacht und sächselt: "Die Fohkadde bidde!" Grünwald und der Sachse. Da ist der Menschenrechtskatalog noch nicht bis zu ihm vorgedrungen.

Grünwald ist ein Opfer seiner Kindheit. Die Großmutter hat dem pubertierenden Günter einfach kurzerhand die Nackedeis in seinem geliebten "Praline"-Heft mit den Wintermänteln aus dem Otto-Katalog überklebt. Und als er sechs war, voller Angstschweiß aufwachte, weil er unterm Bett ein Monster vermutete, da hat ihn der Vater kuriert. Der hat ihn nachts im Auto zum schaurigsten Ingolstädter Gruselmoor gefahren und dort ausgesetzt. Begründet hat er das so: "Jetzt gehst heim und ich versprech dir, dass du das eine Monster unterm Bett ab sofort nicht mehr fürchten wirst." Ja, so hat man früher Kinder erzogen. Nicht so verweichlicht wie heute.

Fans sind begeistert

Die Fans prusten. Deutschland sei am Verblöden, sagt Grünwald. Wie das TV-Programm. Er ist grob, gelegentlich gemein. Egal, ob er Andrea Berg, als "singende Hafennutte" tituliert oder über die Katzenberger sagt: "Die gehört nichts ins Fernsehen, die gehört ins Puff." Grünwald: "Ich hab immer gesagt, blöder als die Feldbusch gibt's nicht. Aber das gibt's." Zuletzt gibt er den Zuschauern einen guten Rat mit auf den Nachhauseweg, den ihm seine Mutter gegeben hatte, als er noch ein kleiner Junge war: "Bub, hat sie zu mir damals gesagt. Wenn neben dir ein Auto anhält und ein Mann bietet dir Süßigkeiten an. Nimm sie und steig ein."
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