Weidener Autor liest in der Sünde aus „Paradiso“ – Sneak Preview auf neues Buch
Willkommen beim Klupp

Premiere geglückt: Ein starker Autor schafft es auch ganz ohne Band die Bühne der Sünde atmosphärisch auszufüllen.
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
23.11.2016
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(otj) Premiere im Pop-Up-Club: Das "Sündikat" hat sich auf das Terrain Autorenlesung gewagt - und auch das gelingt. Thomas Klupp passt bestens ins Programm, seine Protagonisten zeichnet der Popliterat als smarte Sünder - irgendwie auch Rock'n'Roll.

Dabei hatte der Autor zum einen seinen letzten Roman, zum anderen einen Ausblick auf sein neues Buch, das wohl 2017 erscheinen soll. Mit "Paradiso" hat er vor Jahren Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert. Sein Protagonist, Alex Böhm, Mitte 20, Drehbuchstudent, will von Potsdam eigentlich nach Portugal, landet aber in seiner Heimatstadt Weiden. Böhm ist ein Lügner und Blender. Ein Typ der Freunde hintergeht, Frauen verletzt und damit durchkommt. Aus seinem autobiographischen Bezug und seinem damals ausschweifenden Lebensstil macht er keinen Hehl.

Ärger nach erster Lesung


Ein wenig Ärger gab es auch bei seiner ersten Lesung in Weiden vor einigen Jahren. Einigen Weidenern waren die Figuren der Handlung zu nah an der eigenen Realität. Und die seinerzeit berüchtigten "Filter-Wochen" erwähnte er mit Klarnamen, erfand aber einen Gras- und Speed-Automaten. Die Veranstalter waren "not amused". Da Sünden ja auch verjähren, las Klupp das betreffende Stück aus Paradiso erstmals in Weiden vor. Ein gutes Stück, um den Stil von Klupp zu beschreiben: Er legt nicht den größten Wert auf Szenerie. Alex Böhm ist ständig im inneren Monolog - frappierend ehrlich, zynisch, manipulativ.

In seinem neuen Buch schickt Thomas Klupp seinen Helden zurück ins Leben eines 15-Jährigen. Der Vater Herzchirurg, die Mutter depressiv. Viel Taschengeld, viel Freizeit, viel Talent als Tennisspieler. Seine Schulnoten fälscht er und solange die Äußerlichkeiten passen, lassen die Eltern ihn machen. Der Literat las drei Seiten aus seinem neuen Buch vor. Der junge Held beschreibt dort seinen Marihuana-Konsum, der ihn zusehends in die körperliche Apathie treibt. Er versucht, damit aufzuhören und scheitert - zumindest vorerst.

Zur Auflockerung der Leseteile hatte das Sündikat wieder einmal einen Überraschungssupport aufgetan: "re/oad club" - ein Indie-Trio mit Gitarre, Schlagzeug und Saxophon.
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