Weidener Meisterkonzerte
Kammermusik mit Flöte, Bratsche und Harfe

Philipp Nickel (Bratsche), Silke Aichhorn (Harfe), Dejan Gavric (Flöte) begeistern bei den Weidener Meisterkonzerten die Klassik-Liebhaber in der Max-Reger-Halle. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
01.02.2016
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Nach Mozart und Reger vor Wochenfrist hat der Förderkreis für Kammermusik am Sonntag in der Max-Reger-Halle ein Kontrastprogramm aufgelegt: Musik aus England und Frankreich, apart besetzt mit Flöte, Bratsche und Harfe, feine Delikatessen nach schwerer Kost elegant und kultiviert serviert.

Wieder einmal lauschen die Mikrofone von BR-Klassik jeder Nuance nach. Sie motivieren die Musiker Silke Aichhorn (Harfe), Dejan Gavric (Flöte) und Philipp Nickel (Bratsche), besonders makellos und ausziseliert zu Werke zu gehen, aber auch die Pferde straff am Zügel zu führen und fahrlässige Risiken zu meiden.

Meisterhafte Musiker


Dejan Gavric schickt einen ungemein farbenreichen, flexiblen Flötenton in die Arena, der Seele und Gemüt erwärmt. Spätestens beim Solostück "Syrinx" von Debussy (1862-1918) werden seine Qualitäten offenbar, selbst ein fast unhörbares Pianissimo, das den Atem stocken lässt, hat er drauf. Philipp Nickels luftig-leichtes und blitzsauber intoniertes Bratschen-Spiel darf man besonders bei Malcolm Arnolds "Duo mit Flöte" bewundern. Sein seidiger, fülliger Ton ohne Ecken und Kanten überzeugt. Silke Aichhorn steuert ihr außerordentlich facettenreiches Harfenspiel bei. Anders als beim Saiteninstrument Klavier hat die Spielerin bei der Harfe halt den direkten "Draht zum Draht", den sensiblen Fingerkontakt zur Saite ohne Maschinerie dazwischen.

Die drei Instrumente verschmelzen zu einer bemerkenswerten klanglichen Einheit. Sämtliche Komponisten stammen aus traditionsreichen Ländern, aus der "Grande Nation" beziehungsweise "Great Britain", aus Kulturen, deren Identität über Jahrhunderte gewachsen ist, deren man sich nicht ständig vergewissern muss. Sämtliche Musik des Abends ist denn auch geradezu anti-intellektuell, fantasievoll, unprätentiös und unkonventionell in Form und Inhalt - schon die Titel lassen es ahnen.

Arnold Bax (1883-1953) greift beim Trio Elegiac zu den irischen Nationalinstrumenten Harfe und Flöte, durch die modalen Melodien weht der frische Wind irischer Küsten. Benjamin Brittens "Lachrymae" (1950), nach einer Melodie von John Dowland, ergreifen und erschüttern. In England wie in Frankreich gab es eben keine künstlerische Katastrophe mit "Entarteter Musik" aufzuarbeiten wie hierzulande, kein Komponist musste in unterkühlter, trockener Rationalität Zuflucht suchen.

Mit Harfe besonders


Auch die französischen Stücke scheinen wie im Freien komponiert (nicht in der Gelehrten-Stube) und von lichtem, kreativem Freigeist durchströmt: Das geschmackvolle Terzettino des Organisten Théodor Dubois (1837-1924), die Natur-Skizzen von Claude Debussy, denen jede brütende Schwüle und Schwulstigkeit fehlt. Original für die Besetzung ist seine "Sonate Trio" geschrieben, die "Sonatine en Trio" des Kollegen Maurice Ravel (1875-1937) eigentlich für Klavier, im Arrangement mit Harfe gerät sie zum Schmankerl, ebenso wie die beschwingte Zugabe von Jacques Ibert.
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