Weltstars an der Waldnaab

Dem Weidener "Kunstgenuss bis Mitternacht" mit seinen vielen Coverbands und unterschiedlichsten Sounds aus der Konserve stand am Freitag im Bistrot Paris mitreißender Weltklasse-Jazz gegenüber.

Kaum zu glauben: "Soul Jazz Alliance" gegen den Rest der Welt. Joris Dudli und Vincent Herring mit ihrer zeitlosen Musik im gepflegten Ambiente des "Bistrot Paris" contra Gratisgetränke in Kanzleien und beim Einzelhandel.

Konkurrenz und Verlockungen im Stadtgebiet waren unbestreitbar riesengroß. Aber für den echten Jazzfan bot der Wettstreit von Altsaxophon und Trompete (Jeremy Pelt) Ansporn genug fürs Kommen. Belohnung sind Dynamik, Power und Präzision. Und ein phänomenales Bandgefühl. Die hochkonzentrierten Könner bringen das Kunststück fertig, den finsteren Novemberabend für eine Weile vergessen zu lassen.

Unvergesslicher Abend

Der Weidner Jazz-Zirkel hat wirklich nicht gekleckert und Weltstars an die Waldnaab geholt. Den Schlagzeuger Joris Dudli, der schon mehrmals mit verschiedenen Ensembles in Weiden zu Gast war. Oder den Frontmann Vincent Herring, allein schon von der Optik und von der Art her, wie der die Themen anpackt, ein zweiter Charlie Parker. Auch er gab schon mal beim Jazz-Zirkel ein unvergessliches Konzert. Herring strahlt Ruhe aus, moderierte kundig den Abend und plaudert augenzwinkernd Anekdoten aus seinem erfüllten Musikerleben aus. So soll Klasse-Keyboarder Jared Gold das Gerüst für "You got Soul" eingefallen sein, unmittelbar nachdem er in New York ausgeraubt worden war. Das Stück beginnt wie ein durchdringendes Orgelwerk und wird dann souverän vom Gitarristen Jesse van Ruller aufgenommen. Ganz großes Kino ist das.

Kein Schnickschnack. Es sind vor allem die saftigen Bläsersätze, wie schon beim Opener "So real", die die Ohren der Zuhörer mit ihrem Feingefühl überraschen. Überhaupt ist die Combo international besetzt, rekrutiert sich aus zwei Amerikanern - dem Frontline-Bläser-Duo der Extraklasse - und jeweils einem Holländer, Österreicher und Schweizer. Im Gepäck haben die Fünf ihre neue CD "True Paradise". Der heute in Wien lebende Drummer Dudli zählt sicherlich in Europa zu den ganz großen seiner Zunft.

Seine Ausnahmestellung unterstreicht er auch im Bistrot mit seinem irrsinnigen Drive. Dudli, der erstaunliche Groove-Schlagzeuger, der schon mit Dizzy Gillespie, Lionel Hampton und Nat Adderly spielte, ist einer den man für diese Art Soul Jazz zu spielen, unbedingt braucht.

Zeitlose Melodienbögen

Die "Alliance" bringt keinen altbackenen Jazz, sondern setzt vor allem auf Eigenkompositionen. So grooven die meisten Songs ziemlich konzentriert um zeitlose Melodienbögen, galoppieren aber immer wieder in Richtung Hardbop, der wohl wichtigsten Inspirationsquelle des Soul- Jazz.
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