Wen-Sinn Yang bei Max-Reger-Tagen
Vier Saiten und viele Dimensionen

Vor ausverkauftem Haus bezaubert der Cellist Wen-Sinn Yang sein Publikum bei den Weidener Max-Reger-Tagen. Bild: Kunz

Von Peter Donhauser

Weiden. In der Max-Reger-Stadt, im Reger-Jahr kann es gelingen: einen Violoncello-Abend mit kostbarer, durchaus schwerer Kost - Bach und Reger als Hauptgänge - anzubieten und damit einen Sparkassen-Raum zu füllen. Ein Hoch auf das interessierte Publikum! Schon mit 24 Jahren wurde Wen-Sinn Yang 1989 Solocellist im Sinfonieorchester des BR, seit 2005 ist er Professor an der Hochschule für Musik und Theater München. Seine scheinbar vom Altern amnestierte Jugendlichkeit hat er bewahrt, von ebenso lockerer Leichtigkeit ist sein Spiel geprägt, ein Gegenpol zu schweißgetränktem Schuften und Schaben.

Selbst das Capriccio op. 43 des Cellisten Julius Klengel in Form einer Chaconne (1905) bringt ihn nicht an Grenzen, trotz der von Schwierigkeiten gespickten Läufe, Doppelgriffe, Arpeggien und der virtuosen Staccatos im Auf- wie Abstrich, die einen schier schwindlig machen. Klengel fährt hier ein Arsenal geballter Cellotechnik aus dem Hangar, Wen-Sinn Yang hat das Opus auf die Hälfte eingedampft, nach zehn Minuten ist auch genug des Waffenklirrens.

Vokaler Monolog


Siegfried Mauser, Rektor des Mozarteums Salzburg, ist nicht angereist, aus dem geplanten Podiumsdialog wird so recht und schlecht (und akustisch nicht immer gut verständlich) ein vokaler und instrumentaler Monolog des Cellisten. Zwei Ecksteine der Sololiteratur für Cello stehen an: die erste der sechs Solosuiten von Bach in G, Nrn. 2 und 3 aus op. 131c von Reger (1915), dazwischen liegen fast 190 Jahre, in denen das Cello so gut wie nicht mit adäquatem Solo-Futter bedacht wurde.

Reger wählte wie Bach den Titel "Suite", er beginnt mit der gleichen Tonartenfolge (G, d), er lässt die erste wie Bach mit großer Dur-Dezime und 16tel-Bewegung starten. Im Largo (etwas eilig und aktiv angestrichen) nimmt Reger sogar Bezug auf Bachs Choral "Wenn ich einmal soll scheiden". Er bewertete diese Werke für sich als "Therapeutikum, erzieherisch ungemein wertvoll betreffs musikalischer Keuschheit".

Wen-Sinn Yang spielt Bach so klar wie lebendig, mit ebenmäßiger Tonqualität, noch die kleinsten Notenwerte verströmen erlesene Kultur, keine der Motivwiederholungen im Prélude von BWV 1007 gleicht der anderen. Rhetorische Deklamation und Bachs latente Polyphonie rangieren tiefer.

Plädoyer für das Violoncello


Yangs expressives, an Farbdimensionen reiches Spiel ist wie prädestiniert für Reger. Sein fülliger Ton bezaubert mit Schmelz und Charme vom kellertiefen Bass bis zum strahlenden Diskant. Besonders in der noch anspruchsvolleren a-Moll-Suite nimmt er das konzentrierte Publikum mit auf eine spannende dramatische Reise durch die Sexten- und Terzen-Labyrinthe der Reger'schen Harmonik, in geläuterter Wehmut lässt er die Variationen ausklingen. Ein Festabend, ein Plädoyer für Max, für Johann Sebastian, für das Violoncello.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.